Wer im Internet bestellt, landet oftmals schneller auf gefälschten Seiten als gedacht. Denn sie imitieren große Shops bis ins Detail. Ein Fakeshop-Finder soll Abhilfe schaffen. Euronews hat mit dem preisgekrönten Projekt gesprochen.
Es ist ein winziges Detail, auf das man erstmal kommen muss - doch am Ende verrät es, ob ein Online-Shop vertrauenswürdig ist oder nicht. Ein Buchstabendreher in der URL-Zeile, ein fehlendes oder falsches Impressum, auffällige Siegel.
Rund 1.800 Fakeshops, also gefälschte Webseiten zum Verkauf von Kleidung und sonstigen Waren, werden jeden Monat mit dem Fakeshop-Finder entlarvt. Mit diesem Tool haben die Verbraucherzentralen der Länder eine Seite entwickelt, die im Online-Dschungel Sicherheit gewährleisten soll.
Dafür hat das Projekt den Deutschen Präventionspreis 2026 erhalten, der dieses Jahr zum ersten Mal vergeben wurde. Der Fakeshop-Finder sei "ein echtes Vorbild für einfache, wirksame und zukunftsweisende Prävention" im digitalen Raum, heißt es in der Bewertung. Die Juroren sehen außerdem Potenzial, das Projekt auch in anderen Staaten umzusetzen.
Großes Risiko: "Fakeshop-Betreiber sind extrem schnell"
"Onlineshopping ist normal und mittlerweile generationenübergreifend üblich", erklärt Oliver Havlat, spätestens seit der Corona-Pandemie sei der Verbraucheralltag sehr viel digitaler geworden. Eine Entwicklung, die auch für Betrüger von Vorteil ist.
"Für die Betreiber von Fakeshops hat es das Betätigungsfeld und damit die Chancen zum Geldmachen vergrößert", warnt Havlat. Durch KI und Automatisierung sei zudem der Aufwand, funktionierende Betrugsseiten ins Netz zu bringen, rapide gesunken.
Inzwischen gibt es fertig gebaute Fakeshops bereits zu kaufen. "Man darf sich das nicht so vorstellen, dass da jemand in seiner Garage sitzt und wochenlang einen Fakeshop zusammenbaut", mahnt Havlat. Man könne "entweder im Darknet oder bei ganz legitimen Firmen beispielsweise in China und zu Dutzenden oder hunderten gleichzeitig in Betrieb nehmen".
Sowohl das Abschalten als auch das Ersetzen eines Fakeshops durch einen neuen sei inzwischen eine Sache weniger Minuten. Die wenigsten Betrugsseiten seien mehr als ein paar Monate aktiv, wie Havlat Euronews erzählt. Das erschwere auch die Arbeit für die Ermittlungsbehörden.
In seiner vierjährigen Laufzeit hat der Fakeshop-Finder bereits über 100.000 gefälschte Webseiten aufgedeckt. Täglich nutzen ihn rund 14.500 Menschen in Deutschland, etwa die Größe einer Kleinstadt. Denn das Internet ist voll davon, warnt auch das Bundeskriminalamt.
Im Jahr 2023 gab es über 150.000 Fälle von Waren- und Warenkreditbetrug im Online-Handel. Aktuellere Zahlen dazu gibt es nicht, denn eine gesonderte Aufgliederung, ob und in welchem Umfang diese Straftaten mittels Fake-Shops begangen wurden, wird in der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) nicht vorgenommen, wie eine Sprecherin des Bundeskriminalamts auf Anfrage mitteilte.
Was kann der Fakeshop-Finder?
Mit dem Fakeshop-Finder lassen sich Websites überprüfen, bei denen Verbraucher gerne bestellen wollen, allerdings nicht sicher sind, ob es sich um einen vertrauenswürdige Quelle handelt. Es genügt, die URL des Online-Shops in das Suchfeld einzugeben.
"Nach wenigen Sekunden erscheint das Ergebnis der Shop-Prüfung in Form einer Ampel", erklärt Oliver Havlat, der das Projekt Fakeshop-Finder bei der Verbraucherzentrale in Nordrhein-Westfalen leitet.
"Grün wird angezeigt, wenn der Fakeshop-Finder keine Anzeichen für einen Fakeshop gefunden hat. Rot wird angezeigt, wenn es solche Anzeichen gibt. Und gelb zeigt die Ampel dann, wenn das Ergebnis nicht ganz eindeutig ist", so Havlat. Das passiert dann, wenn nicht alle Daten der Website ausgelesen werden können. "In solchen Fällen erscheint auch ein erklärender Text für Verbraucher, der beschreibt, warum die Ampel gelb ist und nach welchen Informationen sie ggf. selbst suchen können", erklärt Havlat weiter.
Der Fakeshop-Finder ist online unter fakeshop-finder.de zu finden.
KI im Einsatz gegen KI: Wie erkennt man gefälschte Shops?
Neben der Unterstützung durch den Fakeshop-Finder appelliert Projektleiter Havlat an den gesunden Menschenverstand.
"Ist ein Angebot zu günstig, um wahr zu sein, ist es in der Regel auch unseriös. Artikel, die es woanders zu deutlich höheren Preisen oder auch gar nicht gibt, werden oft von Fakeshops günstig angeboten. Rabatte von dauerhaft 80 oder 90 Prozent sind in der Regel nicht realistisch. Bei solchen Shops raten wir zu erhöhter Aufmerksamkeit."
Durch den Einsatz von KI auch auf der Seite der Fakeshop-Betreiber werde es für Verbraucher allerdings immer schwieriger, Betrugsseiten von echten Onlineshops zu unterscheiden. Denn gut gemachte Fälschungen würden kein schlechtes Deutsch mehr verwenden.
"Wir finden zahlreiche Fakeshops, in denen es ein Impressum mit echten Daten gibt - geklaut natürlich von legitimen Anbietern, die gar nicht ahnen, dass sie im Impressum von (mitunter dutzenden) betrügerischen Shops stehen", so Havlat. Mit bloßem Auge sei die Unterscheidung für Verbraucher in vielen Fällen gar nicht mehr möglich oder extrem aufwändig.
Was tun bei Online-Betrug?
Die Webseite hilft allerdings nur im ersten Schritt, der Fokus liegt auf Prävention. Haben Verbraucher bereits Bankdaten angeben, Zahlungen geleistet und sind Opfer von Betrug geworden, müssen sie sich an andere Stellen wenden.
"Wir raten Verbrauchern, die Opfer von Fakeshops geworden sind, in jedem Fall Anzeige bei der Polizei zu erstatten", so Havlat. Auf Anfrage stelle das Projekt den Ermittlungsbehörden die eigenen Daten jederzeit zur Verfügung. Eine Sprecherin der Polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes bestätigt das.
"Erstatten Sie Anzeige bei der Polizei", sagte die Sprecherin auf Anfrage von Euronews. Man solle sich darüber hinaus bei der Bank informieren, ob Zahlungen rückgängig gemacht werden können. Das sei innerhalb eines bestimmten Zeitraums in der Regel noch möglich.
"Sichern Sie alle Beweise für Ihren Online-Kauf: Ob Kaufvertrag, Bestellbestätigung oder E-Mails, bewahren Sie alle Belege für Ihren Kauf auf. Drucken Sie diese aus", fordert die Sprecherin der Polizeilichen Kriminalprävention weiter auf. Mit all diesen Unterlagen könne man sich an die Polizei wenden und Strafanzeige erstatten.
Nur dann könnten Löschungen von Fake-Shops konsequent vorangetrieben werden, erklärt die Sprecherin Euronews.
Gespräche mit EU-Kommission
Das Tool hilft derzeit bei der Einschätzung von Websites aus dem deutschsprachigen Raum. Länder außerhalb von Deutschland, Österreich und der Schweiz sind im Impressum anders strukturiert, hier funktioniere die Webseite nicht zuverlässig.
Dabei könne sich das Projekt nach eigenen Angaben gut vorstellen, den Fakeshop-Finder auch für andere Lädner zu öffnen. Gespräche mit der EU-Kommission darüber gebe es bereits. Bisher jedoch ohne Ergebnis, so Havlat.
Für andere Länder wären einige Anpassungen notwendig, "nicht nur hinsichtlich der Sprache, sondern es müssen auch die jeweils landestypischen Strukturen berücksichtigt werden", so Havlat. "Augenblicklich stehen uns dafür keine Mittel zur Verfügung."
So ist demnach die Struktur des Impressums in Deutschland eine andere als in Spanien, Portugal oder Polen. Für den deutschen Raum werden die Daten aus dem Impressum mit dem Handelsregister und der Gültigkeit der Umsatzsteuer-Nummern überprüft. Für andere europäische Länder müssten äquivalente Datensätze zur Verfügung stehen.
Den Fakeshop-Finder gibt es bereits seit 2022. Finanziert wird er von den Verbraucherzentralen von Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Brandenburg, Hessen, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein.