Er soll sich selbst als Guru ausgegeben und seine Anhänger zu einem mittellosen Leben in einem baufälligen Bauernhaus in Italien überzeugt haben. Jetzt muss sich der Deutsche in Untersuchungshaft gegenüber dem Vorwurf der Kindesmisshandlung verantworten.
Auf der italienischen Insel Sizilien wurde eine sogenannte Waldgemeinschaft entdeckt. Ein Mann soll sich als spiritueller Guru selbst ernannt und eine Gruppe mit 15 Anhängern gebildet haben, darunter auch Kinder. Der 59-jährige Deutsch-Inder wurde nun in Italien festgenommen.
Mark Ravikiran Koppikar hat sich mutmaßlich selbst als spirituellern Meister ernannt und vor mehreren Personen ausgegeben. Von der Polizei wurde er nun wegen des Vorwurfs der Kindesmisshandlung festgenommen. Die Festnahme wurde von der Staatsanwaltschaft in Termini Imerese angeordnet.
Die Gemeinschaft lebte in einem Haus im Wald in Gibilmanna, wenige Kilometer von Cefalù (Sizilien) entfernt. Dort wurde der Mann in der Waldgemeinschaft verhaftet. Unter seinen etwa 15 Anhängern, die unter prekären hygienischen Bedingungen in einem baufälligen Bauernhaus lebten, waren auch zwei Kinder im Alter von sieben und elf Jahren.
Der Mann indischer und deutscher Herkunft war bereit, das Land zu verlassen. Ein Jugendgericht hatte vergangene Woche beschlossen, die Kinder aus der Waldgemeinschaft zu nehmen und in Sicherheit zu bringen. Die Kinder wurden vorübergehend in Obhut der Großeltern eines der beiden Kinder gegeben.
Laut der Staatsanwältin von Termini Imerese, Concetta Federico, waren die Minderjährigen "Verhaltensweisen ausgesetzt, die als schwerwiegend schädlich angesehen werden", in einem Umfeld, das "durch Formen der Isolation und psychologischer Konditionierung gekennzeichnet" sei.
Angesichts der schwerwiegenden Indizienlage und der konkreten Fluchtgefahr ordnete die Richterin für Koppikar eine Untersuchungshaft an.
Eines der Kinder war deutsch, das andere italienisch. Es stellte sich heraus, dass sie derzeit keine Schule besuchen, außerdem seien sie nicht geimpft und hätten noch nie einen Kinderarzt gesehen. Sie wurden mutmaßlich gezwungen, auf Luftmatratzen zu schlafen und nächtliche Patrouillen um das als feucht und verwahrlost beschriebene Bauernhaus zu unternehmen, um die Erwachsenen vor der möglichen Anwesenheit von Fremden zu warnen.
Wer war der Guru der Gemeinschaft in Gibilmanna?
Koppikar kam im Jahr 2017 nach Sizilien. Er predigte Frieden und die Loslösung von materiellen Gütern, hatte aber eine Vorliebe für Luxus und Autos. Wie die Nachrichtenagentur Ansa berichtet, lebte er im Gegensatz zu vielen seiner Anhänger in einer Villa mit luxuriösem Komfort. Der Guru, der einen Abschluss in Psychologie hatte, warb seine Anhänger über soziale Medien an und nahm Spenden entgegen. Die finanziellen Umstände sollen nun von den Ermittlern untersucht werden.
Den Behörden wurde die Situation vom Vater einer Anhängerin des Gurus gemeldet. Diese stammt aus Cefalù und ist Eigentümerin des Landhauses, in dem ein Teil der Gemeinschaft lebte. Die Anhängerin war außerdem die Mutter eines der beiden Kinder war.
Der Mann, ein örtlicher Hotelier, hatte die psychologische Einflussnahme auf seine Tochter angeprangert und von ständigen Geldabhebungen der Frau berichtet. Sie habe außerdem einen prestigeträchtigen Job aufgegeben, um ihrem Gefährten zu folgen.
Ersten Ermittlungen zufolge soll der Guru im Jahr 2024 aus dem Schloss Glenborrodale in Schottland zwangsgeräumt worden sein, das er 2022 für 3,75 Millionen Pfund gekauft hatte, ohne den fälligen Betrag zu bezahlen.
Es scheint, dass sich seine Aktivitäten um die Shanti Foundation drehen, eine in London gegründete Organisation, deren Anschrift mit der eines libanesischen Restaurants übereinstimmt. Weitere Ermittlungen sollen für mehr Klarheit sorgen.