Newsletter Newsletters Events Veranstaltungen Podcasts Videos Africanews
Loader
Finden Sie uns
Werbung

Neuer Bericht: So geht es Ukrainern auf dem deutschen Arbeitsmarkt

Neuer Bericht über die Situation von ukrainischen Geflüchteten auf dem deutschen Arbeitsmarkt
Neuer Bericht über die Situation von ukrainischen Geflüchteten auf dem deutschen Arbeitsmarkt Copyright  Copyright 2009 AP. All rights reserved.
Copyright Copyright 2009 AP. All rights reserved.
Von Franziska Müller
Zuerst veröffentlicht am
Teilen Kommentare
Teilen Close Button

Ein neuer Bericht über die Situation der Ukrainer auf dem deutschen Arbeitsmarkt zeigt ein ambivalentes Bild. Viele ukrainische Geflüchtete finden schneller eine Beschäftigung, doch das Beschäftigungsniveau verbleibt unter dem tatsächlichen Potenzial. 37 Prozent beziehen Bürgergeld.

Seit der großangelegten russischen Invasion in der Ukraine sind 1,3 Millionen Ukrainerinnen und Ukrainer aus ihren Heimatland nach Deutschland geflohen. Laut dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) weist die Arbeitsmarktintegration der ukrainischen Geflüchteten "deutliche Fortschritte" auf.

WERBUNG
WERBUNG

Der IAB-Analyse zufolge ist die Hälfte der zu Beginn des Angriffskriegs auf die Ukraine nach Deutschland eingereisten ukrainischen Geflüchteten dreieinhalb Jahre nach ihrem Zuzug beschäftigt – "noch deutlich unter dem Beschäftigungsniveau der Gesamtbevölkerung, aber signifikant häufiger als frühere Fluchtkohorten", so die Untersuchung.

Ein Bericht der Bundesagentur der Arbeit (BA) legt dar, in welcher Situation sich die Ukrainer auf dem deutschen Arbeitsmarkt befinden. Denn als die großangelegte russische Invasion in der Ukraine im Jahr 2022 begonnen hat, wurden Sonderregelungen geschaffen, um den Menschen eine Perspektive in Deutschland zu ermöglichen.

Sowohl beim Aufenthaltsstatus als auch beim Arbeitsmarktzugang wurden Ausnahmen gemacht, die teilweise bis heute gelten.

Rund eine Million Ukrainer in Deutschland erwerbsfähig

Laut den aktuellsten Zahlen aus dem Februar 2026 leben derzeit 991.809 ukrainische Staatsbürger in Deutschland, die im erwerbsfähigen Alter sind. Dabei handelt es sich um Zugewanderte zwischen 15 und 65 Jahren.

Als erwerbsfähige Personen (geP) gemeldet sind allerdings 523.082 ukrainische Staatsbürger. Etwa 40 Prozent von ihnen sind arbeitslos. Die große Mehrheit dieser Gruppe (37,5 Prozent) erhält Leistungen, die noch als Bürgergeld bezeichnet werden, künftig aber zur Neuen Grundsicherung transformiert werden.

Die verbliebenen 60 Prozent befinden sich in Integrationskursen, in der berufsbezogenen Deutschsprachförderung, in Ausbildung, Schule oder in der Erziehung und Pflege.

Vergleicht man den Anteil mit den Top 8 Asylherkunftsländern, ist der Unterschied in etwa gleich. Unter den Top 8 sind die nicht-europäischen Länder zusammengefasst, aus denen am meisten Asylerstanträge kamen, darunter Afghanistan, Eritrea, Irak, Iran, Nigeria, Pakistan, Somalia und Syrien.

Von den gemeldeten erwerbsfähigen Personen unter den Top 8 Asylherkunftsländern sind derzeit 42 Prozent arbeitslos, darunter 34,6 Prozent, die Bürgergeld beziehen.

Ukrainer in Deutschland: Arbeitslosenanteil gesunken

Etwa jeder fünfte ukrainische Staatsbürger in Deutschland war im März 2026 arbeitslos, 196.000 von ihnen bezogen Bürgergeld - das sind 6.500 weniger Bürgergeldempfänger als im Vorjahr.

58 Prozent (237.650) der Arbeitsuchenden mit einer ukrainischen Staatsangehörigkeit suchen eine Stelle auf Helferniveau, zeigt die Erhebung der Bundesagentur für Arbeit. 33 Prozent (135.454) sind hingegen auf der Suche nach einer qualifizierten Tätigkeit. Im Vergleich zu den Geflüchteten der anderen Asylherkunftsländer liegt die Quote an qualifizierten Arbeitssuchenden aus der Ukraine deutlich höher.

Angesteuerte Berufe sind beispielsweise Lagerwirt, Zustellung, Fahrzeugführung im Straßenverkehr, Verkauf oder im Baugewerbe, wie Männer angegeben haben. Ukrainische Frauen, die derzeit arbeitslos sind, suchen Jobs in der Reinigung, im Verkauf, im Büro und Sekretariat oder im Bereich der Speisenzubereitung.

Das sind die Berufsfelder, in denen die meisten der beschäftigen Ukrainer und Ukrainerinnen ohnehin bereits arbeiten.

Aufgrund der ungünstigen Ausgangsbedingungen ist eine erfolgreiche Arbeitsmarktintegration für Geflüchtete häufig schwieriger, denn bei der Ankunft fehlt oftmals ein konkretes Jobangebot, fehlende Sprachkenntnisse stellen eine Hürde dar und auch psychische Belastungen durch die Fluchterfahrungen schränken teilweise ein, erklärt die IAB-Analyse. Der Einschätzung zufolge kommen rechtliche und institutionelle Hürden hinzu und auch die anhaltende Bleibeperspektive infolge des russischen Angriffskriegs ist eine Belastung.

Geflüchtete Ukrainer finden in Deutschland schneller in Arbeit

Demnach sind allerdings seit Juni 2022 Zugezogene schneller in Beschäftigung als Geflüchtete, die bereits in den ersten vier Monaten des Ukraine-Krieges in Deutschland angekommen sind.

Im Vergleich zum Vorjahr arbeiteten im Januar 2026 70.000 Ukrainer mehr, insgesamt haben in diesem Monat 373.000 Ukrainer gearbeitet. Mit über 86 Prozent ist der Großteil davon sozialversicherungspflichtig beschäftigt, zahlt also auch Beiträge.

Die Beschäftigungsquote liegt derzeit bei 39,7 Prozent für Ukrainer und 35,7 Prozent bei Ukrainerinnen. Das liegt deutlich unter dem Niveau der Gesamtbevölkerung in Deutschland von mehr als zwei Drittel.

Geflüchtete Männer waren vor allem in Produktion und Technik, in Verkehr und Logistik sowie im Bau- und Ausbaugewerbe beschäftigt. Frauen arbeiteten zu großen Teilen im Lebensmittel- und Gastgewerbe sowie in kaufmännischen Dienstleistungen.

Diese Regeln gelten für Ukrainer in Deutschland

Was den Aufenthalt betrifft, so haben Ukrainer in Deutschland weiterhin einen Sonderstatus in Deutschland. Sie erhalten eine Aufenthaltserlaubnis nach § 24 Aufenthaltsgesetz, die zuletzt 2025 automatisch bis März 2027 verlängert wurde. Damit bleibt ihnen ein schneller und unbürokratischer Zugang zu Schutz ohne Asylverfahren erhalten. Auch beim Arbeitsmarktzugang gelten weiterhin Ausnahmen – Ukrainerinnen und Ukrainer dürfen von Beginn an uneingeschränkt arbeiten oder sich selbstständig machen.

Neuere gesetzliche Änderungen deuten jedoch auf einen vorsichtigen Kurswechsel hin. Seit April 2025 erhalten neu eingereiste Geflüchtete aus der Ukraine kein Bürgergeld mehr, sondern Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz, die geringer ausfallen. Während Aufenthaltsrecht und Arbeitsmarktzugang bislang stabil bleiben, zeichnet sich damit eine schrittweise Angleichung an das reguläre Asylsystem ab.

Zu den Barrierefreiheitskürzeln springen
Teilen Kommentare

Zum selben Thema

Mit Tierärztin aus Hawaii: Wal Timmy wird mit Luftkissen angehoben

Vier Jahre Gepard-Panzer für die Ukraine: so bewährt sich der deutsche Klassiker

Ungarns Außenminister Szijjártó meidet EU-Treffen nach Orbáns Wahlniederlage