Etwa 20 Prozent der Menschen in den größten europäischen Ländern sehen die USA inzwischen als „große Bedrohung“ – und damit häufiger als Nordkorea oder China.
Die Vereinigten Staaten sind mit Feuer und Zorn ins Jahr 2026 gestartet. Vom Sturz des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro im Januar bis hin zum offenen Konflikt mit dem Iran, der bereits mehrere prominente Opfer gefordert haben soll – darunter Ayatollah Ali Khamenei – überschlagen sich die geopolitischen Ereignisse.
In Europa sorgen diese Entwicklungen für erhebliche Verunsicherung. Laut einer neuen YouTrend-Umfrage (Quelle auf Englisch) befindet sich das Vertrauen in die Vereinigten Staaten auf einem historischen Tiefpunkt.
Rund 20 Prozent der Befragten im Vereinigten Königreich, in Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien und Polen betrachten Washington inzwischen als "große Bedrohung" – ein höherer Anteil als bei jenen, die dasselbe über Nordkorea sagen.
Neben den jüngsten Militäroperationen dürfte auch der konfrontative Ton der Trump-Regierung zu dieser Einschätzung beigetragen haben. Seit Amtsantritt übte sie immer wieder scharfe Kritik an Europa.
Dazu zählen die Behauptung, die EU sei gegründet worden, um "die USA zu bescheißen", der Vorwurf unzureichender NATO-Beiträge, Warnungen vor einem "zivilisatorischen Selbstmord" Europas, der eskalierende Zollstreit – und nicht zuletzt die wiederholten Avancen in Richtung Grönland.
Die Reaktionen in den einzelnen Ländern spiegeln dabei auffällig die Haltung ihrer politischen Führungen zur aktuellen geopolitischen Krise wider.
Spanien etwa, wo mit 31 Prozent die meisten Befragten große Sorgen gegenüber den USA äußern, war auch das einzige EU-Land, das den Angriff auf den Iran offen verurteilte. Premierminister Pedro Sánchez bezeichnete ihn als "ungerechtfertigte, gefährliche militärische Intervention".
Treibt Trump Europa ungewollt in Chinas Arme?
Die Umfrage deutet zugleich auf eine subtile Verschiebung hin: Europas Blick auf Washingtons größten Rivalen, China, scheint sich leicht zu verändern.
Peking landet nicht nur auf dem letzten Platz unter den als gefährlich eingestuften Großmächten. Auf einer erweiterten Liste von 19 möglichen Bedrohungen – darunter Korruption, Cybersicherheit, Klimawandel und Atomkrieg – nannten lediglich 2,8 Prozent Chinas Außenpolitik als Hauptsorge.
China verurteilte unterdessen (Quelle auf Englisch) die mutmaßliche Tötung Ali Khameneis durch die USA aufs Schärfste und sprach von einer "schweren Verletzung der Souveränität und Sicherheit Irans" sowie einem Verstoß gegen die Grundprinzipien der Vereinten Nationen.
Die Außenpolitik Washingtons rangiert im Durchschnitt dagegen auf Platz zwei der größten Sorgen (21,5 Prozent).
Beziehungen zwischen den USA und Europa: vorübergehende Krise oder dauerhafter Bruch?
Trotz der angespannten Lage sieht die Mehrheit der Befragten die aktuelle Krise in den transatlantischen Beziehungen eher als vorübergehende Entfremdung denn als endgültige Trennung.
In Frankreich, Spanien, Polen, Italien und dem Vereinigten Königreich überwiegt die Ansicht, dass sich die amerikanische Außenpolitik und ihr Kurs gegenüber Europa wieder entspannen könnten, sobald Donald Trump nicht mehr im Amt ist. Am optimistischsten zeigt sich Spanien mit 55 Prozent.
Deutschland hingegen sticht durch besondere Skepsis hervor: 47 Prozent der Befragten glauben, dass die Beziehungen einen Punkt erreicht haben, an dem es kein Zurück mehr gibt.
Migration bleibt das dominierende Thema
Unabhängig von der transatlantischen Krise wird Migration europaweit als drängendstes Problem wahrgenommen. Im Durchschnitt nennen 31 Prozent sie als größte Herausforderung – besonders ausgeprägt im Vereinigten Königreich (40 Prozent) und in Spanien (34 Prozent).
Eine Ausnahme bildet Polen. Dort sehen die Befragten vor allem eine mögliche russische Aggression als größte Gefahr (42 Prozent) sowie bewaffnete Konflikte im Allgemeinen (30 Prozent).
Auffällig ist zudem Italien: Die Italiener äußern vergleichsweise mildere Ansichten gegenüber Russland. Sie weisen die niedrigsten Anteile unter jenen auf, die Moskau als große Bedrohung betrachten (39 Prozent), ebenso wie unter denen, die eine weitere militärische Aggression in Europa befürchten (11 Prozent).