Künftig ist auch bei der Lufthansa im Basistarif nur noch ein kleines Gepäckstück erlaubt. Für den Rollkoffer müssen Passagiere extra zahlen. Kritiker sehen einen klaren Schritt Richtung Billigflieger-Modell.
Ab dem 19. Mai stellt die Lufthansa Group ihr Tarifsystem auf ausgewählten Kurz- und Mittelstrecken um. Bereits ab Ende April sind entsprechende Tickets buchbar. Kern der Änderung ist ein neuer Einstiegstarif, der „Economy Basic“.
In diesem Tarif ist künftig lediglich ein kleines persönliches Gepäckstück enthalten – etwa eine Laptop-Tasche oder ein kompakter Rucksack. Klassische Handgepäckkoffer, wie sie bisher üblich waren, gehören nicht mehr automatisch zum günstigsten Ticket.
Wer mehr mitnehmen möchte, muss zusätzliche Leistungen buchen oder auf höhere Tarifstufen ausweichen.
Orientierung am Billigflugmarkt – oder mehr Optionen und Abstufungen?
Mit der Umstellung "verfeinert" die Airline ihre Preisstruktur, bietet mehr Optionen an, argumentiert die Lufthansa. Reisende können künftig zwischen mehreren Economy-Varianten wählen, die sich vor allem im Gepäck- und Flexibilitätsumfang unterscheiden:
- Basistarif: nur kleines persönliches Gepäckstück, keine Umbuchung inklusive
- Light-Variante: größeres Handgepäck möglich, Umbuchung gegen Gebühr
- Classic-Tarif: zusätzliches Aufgabegepäck enthalten
- Flex-Tarif: maximale Flexibilität bei Änderungen und Stornierungen
Damit wird das Angebot stärker in einzelne Leistungspakete aufgeteilt – ein Modell, das an das System vieler Billigfluggesellschaften erinnert.
Mit der neuen Struktur bewegt sich die Lufthansa Group näher an die Modelle von Low-Cost-Airlines heran. Dort ist es längst üblich, dass nur das absolut Notwendige im günstigsten Tarif enthalten ist und jedes Extra separat bezahlt wird.
Die Airline selbst begründet den Schritt mit veränderten Kundenbedürfnissen. Besonders für kurze Geschäfts- oder Tagesreisen sei ein reduzierter Tarif attraktiv, da viele Passagiere ohnehin nur mit leichtem Gepäck unterwegs seien.
Kritik von Verbraucherschützern
Die Änderungen stoßen nicht überall auf Zustimmung. Verbraucherschutzorganisationen kritisieren seit Jahren, dass Handgepäck zunehmend zu einem kostenpflichtigen Zusatzprodukt wird. Ihrer Ansicht nach sollte zumindest ein normal großes Kabinengepäckstück weiterhin ohne Aufpreis erlaubt sein.
Auch auf europäischer Ebene ist das Thema umstritten: Während einige politische Akteure eine einheitliche Regelung mit kostenfreiem Handgepäck fordern, sehen andere mehr Spielraum für Airlines, ihre Preisstrukturen flexibel zu gestalten.
Die Diskussion um Handgepäck ist nicht neu, bekommt durch die Änderungen der Lufthansa aber neuen Schwung. Zwischen Verbraucherschutz, Wettbewerbsdruck und wirtschaftlichen Interessen der Airlines bleibt das Thema ein Dauerbrenner in der Luftfahrtbranche.