Newsletter Newsletters Events Veranstaltungen Podcasts Videos Africanews
Loader
Finden Sie uns
Werbung

Unter Eis und Druck: Portugals Rolle in der Arktisverteidigung

Portugiesisches U-Boot Arpão im Arktiseinsatz
U-Boot Arpão der portugiesischen Marine im Arktis-Einsatz Copyright  Marinha Portuguesa
Copyright Marinha Portuguesa
Von João Azevedo
Zuerst veröffentlicht am
Teilen Kommentare
Teilen Close Button

Vier Tage unter geschlossener Eisdecke: Ein portugiesisches Diesel-U-Boot wagte 2024 ein riskantes Experiment. Die Erkenntnisse könnten künftig NATO-Missionen und neue U-Boot-Programme prägen.

Das arktische Meereis, das seit 1978 per Satellit überwacht wird, ist in den vergangenen Jahrzehnten massiv zurückgegangen. Am 22. März, kurz nach Ende des Winters erreicht die Eisausdehnung normalerweise ihren Höchststand. Dieses Jahr liegt die voraussichtliche maximale Eisfläche für 2026 bei 14,33 Millionen Quadratkilometern, wie das US-amerikanische National Snow and Ice Data Center (NSIDC) mitteilt. Es ist der niedrigste Höchstwert seit Beginn der Messreihen – und das bereits im zweiten Jahr in Folge.

WERBUNG
WERBUNG

Da sich die Region fast viermal so schnell erwärmt wie der Rest des Planeten, öffnen sich neue Schifffahrtsrouten und Geschäftschancen für zahlreiche Staaten. Viele blicken seit Jahrhunderten auf den hohen Norden, fasziniert von der Abgeschiedenheit und den extremen Klimabedingungen, die wertvolle Bedingungen für die Forschung bieten – vor allem aber von den dort lagernden Bodenschätzen, von Erdöl und Gas bis hin zu strategischen Mineralien.

Der jüngste Bericht des Arktischen Rates verzeichnete in den vergangenen zwölf Jahren einen Anstieg der in der Region eingesetzten einzelnen Schiffe um vierzig Prozent. Die insgesamt zurückgelegte Distanz nahm sogar um 95 Prozent zu – von 6,1 auf 11,9 Millionen Seemeilen.

Die Daten erfassen Schiffe der acht Arktisstaaten (USA, Kanada, Island, Norwegen, Schweden, Finnland, Dänemark und Russland) sowie Schiffe unter Flagge der Beobachterstaaten des Arktischen Rates, die regelmäßig in die durch den Polarcode definierte Zone einlaufen.

Obwohl das durch den Klimawandel bedingte Abschmelzen der Eismassen die Region für Marine-, Fracht- und Kreuzfahrtschiffe attraktiver macht, ist die Navigation in hohen Breiten alles andere als unkompliziert. "In vielerlei Hinsicht ist es einfacher, ins All zu fliegen, als Schiffe in den Polarregionen zu steuern und zu betreibe", so Ekaterina Uryupova, Forscherin am Arctic Institute, in einem von ihr veröffentlichten Text.

Zusätzlich zu den Risiken des zunehmenden Schiffsverkehrs macht die globale Erwärmung das Eis dünner. Das führt zu einem stärkeren Zerbrechen der Gletscher und zur Bildung zahlreicher weiterer Eisberge. Selbst Sommertage bereiten Probleme: In dieser Zeit schmilzt das Eis wegen der höheren Temperaturen besonders rasch.

Treibeisplatten sind kaum berechenbar. Stoßen sie, vom Wind oder von Meeresströmungen angetrieben, zusammen, türmen sie sich auf. An der Oberfläche entstehen regelrechte "Gebirgsketten" aus Eis, die bis zu dutzende Meter unter Wassr reichen können. Für Besatzungen von U-Booten im Arktischen Ozean gehört das zu den größten Gefahren. Ist ihr Boot konventionell angetrieben und verfügt somit nur über eine begrenzte Tauchautonomie, steigt das Risiko: In dicht bedeckten Zonen ist ein Auftauchen oft gar nicht oder nur mit großen Schwierigkeiten möglich.

U-Boot Arpão
U-Boot Arpão Marinha

Hinzu kommt die Gefahr von Überflutungen oder, noch häufiger, von Bränden. In einem Bericht für "The War Zone," ein auf Verteidigungsthemen spezialisiertes Online-Medium, erklärt Eric Moreno, ehemaliger US-Marinesoldat und U-Boot-Fahrer von 2001 bis 2008, dass ein größeres U-Boot mehr Innenraum bietet. Je mehr Platz vorhanden sei, „desto größer ist das Luftvolumen, das ein Feuer 'aufsaugen' kann“, sagt er – die Besatzung gewinne dadurch Zeit, angemessen zu reagieren. In kleineren, klassischen Booten sei, so der Experte, der Handlungsspielraum deutlich geringer. Wegen der geringen Höhe sammeln sich Hitze und Rauch schneller, was zu einer rascheren Anreicherung von Wärme und Rauch führt und die Notfallreaktion erheblich erschwert.

Wegen des extremen Einsatzumfelds bleibt die Fahrt unter dem arktischen Eis seit Ende der fünfziger Jahre fast ausschließlich Atom-U-Booten vorbehalten – meist mehr als hundert Meter langen Einheiten mit hoher Geschwindigkeit und nahezu unbegrenzter Reichweite. Die portugiesische Marine stellte sich dennoch dem Risiko, auch gegen anfängliche Bedenken aus den Reihen der NATO, und schickte zwischen April und Juni 2024 die NRP Arpão in die Tiefe des Eiswassers. Sie wurde damit in der jüngeren Geschichte das erste konventionelle U-Boot, das in dieser Region operierte.

Die Besatzung, rund dreißig Frauen und Männer unter dem Kommando von Fregattenkapitän Taveira Pinto, blieb in der Nähe Grönlands insgesamt vier Tage lang unter der geschlossenen Eisdecke. Die Mission war ein Novum – ein Beleg dafür, dass vermeintliche Grenzen verschiebbar sind. Portugal reiht sich damit neben den USA, dem Vereinigten Königreich und Russland in den kleinen Kreis von Staaten ein, die bereits unter der Polkappe operiert haben – mit dem Unterschied, dass diese Mächte über nuklear betriebene U-Boote verfügen.

"Eigene operative Kompetenz"

Die NRP Arpão lief am dritten April 2024 vom Marinestützpunkt Lissabon aus. Der Einsatz fand im Rahmen der NATO-Operation "Brilliant Shield" statt, dauerte 78 Tage und wurde von den Marinen der USA, Kanadas und Dänemarks unterstützt. Insgesamt kamen 1.800 Seestunden zusammen, davon 1.500 im getauchten Zustand.

Nach der ersten, 22 Tage dauernden Patrouille, bei der neue Verfahren und Umbauten getestet wurden, machte das Boot im Hafen von Nuuk in Grönland fest und bunkerte Treibstoff und Proviant. Danach setzte es Kurs nach Norden und überquerte den Parallelkreis 66º33’ N, der den Polarkreis markiert. An Bord war auch der damalige Chef des portugiesischen Marinegeneralstabs, Henrique Gouveia e Melo, der diese Expedition bereits vor mehr als einem Jahrzehnt konzipiert hatte.

Ehemaliger Marinegeneralstabschef Gouveia e Melo im U-Boot Arpão in der Arktis
Ehemaliger Marinegeneralstabschef Gouveia e Melo im U-Boot Arpão in der Arktis Marinha de Portugal

Nach 39 Stunden und 30 Minuten in großer Tiefe unter dem Eis begann die Besatzung mit der Erkundung der Eisdecke. Dazu gehörte, natürliche Öffnungen im Eis als potenzielle Notausstiegspunkte zu identifizieren sowie Breite und Dichte der gefrorenen Schicht laufend zu überwachen.

Dieser Erfolg der portugiesischen Besatzung beruhte auf der luftunabhängigen Antriebstechnologie, auch genannt Air Independent Propulsion, über die die Arpão verfügt. Das System arbeitet mit Brennstoffzellen und separaten Wasserstoff- und Sauerstofftanks. Die Batterien lassen sich so auch ohne Frischluftzufuhr laden, die Energieversorgung bleibt unter Wasser gesichert. Konventionelle Diesel-Elektro-Boote können damit je nach Geschwindigkeit zwei bis drei Wochen am Stück getaucht bleiben – eine Voraussetzung für Patrouillen unter dem Eis.

Das Vertrauen in die Mission beruhte, so die portugiesische Marine gegenüber Euronews, auf einer "strengen technischen Bewertung, dass die Plattform über inhärente Eigenschaften verfügt, die zu diesem [arktischen] Umfeld passen". Zugleich investierte die Marine in eine "sehr anspruchsvolle Vorbereitung", die sieben Monate dauerte: ein eingehendes Studium des Seegebiets und gezielte materielle Anpassungen nach einer Überprüfung der Schiffssysteme.

Im offiziellen Dokumentarfilm berichtet Gouveia e Melo, die Besatzung der Arpão sei auf "Eismassen gestoßen, die sich wie Berge bis zu neunzig Meter unter die Oberfläche erstreckten". Solche Hindernisse sind Teil dessen, was die Marine als eine "komplexe Kombination von Herausforderungen" beschreibt: von festem und treibendem Eis über Eisberge bis hin zu ganz anderen akustischen Bedingungen als im offenen Meer und einer stark eingeschränkten Auswahl an Optionen für den Fall eines Notfalls an Bord.

Eine der Risikominderungsmaßnahmen war der Einbau eines Hochfrequenzsonars in Zusammenarbeit mit dem portugiesischen Hydrografischen Institut sowie spezieller Sensoren, die Eis erkennen, seine Dicke messen und die Sicherheit der Navigation erhöhen. Außerdem entwickelte und montierte die Werft Arsenal do Alfeite S.A. Schutzvorrichtungen am Turm, damit empfindliche Masten, insbesondere das Periskop und der optronische Mast, nicht direkt mit Eisplatten kollidieren.

Sensorik, Technik, Ausbildung und Einsatzgrundsätze wurden für dieses äußerst spezielle und abgegrenzte Einsatzgebiet angepasst, betont die Marine. Damit habe Portugal den Bündnispartnern gezeigt, dass "die portugiesische U-Boot-Fähigkeit technologisch ausgereift ist", schnell lernt und sich in hochkomplexen Umgebungen anpassen kann.

US-amerikanische Spezialisten für Operationen im Eis gaben zunächst eine grobe Orientierung. Den Großteil der Arbeit leisteten jedoch die Portugiesen selbst: Sie analysierten das Seegebiet, entwickelten Notfallszenarien, trainierten die Besatzung und loteten die taktischen Möglichkeiten der Sensoren aus, unterstreicht die Marine. Das zeige eine nationale Fähigkeit, meteorologische und ozeanografische Daten auszuwerten, Verbündetenwissen aufzunehmen und in eigene operative Kompetenz zu übersetzen.

Wo sich seit dem Zweiten Weltkrieg kein westliches U-Boot vorgewagt hat

Rand-Eiszone in der Arktis
Rand-Eiszone in der Arktis Marinha de Portugal

Die Fahrt im getauchten Zustand in einer Tiefe, die es erlaubt, die Masten über die Wasseroberfläche zu bringen (Periskoptiefe), in der sogenannten Marginal Ice Zone (MIZ) – auf Deutsch Rand-Eiszone, hat die Bedeutung der portugiesischen Mission zusätzlich unterstrichen.

Dieses Manöver sorgte bei den Verbündeten für Erstaunen, gesteht Kommandant Taveira Pinto im Dokumentarfilm und bezeichnet es als Höhepunkt des Einsatzes. Die MIZ ist die Übergangszone zwischen geschlossener Eisdecke und offenem Wasser. Dort setzen schwere Stürme und hohe Wellen die Eismassen unter Druck, Eisschollen brechen schneller auseinander und treiben auf unberechenbaren Bahnen.

Seit dem Zweiten Weltkrieg, hebt die Marine hervor, habe sich kein anderes westliches U-Boot in dieses "hochproblematische" Gebiet voller "Unsicherheit" gewagt. Dort werden sowohl Ortung als auch Manöver deutlich komplizierter – wegen zersplitterten Eises, Schollen unterschiedlicher Größe, sehr hoher Umgebungsgeräusche und zahlreicher Meerestiere, die den Einsatz des Sonars als wichtigstem Sicherheitssensor beeinträchtigen.

Der Einsatz der Instrumente in diesem chaotischen Umfeld verlangt besondere Sensibilität, auch wegen des "damit verbundenen physischen Risikos". Die dort vorkommenden Eisplatten können so groß sein, dass sie bei einer Kollision strukturelle Schäden am Boot verursachen.

"Genau deshalb hat die vom NRP Arpão entwickelte Technik zur Rückkehr auf Periskoptiefe den Unterschied gemacht", erklärt die Marine. Sie habe ein traditionell gemiedenes Gebiet in einen Raum verwandelt, in dem nun mit akzeptablem Sicherheitsniveau operiert werden könne. Die Übung habe "Handlungsfreiheit" geschaffen und U-Boot-Operationen in der Arktis flexibler gemacht.

U-Boot Arpão in der Rand-Eiszone
U-Boot Arpão in der Rand-Eiszone Marinha de Portugal

Mehr noch als der Nachweis, in einem eisbedeckten Ozean operieren zu können, brachte die Arpão eine "taktische Innovation im realen Einsatzumfeld" hervor – mit einer hohen "Anpassungsfähigkeit" an ein Einsatzgebiet, in dem Zugang, Überleben und Unauffälligkeit von sehr feinen Entscheidungen abhängen. So habe Portugal für die Verbündeten operativ relevantes Wissen erzeugt, festgehalten in einem Arktis-Navigationshandbuch, das künftigen Missionen in der Region als umfassende Grundlage dienen soll.

Nachdem die Marine Neuland betreten und Schritte gewagt hatte, für die es ursprünglich weder speziell entwickelte Mittel noch maßgeschneiderte Technik gab, fasste Portugal die Erfahrungen in einem Dokument zusammen, das die Marine als „doktrinelles Werkzeug“ bezeichnet – eine Sammlung von Lehren, die direkt aus dem Einsatz abgeleitet wurden.

In der Veröffentlichung werden unterschiedliche Faktoren vertieft: die multidisziplinäre Vorbereitung, die Auswertung des akustischen Verhaltens in einem für die Portugiesen ungewohnten Szenario, die Beurteilung der Eisverhältnisse und die Anpassung der Sicherheitsverfahren.

Diese Erkenntnisse fließen bereits in die Planungen Kanadas ein, Portugals NATO-Verbündeten. Ottawa passt damit seine neue U-Boot-Flotte an, damit die Schiffe für Einsätze in der kanadischen Arktis geeignet sind, die 40 Prozent der Landesfläche und mehr als 70 Prozent der Küstenlinie ausmacht.

Arpãos Anpassungen als Vorbild

"Was mich am meisten beeindruckt hat, war die Art und Weise, wie die Besatzung der NRP Arpão und die portugiesische Marine diese Mission angegangen sind. Sie waren ruhig, professionell und bis ins Detail vorbereitet", sagt Harrison Nguyen-Huynh, Offizier der kanadischen Marine, zu Euronews. 2024 war er als Verbindungsoffizier an Bord und unterstützte die Besatzung.

Harrison Nguyen-Huynh, stellvertretender Befehlshaber der kanadischen U-Boot-Truppe
Harrison Nguyen-Huynh, stellvertretender Befehlshaber der kanadischen U-Boot-Truppe Harrison Nguyen-Huynh

Nguyen lobt die Einstellung und den Kooperationsgeist der portugiesischen U-Boot-Fahrer. Die NATO-Übung habe eine weitere wichtige Gelegenheit geboten, "gemeinsam Erkenntnisse über einige der Herausforderungen des Einsatzes im Norden zu gewinnen".

Die Beobachtung der Arpão bei "Operationen in der Nähe, auf und unter dem Eis", ergänzt der stellvertretende Befehlshaber der kanadischen U-Boot-Truppe, werde Ottawa bei der Modernisierung seiner Boote helfen – zumal "eine der Hauptanforderungen" des laufenden Beschaffungsprogramms die "Fähigkeit zum Einsatz in der Arktis" ist.

Das Programm startete 2021 mit dem Ziel, die zukünftigen Einsatzumgebungen zu analysieren und daraus die Eigenschaften und Technologien der neuen U-Boote der kanadischen Marine abzuleiten. Sie sollen die derzeitige Flotte von vier Booten der Victoria-Klasse ersetzen, die Kanada 1998 gebraucht aus dem Vereinigten Königreich übernommen hat und die Ende der dreißiger Jahre außer Dienst gehen sollen.

Der frühere kanadische Premierminister Justin Trudeau schloss eine nukleare Antriebsoption zunächst nicht aus. Die Militärführung verwarf sie jedoch wegen des deutlich höheren Aufwands.

In einer im August 2025 veröffentlichten Mitteilung bestätigte die von Mark Carney geführte Regierung ihre Absicht, bis zu zwölf U-Boote anzuschaffen – "mit größerer Reichweite und Ausdauer, die Diskretion, Durchhaltefähigkeit und Schlagkraft als Schlüsselfähigkeiten bieten". Kanada, das die längste Küstenlinie der Welt – mehr als 202.000 Kilometer – besitzt, müsse in der Lage sein, "Gegner in den drei Ozeanen des Landes zu erkennen, zu verfolgen, abzuschrecken und, falls nötig, zu besiegen", heißt es weiter.

Auch wenn es sich um konventionelle U-Boote handeln wird, erfordert ein Projekt dieser Größenordnung enorme Mittel. Schätzungen gehen von 60 Milliarden US-Dollar (rund 51 Milliarden Euro) aus; Fachleute für Verteidigungsthemen rechnen jedoch mit einem Gesamtaufwand von etwa 100 Milliarden US-Dollar (nahe 85 Milliarden Euro), berichtete die kanadische Zeitung "Ottawa Citizen".

Nach Einschätzung derselben Zeitung könnte das der größte Rüstungsauftrag in der Geschichte Kanadas werden. Die Regierung will das Verfahren beschleunigen und den Vertrag möglicherweise noch in diesem Jahr unterzeichnen. Die kanadische Marine ging jedoch bereits 2025 davon aus, dass das erste U-Boot erst 2037 vollständig einsatzbereit sein wird.

Die neuen Boote werden anfangs noch nicht über alle Fähigkeiten für Fahrten unter dem arktischen Eis verfügen, räumte Vizeadmiral Angus Topshee von der kanadischen Marine ein, zitiert von der kanadischen Zeitung "The Globe and Mail". Hier kommt das Beispiel Portugals ins Spiel: Die an der Arpão vorgenommenen Umbauten und Ergänzungen dienen als Leitfaden für die Nachrüstung nach der Auslieferung – sowohl strukturell als auch beim spezialisierten Gerät.

Wie Kommandant Nguyen im Gespräch mit Euronews betont, ist die Schiffsicherheit eine der obersten Prioritäten. Der Einbau von Schutzvorrichtungen für die Masten und die Verstärkung des Turms – eine der zentralen Anpassungen der Portugiesen – gelten als unverzichtbar, um strukturelle Schäden zu vermeiden, falls ein U-Boot im Notfall das Eis durchbrechen muss.

Arpão
Arpão Marinha de Portugal

Ein weiterer zentraler Punkt ist nach Nguyens Worten die Wirksamkeit. Im Einsatz 2024 beruhte sie maßgeblich auf einem Spezialsonar an der Turmspitze, das half, das Eis oberhalb des Bootes zu kartieren und offene Wasserflächen zu erkennen. Operationen in der Arktis verlangen einen Blick in zwei Richtungen – nach oben und nach unten. Die Arpão ermöglichte mit dieser zusätzlichen Fähigkeit, die "Eisdecke" über dem Boot zu überwachen, eine deutlich präzisere maritime Lagekenntnis.

Für künftige Arktis-Missionen mit Diesel-Elektro-Booten liefert die portugiesische Erfahrung wichtige Leitlinien für die Durchführung statischer Manöver und das Verständnis der Besonderheiten der Rand-Eiszone, in der das Geräusch des sich bewegenden Eises die Sensorleistung beeinflusst. Auch die Mischung von Süß- und Salzwasser kann die Schallausbreitung und -auswertung verändern, erinnert die kanadische NATO-Vereinigung. Die von der portugiesischen Marine aufgezeichneten Daten werden deshalb zu einer wichtigen Grundlage, etwa um falsche Echos in Eisnähe zu erkennen und die Ortung zu verbessern.

Nach Angaben der Marine auf Nachfrage von Euronews fanden die von der Arpão erzielten Ergebnisse bei den Bündnispartnern ein "sehr positives Echo". Nach der Mission gab es mehrere Treffen, um Wissen auszutauschen und "Handlungslinien für künftige Planungen" zu definieren.

"Informationen und bewährte Verfahren mit unseren Verbündeten zu teilen, stärkt unsere kollektive Handlungsfähigkeit und erhöht die Wirksamkeit unserer Operationen", sagt Kommandant Nguyen. Kanada als "arktische Nation" betrachte Einsätze im "Norden" als "essenziell", um seine Souveränität zu schützen.

Konventionelle U-Boote als Kampfmittel unter dem Eis

Derzeit gibt es "wegen anderer operativer und strategischer Prioritäten" keine Pläne für weitere Einsätze portugiesischer U-Boote in der Arktis, sagt Marinesprecher Ricardo Sá Granja im Gespräch mit Euronews. Portugal verfolgt jedoch aufmerksam, was in dieser Region geschieht, "in der der geopolitische Wettbewerb zunimmt".

Der arktische Raum wird immer stärker militarisiert. Russland verfügt auf der an Norwegen und Finnland grenzenden Halbinsel Kola über eine der größten Konzentrationen nuklearer Waffen der Welt und setzt in den dortigen Gewässern U-Boote ein, die jeweils Dutzende Sprengköpfe tragen können.

Beobachter melden zudem eine zunehmende Präsenz russischer U-Boote in der GIUK-Passage – dem strategisch wichtigen Seegebiet im Nordatlantik zwischen Grönland, Island und dem Vereinigten Königreich, das den Zugang vom Arktischen Ozean in den Atlantik kontrolliert. Nach Einschätzung von NATO-Kommandeuren könnte die Aktivität dort inzwischen das Niveau des Kalten Krieges übertreffen.

China bezeichnet sich seit 2018 als "Beinahe-Arktisstaat" und investiert weiter in die "Polare Seidenstraße" – ein Plan für neue Handelsrouten durch den Arktischen Ozean, der die Fahrzeit zwischen Asien und Europa auf rund achtzehn Tage verkürzen soll.

Angesichts dieses Wettrüstens und der wachsenden Begehrlichkeiten betont die portugiesische Marine, sie wolle ihren Beitrag zu einem "kollektiven Einsatz für Stabilität" im hohen Norden leisten. Zugleich unterstreicht sie, dass "Abschreckung und Verteidigung im euro-atlantischen Raum nichts Abstraktes sind".

Arpão in der Arktis
Arpão in der Arktis Marinha de Portugal

Die von der Arpão absolvierte Mission zeigt zudem, dass Portugal und andere Staaten trotz der Beschränkungen konventioneller U-Boote das Potenzial besitzen, im Unterwasserkampf eine aktivere Rolle zu übernehmen – auch unter dem Eis.

Einerseits sind diese Boote wegen geringerer Geschwindigkeit und kürzerer Tauchzeiten eingeschränkt. Andererseits können sie bei Batteriebetrieb sehr leise fahren. Diese Unauffälligkeit ist ein Vorteil, der im derzeit angespannten Umfeld etwa bei Überwachungs- und Aufklärungsoperationen und darüber hinaus genutzt werden kann.

Einsätze im Nordatlantik "erfordern die Fähigkeit, Unterwasserbedrohungen zu erkennen, zu verfolgen und, falls nötig, zu bekämpfen", so Sá Granja. Dazu gehöre die "wirksame Beherrschung aller Dimensionen des Gefechts". In der Arktis, wo "Unauffälligkeit, Ausdauer und Unsicherheit entscheidend sind", hätten U-Boote eine "hohe operative Bedeutung" und könnten "die taktischen Optionen erweitern und die Lage für jeden potenziellen Gegner komplexer machen", fügt der Marinevertreter hinzu.

Aus politischer Sicht habe Portugal bewiesen, ein "glaubwürdiger Akteur" bei der Verteidigung des Bündnisses zu sein – mit einem Aktionsradius, der weit über seine unmittelbare Umgebung hinausreicht und "geografische Räume umfasst, die zwar weit vom Festland entfernt, aber direkt mit der Sicherheit des Atlantiks verbunden sind".

Arpão
Arpão Marinha

"In einer Phase, in der die NATO ihre Aufmerksamkeit verstärkt auf den High North richtet, werden Staaten, die ihre reale Einsatzfähigkeit in diesem Umfeld bereits bewiesen haben, zu besonders wertvollen Partnern", sagt Sá Granja. Die "strategische Relevanz" eines Landes von der Größe Portugals bemesse sich nicht allein an der "Menge der verfügbaren Mittel", sondern auch an der "Fähigkeit, der Allianz spezifische, nützliche Kompetenzen zur Verfügung zu stellen".

Die portugiesische Marine will die Entwicklungen in der Arktis weiter genau beobachten und ist "bereit, auf Anfrage erneut in ähnlichen Szenarien mitzuwirken" – insbesondere im Rahmen der NATO.

Zu den Barrierefreiheitskürzeln springen
Teilen Kommentare

Zum selben Thema

Nordflanke unter Druck: Britisch-norwegische Operation gegen russische U-Boote

"Wie im Kalten Krieg": Russland baut neue Militär-Anlagen nahe der finnischen Grenze

"Revolutionär": Portugal will das erste EU-Land mit einem Drohnenträger sein