Hunderttausende deutsche Bauteile finden sich in russischen Drohnen und Waffensystemen. Wie gelangen diese Komponenten nach Russland? Recherchen zeigen komplexe Lieferketten über Zwischenhändler und Drittstaaten. Made in Germany treibt russische Drohnen an.
Hunderttausende deutscher Bestandteile sind in russischen Drohnen eingebaut. Der ukrainische Geheimdienst (HUR) veröffentlichte eine Liste von Komponenten, ohne die russische Drohnen nicht funktionieren würden. Darunter sind auch Teile aus Deutschland.
Das Portal War and Sanctions berichtet von 137 Komponenten aus Deutschland - 59 davon sind in Drohnen eingebaut. Der Rest steckt in Raketen, Radargeräten, Militärfahrzeugen und Hubschraubern.
Deutsche Transistoren in der russischen "Geran-5"-Drohne
Transistoren sind dabei die am häufigsten verwendeten Bauteile. HUR veröffentlichte eine detaillierte Liste solcher Transistoren aus Deutschland - samt Hersteller. Auf der Website des Portals War & Sanctions liest man immer wieder den Namen eines deutschen Herstellers: Infineon Technologies.
Auf Nachfrage von Euronews sagt das Unternehmen: "Infineon Technologies verurteilt den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine. "Es macht uns sehr betroffen, wenn unsere Produkte missbräuchlich für Zwecke verwendet werden, für die sie nicht bestimmt sind", so Infineon Technologies."
Ein Beispiel ist die Drohne "Geran-5" in der - laut ukrainischem Geheimdienst - deutsche Tranistoren gefunden wurden. Laut dem International Institute of Strategic Studies handelt es sich um eine weiterentwickelte, strahlgetriebene Variante der Geran-Serie. Trümmer, die in der Ukraine gefunden wurden, deuten offenbar auf eine überarbeitete aerodynamische Konstruktion hin, die optisch stärker einem Marschflugkörper ähnelt. Die Drohne enthält
Die Drohne erreiche demnach Geschwindigkeiten von bis zu 600 km/h, eine Reichweite von etwa 950 Kilometern und trage eine Nutzlast von rund 90 Kilogramm. Die Geran-5 verfügt über ein stärkeres Strahltriebwerk sowie ein aerodynamisch angepasstes Design. Die Drohne weist im Vergleich zur Geran-3 eine höhere Geschwindigkeit auf und erreicht eine größere Reichweite.
Kraftstoffpumpen von Bosch in russischen Drohnen
Weitere Bauteile, die in russischen Drohnen verbaut sind, sind Kraftstoffpumpen. War & Sanctions nennt sieben Bestandteile der deutschen Firma Bosch, eingebaut in etliche Drohnen, darunter die Geran-3 und die Shahed-136.
Das Unternehmen bestätigt zu Euronews: "Bosch hat heute keine operativen Geschäftsbeziehungen mehr mit Russland. Auch liefert das Unternehmen keine Produkte oder Komponenten mehr nach Russland. Alle unsere Einheiten und Mitarbeiter weltweit sind angewiesen, keine Geschäfte mit Russland oder Belarus zu tätigen", so das Unternehmen zu Euronews.
Laut einem Bericht des Institute for Science and International Security erreichte die Zahl der Angriffe russischer Drohnen vom Typ Shahed auf die Ukraine im März 2026 einen neuen Höhepunkt.
Aktuellen Daten zufolge startete Russland 6.462 Drohnen vom Typ Shahed sowie zugehörige Angriffs- und Täuschdrohnen, von denen 4.186 als Shahed-/Geran-Angriffsdrohnen identifiziert wurden. Die durchschnittliche Startfrequenz erreichte 208 Drohnen pro Tag und übertraf damit sowohl den Wert vom Februar 2026 (181/Tag) als auch den bisherigen Höchststand vom Juli 2025.
Zwischen 18:00 Uhr am 23. März und 18:00 Uhr am 24. März startete Russland 948 Drohnen vom Typ Shahed und 35 Raketen – dies war der höchste tägliche Einsatz von Drohnen gegen die Ukraine seit Kriegsbeginn.
Zum Vergleich: Drohnenstarts lagen im März 2025 bei durchschnittlich 140 Drohnen pro Tag. Dies war wiederum ein massiver Anstieg im Vergleich zur durchschnittlichen Rate von August 2024 bis zum 31. Januar 2025, die bei durchschnittlich 60 Drohnen pro Tag lag. Selbst im Zeitraum vom 1. Januar 2025 bis zum 31. Januar 2025 war die Startquote geringer als im Februar 2025, wobei die tägliche Zahl der Starts im Durchschnitt bei 85 Drohnen lag.
Vor allem Kamikazedrohnen werden eingesetzt
Die Shahed-136 ist eine im Iran entwickelte sogenannte Kamikaze-Drohne, die für Angriffe auf Bodenziele ausgelegt ist. Sie verfügt über ein charakteristisches Deltaflügel-Design und wird meist von Startgestellen in Gruppen abgefeuert.
Die Drohne fliegt vergleichsweise langsam und in niedriger Höhe und wird in der Regel über satellitengestützte Navigation gesteuert. Sie trägt einen Sprengkopf von etwa 30 bis 50 Kilogramm und kann – je nach Einsatzprofil – Reichweiten von mehreren hundert bis über tausend Kilometern erreichen.
Aufgrund ihrer vergleichsweise einfachen und kostengünstigen Bauweise gilt sie als besonders geeignet für sogenannte Sättigungsangriffe. Russland setzt die Shahed-136 unter der Bezeichnung "Geran-2" im Krieg gegen die Ukraine ein.
Bosch in russischen Militärfahrzeugen
Neben Transistoren und Pumpen verwendet Russland auch Induktoren, Generatoren, Kondensatoren, Transformatoren und Batterien, um die Ukraine zu terrorisieren.
Diese werden im KamAZ-63968 eingesetzt. Dabei handelt es sich um ein russisches, hochgeschütztes Mehrzweck-Militärfahrzeug aus der Familie der MRAPs (Mine Resistant Ambush Protected), das für den Transport von Personal unter Gefechtsbedingungen entwickelt wurde.
Das Fahrzeug verfügt über einen gepanzerten Rumpf mit V-förmigem Unterboden zum Schutz vor Minen und improvisierten Sprengsätzen (IEDs) sowie modulare Panzerung gegen Beschuss. Je nach Konfiguration kann es bis zu 16 Soldaten transportieren und ist mit moderner Kommunikationstechnik sowie optional fernbedienbaren Waffenstationen ausrüstbar.
Auch im ZSA-T „Linza“ sind Bestandteile der Firma Bosch gefunden worden. Dabei handelt es sich um ein russisches, geschütztes Sanitätsfahrzeug. Es wurde speziell für den Einsatz in Gefechtszonen entwickelt, um Verwundete unter gepanzertem Schutz zu bergen und zu transportieren.
Das Fahrzeug verfügt über ballistischen Schutz sowie einen gegen Minen und improvisierte Sprengsätze (IEDs) ausgelegten Unterboden. Je nach Variante kann es mehrere liegende und sitzende Verletzte aufnehmen und ist mit medizinischer Grundausstattung für Erstversorgung während des Transports ausgestattet.
Weitere Komponenten lassen sich deutschen Herstellern zuordnen, darunter TDK Electronics, Würth Elektronik sowie Pierburg, eine Tochtergesellschaft von Rheinmetalls.
Wie gelangen deutsche Bauteile nach Russland?
Doch wie gelangen deutsche Bauteile in russisches Kriegsgerät, etwa in Drohnen die ganz Europa erreichen können?
Laut The Kyiv Independent ist die Produktion der "Shahed"-Drohnen aus Russland relativ kostengünstig. Diese werden dort deshalb in Massenproduktion hergestellt.
Insbesondere die Drohne "Geran-2" ist für die Europäische Union potentiell gefährlich, unter anderem wegen ihrer Reichweite von etwa 2.000 Kilometern, so eine Quelle aus einem europäischen Geheimdienst gegenüber The Kyiv Independent.
Die Auswirkungen sind in vielen europäischen Ländern unmittelbar zu spüren. Während der groß angelegten russischen Luftangriffe auf die Ukraine sind russische Shahed-Kampfdrohnen in den Luftraum der Nachbarländer Polen, Rumänien und Moldawien eingedrungen.
Die EU hat Sanktionen gegen Russland verhängt. Unternehmen dürfen demnach keine Bestandteile oder Waffen mehr nach Russland liefern. Trotzdem werden auch deutsche Bestandteile immer wieder in russischen Drohnen gefunden. Wie gelingt das?
Ein Fall, der Hinweise liefert
Ein Fall liefert Hinweise. 2025 explodierte eine russische Shahed-Drohne in der Ukraine nicht. Sie wurde vom ukrainischen Militärgeheimdienst geborgen und zerlegt, wie The Kyiv Independent berichtete. Die Geran-2 wurde vom russischen Werk Kupol in Ischewsk hergestellt.
Unter anderem wurde in den Trümmern ein Drehgeber entdeckt, der von dem österreichischen Unternehmen ams-OSRAM hergestellt wurde.
Der ukrainische Militärgeheimdienst datierte das Herstellungsjahr des Sensors auf 2024, zwei Jahre nach Beginn des umfassenden Krieges des Kremls gegen die Ukraine – nachdem die EU Exportbeschränkungen verhängt hatte.
Laut einer Stellungnahme von ams-OSRAM, die The Kyjiv Independent vorliegt, wurde der Sensor im Juli 2024 an ein Unternehmen in Hongkong geliefert. Von dort wurde er an ein Unternehmen in China weitergeleitet, das der Sensorhersteller als "Endnutzer" betrachtete.
Trotz der Vertragsbedingung, wonach die Verwendung des Produkts für militärische Zwecke verboten war, konnte der Sensor in eine russische Militärdrohne gelangen.
Die Vermutung: Entweder hat das chinesische Unternehmen den Sensor an Russland verkauft, oder das Unternehmen hat mit dem österreichischen Sensor ein größeres Bauteil hergestellt und das Produkt an Russland verkauft.
Gelangen deutsche Teile über Drittländer nach Russland?
Gelangen deutsche Bestandteile etwa auf ähnlichem Weg über Drittstaaten wie China nach Russland und von dort auf das Schlachtfeld in der Ukraine?
Euronews hat fünf deutsche Unternehmen kontaktiert, darunter Infineon Technologies, Rheinmetall, Würth Elektronik, Bosch und TDK Electronics. Zwei Unternehmen haben uns bisher geantwortet.
Infineon betont gegenüber Euronews: "Wir unternehmen besondere Anstrengungen und haben spezifische Kontrollen implementiert, um eine illegale und missbräuchliche Nutzung der von uns gefertigten Produkte zu verhindern. Die Einhaltung der geltenden Gesetze hat für Infineon höchste Bedeutung, und wir haben umfassende Maßnahmen ergriffen, um die Einhaltung der Sanktionen nicht nur gemäß dem Wortlaut, sondern auch im Einklang mit ihrem Geist zu gewährleisten", betont das Unternehmen.
Das Unternehmen beteuert, dass es seit dem russischen Angriffskrieg in der Ukraine keine Bestandteile nach Russland liefere: "Bereits unmittelbar nach dem russischen Angriff auf die Ukraine hat Infineon umfassende Maßnahmen ergriffen, um alle direkten und indirekten Lieferungen nach Russland zu stoppen, ungeachtet der damals noch bestehenden rechtlichen Möglichkeit, bestimmte Geschäfte weiterzuführen. Wie im März 2022 beschlossen, hat Infineon daraufhin seine Landesgesellschaft in Russland aufgelöst", hieß es.
Das Unternehmen hat Euronews mitgeteilt, dass es Liefersysteme blockiere, die direkte und indirekte Lieferungen nach Russland tätigen. "Wir verkaufen unsere Produkte zudem nur an Kunden, die nicht im Verdacht stehen, Geschäfte mit Russland zu machen", so Infineon Technologies.
Um Missbrauch zu verhindern, setzt das Unternehmen auf die "No-Russia-Klausel". Auf das Verbot der Weiterleitung nach Russland und Belarus wird auf jedem Lieferschein hingewiesen. Wird festgestellt, dass ein Unternehmen, mit dem Geschäftsbeziehungen bestehen, Handel mit Russland treibt, stoppt Infineon Technologies die Belieferung, so das Unternehmen, das proaktiv interne Nachforschungsergebnisse zu Produkten vornimmt und mit Behörden zusammenarbeitet.
Doch das Unternehmen bestätigt auch: "Was in der Folge mit den Produkten geschieht, liegt außerhalb unseres direkten Einflussbereichs." Es sei äußerst schwierig, den Weiterverkauf eines Produkts über den gesamten Lebenszyklus hinweg zu kontrollieren, so Infineon Technologies.
"Wir fertigen pro Jahr rund 30 Milliarden Chips. Weltweit werden die Sanktionen nur von rund 60 Staaten mitgetragen, was ein international koordiniertes und wirksames Vorgehen erschwert", so Infineon Technologies zu Euronews.
Bosch: Häufig auch Fälschungen im Umlauf
Insbesondere äußerte sich Bosch zu den Pumpen, die von der HUR auf deren Seite veröffentlicht wurden: "Berichte wie die von Ihnen erwähnten sind uns grundsätzlich bekannt", so Bosch.
Das Unternehmen habe Informationen und Bilder untersucht Bosch bezieht sich auf einen Fall einer Benzinpumpe. "Unsere Analysen im Fall einer Benzinpumpe (hat) gezeigt, dass es sich nicht um ein Bosch-Produkt handelte", hieß es in der Stellungnahme.
Doch, das Portal War & Sanctions erwähnt ausdrücklich Bosch-Pumpen mit entsprechenden Fotos. Wie kann das sein?
"Allgemein werden Benzinpumpen des fraglichen Typs als Massenware in großen Stückzahlen für den Einsatz in Privatfahrzeugen vertrieben", so das Unternehmen. "Häufig sind davon auch Fälschungen im Umlauf", so Bosch zu Euronews.
"Wir gehen nach unserer Analyse davon aus, dass dies auch hier der Fall war und es sich um eine Fälschung handelte. In anderen Fällen zeigte sich, dass es sich bei den Produkten – hier handelte es sich um Elektronikkomponenten – auf Basis der uns dazu vorliegenden Materialien möglicherweise um Commodity-Produkte von Bosch handeln könnte, die in großen Stückzahlen für eine Vielzahl von Anwendungen vertrieben werden, z. B. für Smartphones", so Bosch zu Euronews.
Bosch selbst habe sämtliche direkten und indirekten Lieferungen von Bosch-Produkten nach Russland und Dienstleistungen an Kunden in Russland eingestellt, hieß es.
Das Unternehmen arbeite mit verschiedenen Instrumenten, um das Risiko von Umgehungen noch weiter zu minimieren. Bosch achtete beispielsweise in deren Beziehung zu neuen und bestehenden Kunden auf potentiell kritische Aspekte wie etwa unvorhergesehene Bestellmengen, hieß es.
Die Endverwendung unserer Zulieferungen ist aufgrund der komplexen, mehrstufigen Lieferketten oft nicht bekannt. Es ist äußerst schwierig, auf den direkten Vertrieb folgende Verkäufe über den gesamten Lebenszyklus eines Produkts hinweg zu kontrollieren. Maßgeblich ist, dass sich alle Teile einer Lieferkette an bestehende Regularien halten.
Parallelimporte würden typischerweise ohne Kenntnis des Herstellers und aus Ländern, die keine Sanktionen gegen Russland verhängt haben, erfolgen, so das Unternehmen. "Über den Umfang möglicher Parallelimporte haben wir weder zuverlässige Angaben, noch ist es möglich, dies im russischen Markt zu erheben", räumt Bosch gegenüber Euronews ein.
Das bestätigt die Vermutung, dass deutsche Bestandteile über Drittstaaten wie China, Türkei, die Vereinten Arabischen Emirate oder Zentralasien nach Russland weiterverkauft werden. Dort werden sie offenbar unter anderem aus fertigen Motoren oder Smartphones in Drohnen eingebaut.
Eine weitere Theorie hat der Sanktionsexperte Prof. Dr. jur. Viktor Winkler der Deutschen Welle geäußert: Demnach würden Lieferungen zunehmend direkt über kriminelle Scheinfirmen innerhalb Deutschlands organisiert. Diese Firmen kauften die Güter bei Herstellern und exportierten sie unter Umgehung der Sanktionen illegal nach Russland.
Insgesamt bewertet er solche Lieferungen militärischer Komponenten aus Deutschland nach Russland als rechtlich gravierend, jedoch als Einzelfälle – insbesondere im Vergleich zu anderen Bereichen der Sanktionsumgehung, die deutlich größere Ausmaße annehmen, etwa beim Handel mit Luxus- oder Konsumgütern.
Sind EU-Sanktionen wirkungslos?
Trotz umfangreicher Sanktionen der Europäischen Union gegen Russland gelangen weiterhin technologische Komponenten, die in der Rüstungsindustrie verwendet werden können, aus der EU nach Russland. Nach Angaben der Website "War & Sanctions" kommen die meisten ausländischen Bauteile in russischer Militärausrüstung aus den USA und China. Doch auch deutsche Bauteile finden sich häufig in russischen Drohnen, wie hier dargelegt wurde.
Die Analyse zeigt, dass diese Komponenten über ein Netzwerk von Zwischenhändlern und Handelsunternehmen nach Russland gelangen, das als wichtiger Umschlagplatz für den Handel mit Dual-Use-Technologien fungiert.
Die Untersuchung legt zudem nahe, dass das derzeitige Sanktionsregime der EU häufig auf einzelne Unternehmen abzielt, während umfassendere Handelsnetzwerke, darunter illegale Unternehmen und Distributoren, außerhalb der Reichweite der Sanktionen bleiben. Dies ermöglicht die Umgehung von Exportkontrollen und die fortgesetzte Lieferung von Technologien, die den militärisch-industriellen Komplex Russlands stärken.
Wo liegt der Fehler im System?
Die Organisation B4Ukraine kritisiert in einem Bericht strukturelle Schwächen im EU-Sanktions- und Exportkontrollrecht. Dazu gehören hohe Anforderungen an den Nachweis von Wissen über die Endverwendung sowie vergleichsweise geringe Sorgfaltspflichten für Unternehmen.
Dadurch komme es vor, dass europäische Unternehmen unter Umständen nicht ausreichend Kenntnis über die tatsächliche militärische Endverwendung ihrer exportierten Güter haben, was zwei der untersuchten Unternehmen Euronews bestätigten.
In einzelnen untersuchten Fällen wurden exportkontrollierte Maschinen über Zwischenhändler in Drittstaaten wie der Türkei als nicht kontrollpflichtig deklariert und anschließend weiter nach Russland geliefert, teilweise sogar an Unternehmen mit Verbindungen zum ursprünglichen EU-Exporteur, so B4Ukraine.
B4Ukraine schlägt vor, das EU-Exportkontrollrecht zu reformieren, um Sanktionen gegen Russland wirksamer durchsetzbar zu machen und Verstöße strafrechtlich besser verfolgen zu können.
Demnach soll die sogenannte "Wissensschwelle" gesenkt werden, die eine Exportgenehmigung auslöst. Künftig soll nicht nur dann eine Prüfung erforderlich sein, wenn ein Exporteur sicher weiß, dass Güter militärisch genutzt werden, sondern bereits dann, wenn ein entsprechender Verdacht oder begründete Anhaltspunkte bestehen.
Zweitens fordert die Organisation verpflichtende Sorgfaltspflichten für Exporteure. Unternehmen sollen bei sensiblen Gütern standardisierte Prüfungen durchführen, bestimmte Unterlagen von Kunden einholen und definierte Warnsignale ("Red Flags") beachten müssen. Wenn diese nicht ausgeräumt werden können, soll automatisch eine Melde- oder Genehmigungspflicht gegenüber den Behörden ausgelöst werden - ein Verfahren, über das Bosch Euronews bereits berichtete.
Drittens soll der Anwendungsbereich dieser Pflichten auf strategisch besonders relevante Industrien ausgeweitet werden, etwa Maschinenbau und Komponenten für die militärische Produktion. Dadurch würden verdächtige Lieferungen in diesen Bereichen systematisch stärker kontrolliert.
Insgesamt zielt der Vorschlag darauf ab, EU-Regeln an strengere internationale Standards anzugleichen und Schlupflöcher zu schließen, da europäische Technologieexporte weiterhin als potenzielles Sicherheitsrisiko im Zusammenhang mit Russlands Rüstungsindustrie gesehen werden.
Sanktionen und Exportkontrollen stoßen an Grenzen
Die Analyse zeigt, dass trotz umfassender EU-Sanktionen weiterhin westliche – darunter auch deutsche – Hochtechnologiekomponenten in russische Waffensysteme gelangen. Nach Recherchen stammen viele dieser Bauteile aus komplexen, schwer kontrollierbaren Lieferketten und werden über Zwischenhändler, Drittstaaten oder teilweise auch durch Umgehungsstrukturen weitergeleitet. Besonders betroffen sind sogenannte Dual-Use-Güter, die sowohl zivil als auch militärisch genutzt werden können.
Zugleich wird deutlich, dass das bestehende Sanktions- und Exportkontrollsystem in der Praxis an Grenzen stößt. Ermittlungen bleiben häufig ohne strafrechtliche Konsequenzen, während hohe rechtliche Hürden und begrenzte Sorgfaltspflichten Unternehmen nicht ausreichend in die Verantwortung nehmen. Experten und Organisationen wie B4Ukraine sehen daher strukturelle Schwächen im EU-Recht, die gezielte Umgehungen erleichtern.
Vor diesem Hintergrund werden Reformen gefordert, die niedrigere Verdachtsschwellen, verpflichtende Prüf- und Dokumentationspflichten sowie eine stärkere Kontrolle besonders sensibler Industriebereiche umfassen sollen. Ziel ist es, die Wirksamkeit der Sanktionen zu erhöhen und die ungewollte militärische Nutzung europäischer Technologien künftig besser zu verhindern.