Newsletter Newsletters Events Veranstaltungen Podcasts Videos Africanews
Loader
Finden Sie uns
Werbung

Deutsche Firma auf Russlands Liste – Bauteile in russischen Drohnen gefunden

Bundekanzler Friedrich Merz und der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bei der Präsentation einer Drohne in Berlin
Bundekanzler Friedrich Merz und der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bei der Präsentation einer Drohne in Berlin Copyright  AP
Copyright AP
Von Sonja Issel
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
Teilen Kommentare
Teilen Close Button

Eine russische Liste sorgt in Deutschland für Alarm. Ein Unternehmen aus Hanau steht dabei im Fokus – seine Bauteile tauchten bereits vor Jahren in russischen Drohnen auf.

Nachdem die hessische Stadt Hanau auf einer Liste des russischen Verteidigungsministeriums über angebliche Standorte für die ukrainische Drohnenproduktion aufgetaucht ist, haben die Behörden reagiert. Wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) berichtet, hat die Stadt Kontakt zum Bundesamt für Verfassungsschutz aufgenommen.

WERBUNG
WERBUNG

Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) sprach von einem Versuch der Verunsicherung. "Einschüchterung funktioniert oft mit Desinformation und fehlender Information", erklärte er.

Neben dem Verfassungsschutz wurden nach Angaben der Stadt auch Staatsschutz, Polizei und das Regierungspräsidium Darmstadt eingeschaltet. Ziel sei es, Transparenz zu schaffen und die Bevölkerung zu informieren.

Russland nennt europäische Firmen "strategisches Hinterland"

Hintergrund ist eine Veröffentlichung des russischen Verteidigungsministeriums vor wenigen Tagen. Darin wurden 21 europäische Unternehmen aufgeführt, die an der Drohnenproduktion für die Ukraine beteiligt sein sollen – darunter auch drei Firmen aus Deutschland.

Moskau bezeichnet die Heimatländer dieser Unternehmen als "strategisches Hinterland der Ukraine". Sicherheitsexperten werten diese Formulierung als mögliche indirekte Rechtfertigung für militärische Angriffe oder verdeckte Operationen.

Der frühere russische Präsident Dmitri Medwedew bezeichnete die Liste offen als "potenzielle Ziele für die russischen Streitkräfte".

Das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) hatte sich bereits kurz nach der Veröffentlichung geäußert. Grundsätzlich warnt die Behörde Unternehmen mit Bezug zur Ukraine vor Aktivitäten russischer Nachrichtendienste – und schließt auch "realweltliche Aktivitäten" nicht aus.

In Hanau ist nach Angaben der dpa der Motorenhersteller 3W-Modellmotoren Weinhold betroffen. Dessen Produkte wurden in der Vergangenheit in Drohnen verschiedener Konfliktparteien nachgewiesen – unter anderem bei Milizen im Nahen Osten sowie in einem dokumentierten Einsatz im Zusammenhang mit Russland.

Bauteile des Hanauer Unternehmens in russischen Drohnen gefunden

Der Bezug zu Russland stützt sich auf Recherchen der Organisation Conflict Armament Research (CAR). Die Experten untersuchten über mehrere Jahre sichergestellte Drohnenmodelle aus dem Krieg in der Ostukraine und rekonstruierten deren Lieferketten.

Dabei stießen sie auf eine russische Aufklärungsdrohne, die 2017 von ukrainischen Streitkräften abgeschossen wurde. In dem Modell war ein Motor des Hanauer Herstellers 3W-Modellmotoren Weinhold verbaut.

Nach Angaben des Unternehmens wurde das Bauteil bereits 2013 an einen Händler in Tschechien geliefert. Diese Firma wurde später aufgelöst, laut CAR hatten ihre Geschäftsführer russische Staatsbürger als Verantwortliche, darunter Personen mit Verbindungen zu Sicherheitsorganen. Ein direkter Auftrag durch den russischen Staat ließ sich jedoch nicht nachweisen.

Die Untersuchung zeigte jedoch, dass russische Drohnensysteme häufig mit im Ausland produzierten Komponenten ausgestattet sind, die über Zwischenhändler beschafft werden. Ähnliche Modelle wurden auch außerhalb der Ukraine entdeckt, etwa im EU-Raum, wo sie mutmaßlich für Aufklärungszwecke eingesetzt wurden.

Kein Einzelfall

Der Fall aus Hanau ist kein Einzelfall. Recherchen zeigen, dass russische Militärtechnik häufig auf Komponenten aus dem Ausland zurückgreift – auch aus Europa. So erklärte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj beispielsweise im Oktober 2025, Russland habe bei einem groß angelegten Angriff in einer Nacht insgesamt 549 Waffensysteme eingesetzt, die zusammen mehr als 100.000 im Ausland hergestellte Komponenten enthalten hätten.

Daten der Plattform War&Sanctions zufolge stammen viele Bauteile in russischer Ausrüstung aus den USA und China. Unter der Kategorie "Made in Germany" sind mehr als 130 Komponenten gelistet, über die Hälfte davon wurde in Drohnen entdeckt. Weitere fanden sich in Raketen, Radarsystemen, Militärfahrzeugen und Hubschraubern.

Der Sanktionsrechtsexperte Viktor Winkler erklärte dem Sender Deutsche Welle, dass solche Komponenten zunehmend über Umgehungswege nach Russland gelangen. Dazu zählen Lieferketten über Drittstaaten wie die Türkei, die Vereinigten Arabischen Emirate oder Staaten Zentralasiens.

Zudem würden laut Winkler in einigen Fällen auch Scheinfirmen eingesetzt, die Produkte legal erwerben und anschließend unter Umgehung von Sanktionen weiterverkaufen.

Zu den Barrierefreiheitskürzeln springen
Teilen Kommentare

Zum selben Thema

Vor Präsidentschaftswahl: Macron verschärft Kurs gegen Einfluss aus dem Ausland

Abschiebung wegen Verhalten? Schwedens "ehrliches Leben"-Pläne umstritten

"In Ketten abgeführt": 85-Jährige nach ICE-Haft zurück in Frankreich