Inmitten echter Aufnahmen von gewaltsamen Jubelszenen in Paris nach PSGs Sieg gegen Arsenal kursieren auch viele irreführende Bilder, um Stimmung gegen Migration zu machen.
Nach dem Sieg von PSG gegen Arsenal im Champions-League-Finale in Budapest am 30. Mai ist es in Paris zu schweren Ausschreitungen gekommen. Die Franzosen setzten sich im Elfmeterschießen gegen die Engländer durch.
Mehr als 890 Menschen nahm die Polizei im Zusammenhang mit den Feiern fest, sagte Innenminister Laurent Nunez dem Sender France Inter.
Die Staatsanwaltschaft in Paris erklärte, dass in der Nacht von Samstag auf Sonntag 225 Erwachsene und 87 Minderjährige in Gewahrsam kamen. Drei Menschen kamen ums Leben: zwei Männer stürzten in die Seine, ein weiterer starb bei einem Motorradunfall.
Zahlreiche Menschen wurden verletzt, darunter Polizistinnen und Polizisten, die von Splittern getroffen wurden.
Im Internet tauchten Bilder auf, die Leuchtraketen, brennende Autos und Motorräder auf den Straßen und eingeschlagene Schaufenster zeigen. Auf einigen Aufnahmen ist zu sehen, wie die Polizei Tränengas einsetzt, um die Menge zu zerstreuen.
Aber neben vielen echten Aufnahmen kursieren auch zahlreiche Fälschungen. Sie sollen offenbar das Bild verbreiten, „Paris brennt“, und das Ausmaß der Gewalt in Teilen der französischen Hauptstadt übertreiben.
Ein Beispiel ist ein Video, von dem viele Nutzerinnen und Nutzer in sozialen Netzwerken behaupten, es zeige den Eiffelturm in Flammen. In den Kommentaren geben sie Migrantinnen und Migranten die Schuld.
Ein Blick auf das Konto, das den Clip ursprünglich geteilt hat, zeigt jedoch: Der Nutzer schreibt, der Turm liege im Rauch, nachdem am Ufer der Seine in der Nähe ein Feuer ausgebrochen sei.
Er behauptet nicht, dass das Wahrzeichen selbst brennt. Offizielle Polizeiangaben dazu gibt es ebenfalls nicht.
Ein weiteres, weit verbreitetes Video zeigt umgestürzte Autos, Feuer auf der Straße und Menschen, die eine Bushaltestelle demolieren.
In der Bildunterschrift steht in fremdenfeindlichem Ton, Migrantinnen und Migranten hätten wegen eines Fußballspiels die französische Hauptstadt verwüstet.
Das Video ist jedoch älter. Es zeigt nicht die Ausschreitungen in Paris nach dem Spiel PSG gegen Arsenal.
Das Faktencheck-Team von Euronews, The Cube, hat den Clip bereits früher geprüft und widerlegt: Anfang April dieses Jahres machte er schon in den sozialen Netzwerken die Runde, angeblich als Beleg für einen frisch ausgebrochenen Aufstand. Tatsächlich stammt das Video aus dem Jahr 2022, aus der Zeit nach einem Schusswaffenangriff auf die kurdische Gemeinschaft in Paris.
Nach dem Anschlag kam es zu heftigen Protesten. Damals wurden drei Menschen getötet und weitere verletzt. Die französischen Behörden stuften die Tat als rassistisch motiviertes Hassverbrechen ein.
Auch ein weiteres altes Video kursiert erneut online. In den Texten dazu ist von „oberkörperfreien Männern aus Sri Lanka“ die Rede, die nach dem Spiel in den Straßen von Paris Kokosnüsse zerschlagen und alles verschmutzen würden. Viele dieser Beiträge machen „offene Grenzen“ und die Einwanderungspolitik verantwortlich.
Der Clip zeigt in Wahrheit das jährliche Ganesh-Fest. Es findet je nach Jahr im August oder September statt und wird seit rund 30 Jahren von der tamilischen Gemeinschaft in Paris gefeiert.
Es ist daher falsch, einen Zusammenhang mit den jüngsten Gewaltausbrüchen in der Hauptstadt herzustellen. Berichten zufolge reinigen die Teilnehmenden gemeinsam mit privaten Firmen nach dem Fest die Straßen.