Newsletter Newsletters Events Veranstaltungen Podcasts Videos Africanews
Loader
Finden Sie uns
Werbung

Mit Führungs- und Versorgungsschiff: Deutschland verlegt Minensucher vorsorglich ins Mittelmeer

Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius bei den japanischen maritimen Selbstverteidigungsstreitkräften am 22. März 2026.
Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius bei den japanischen maritimen Selbstverteidigungsstreitkräften am 22. März 2026. Copyright  AP Photo
Copyright AP Photo
Von Sonja Issel & Fortunato Pinto
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
Teilen Kommentare
Teilen Close Button

Minensucher und Unterstützungsschiffe sollen ins Mittelmeer verlegt werden. Ein Einsatz zur Sicherung der Straße von Hormus bleibt vorerst offen und hängt von politischen sowie militärischen Entwicklungen ab.

Die Bundesregierung bereitet sich offenbar intensiv auf einen möglichen Einsatz zur Sicherung der Straße von Hormus vor. In einem Interview mit der Rheinischen Post erklärte Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) am Samstag: "Wir werden einen Minensucher ins Mittelmeer verlegen und ihm ein Führungs- und Versorgungsschiff zur Seite stellen." Dies könne bereits in den kommenden Tagen oder Wochen geschehen.

WERBUNG
WERBUNG

In diesem Zuge solle "das Engagement an anderer Stelle temporär sinnvoll und mit den Partnern abgestimmt" reduziert werden.

"Das könnten wir leisten, um in der Meerenge von Hormus zu einer freien und sicheren Schifffahrt und Navigation beizutragen", so Pistorius.

Da ein Einsatz nur mit Mandat des Deutschen Bundestags möglich ist, wurden bereits Teile der Einheiten ins Mittelmeer verlegt, um im Falle einer Entscheidung Zeit zu gewinnen.

Bei dem Vorgehen orientiert sich der Minister demnach am Modell rund um den Start der EU-Marinemission Operation Aspides im Roten Meer.

Minenräumung und Seefernaufklärung möglich

Bundeskanzler Friedrich Merz und Verteidigungsminister Pistorius hatten bereits zuvor einen möglichen Einsatz ins Spiel gebracht. Bei Beratungen über eine Militärmission zur Sicherung der Straße von Hormus in Paris vor rund einer Woche stellte Deutschland ein konkretes Beteiligungsangebot in Aussicht.

Aus Insiderkreisen berichtete die Deutsche Presse-Agentur (dpa), der Auftrag könne insbesondere Minenräumung und Seefernaufklärung umfassen – also das Aufspüren und Beseitigen von Seeminen sowie die weiträumige Überwachung des Seegebiets.

Vorerst bleibt ein Einsatz allerdings rein theoretisch.

"Voraussetzung für einen deutschen Einsatz der Marine in der Straße von Hormus ist zuallererst ein Ende der Kampfhandlungen“, betonte Pistorius.

Auch Italien bereitet Einsatz vor

Neben Deutschland bereiten sich auch andere europäische Länder auf einen möglichen Einsatz vor.

Wie Ministerpräsidentin Giorgia Meloni in den vergangenen Tagen ankündigte, ist Italien bereit, vier Marineschiffe – darunter zwei Minensucher sowie Unterstützungsschiffe – zur Räumung der Straße von Hormus zu entsenden. Admiral Giuseppe Berutti Bergotto machte den Einsatz jedoch von einer Waffenruhe nach dem Konflikt abhängig.

Bei einer Anhörung vor dem Verteidigungsausschuss der Abgeordnetenkammer wurde deutlich, dass Einsätze in nicht-feindlichen Umgebungen erforderlich sind, um die Wirksamkeit der Sicherheitstechnologien zu maximieren und die Risiken für die Besatzungen zu minimieren.

"Wir haben gesehen, dass die Straße von Hormus schnell gesperrt werden kann, selbst mit sehr geringem finanziellem Aufwand", erklärte der Marinechef. "Denn die Minen, die der Iran in Hormus verlegt hat, sind sehr billig und zudem veraltet. Dennoch entsteht dadurch ein Unsicherheitsraum und vor allem eine zunehmende Verschlechterung der Sicherheit der Schifffahrt."

Unsicheres Nadelöhr für den Welthandel

Die Herausforderung betrifft dabei nicht nur veraltete Munition, sondern auch die Verwundbarkeit von Handelsschiffen, die in nur 18 Kilometern Entfernung zur iranischen Küste verkehren und damit potenziellen Raketenangriffen oder Schnellbooten ausgesetzt sind.

Der Iran hat faktisch eine eigene Blockade über die Straße von Hormus verhängt und lässt nur noch wenige Schiffe durch die strategisch wichtige Wasserstraße passieren. Das sorgt für Turbulenzen auf den globalen Energiemärkten.

Die Ölpreise gaben am Freitag in der Hoffnung, dass neue Friedensgespräche zu einem Ende der Störungen durch Teheran führen könnten, zwar nach. Die Situation bleibt jedoch weiterhin angespannt.

EU-Ratspräsident António Costa forderte deshalb am Freitag im Rahmen eines informellen EU-Gipfels, die Meerenge müsse "umgehend, ohne Einschränkungen und ohne Gebühren" wieder geöffnet werden.

"Das ist von entscheidender Bedeutung für die gesamte Welt", sagte Costa.

Ziel der Marine bleibt es daher, die Freiheit der Schifffahrt in diesem strategisch wichtigen Nadelöhr zu gewährleisten und Bedrohungen zu neutralisieren, die trotz geringer Kosten die Stabilität des internationalen Handels erheblich beeinträchtigen.

Zu den Barrierefreiheitskürzeln springen
Teilen Kommentare

Zum selben Thema

16 Erdbeben in 15 Minuten: Spanien in Alarmbereitschaft

Spionageverdacht im Bundestag: Was über die jüngsten Phishing-Angriffe bekannt ist

Verliert Portugals Nelkenrevolution vom 25. April in Europa an Bedeutung?