Forscher präsentieren neues Klimamodell: Es soll El Niño und La Niña bis zu 15 Monate im Voraus deutlich genauer vorhersagen.
Die ersten drei Monate des Jahres 2026 waren der viertwärmste Jahresbeginn seit Beginn der Aufzeichnungen – obwohl schwache La‑Niña‑Bedingungen die Temperaturen eigentlich dämpfen.
Gleichzeitig erreichte die Meereisbedeckung in der Arktis einen neuen Negativrekord.
Nun rechnen Fachleute damit, dass das für den Frühherbst erwartete El‑Niño‑Ereignis besonders stark ausfallen wird.
Nach Einschätzung von Expertinnen und Experten liegt die Wahrscheinlichkeit bei neunzehn Prozent, dass 2026 das Rekordjahr 2024 als bislang wärmstes Jahr übertrifft.
2026 könnte Super-El Niño bringen
Auf Basis von Temperaturreihen aus fünf verschiedenen Forschungsgruppen geht das Umweltportal Carbon Brief davon aus, dass 2026 mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zu den vier wärmsten Jahren seit Beginn der Messungen zählen wird – und voraussichtlich das zweitwärmste Jahr werden könnte.
Die globalen Temperaturen dürften im Laufe des Jahres weiter steigen, insbesondere im Herbst, wenn ein „Super“-El Niño einsetzen könnte.
Dieses Erwärmungsphänomen im tropischen Pazifik prägt die weltweiten Wetterlagen und kann Dürren, Überschwemmungen und marine Hitzewellen verstärken.
Gebräuchlichstes Maß für Prognosen ist die Temperaturabweichung in der tropischen Pazifikregion „Niño3.4“.
Anhaltende Meeresoberflächentemperaturen von mehr als null Komma fünf Grad Celsius über dem Normalwert gelten als El‑Niño‑Ereignis. Liegt die Abweichung über eins Komma fünf Grad, sprechen Forschende von einem starken El Niño. Abweichungen von mehr als zwei Grad werden oft als „Super“-El Niño bezeichnet.
Carbon Brief verweist auf aktuelle Klimamodelle, die für September einen mittleren Wert von zwei Komma zwei Grad Erwärmung vorhersagen – ein Szenario, das die Welt klar in den Bereich eines Super‑El‑Niño rücken würde.
Die zusätzliche Erwärmung dürfte nach September weiter zunehmen, da El‑Niño‑Bedingungen meist zwischen November und Januar ihren Höhepunkt erreichen.
Kommt es tatsächlich zu einem Super‑Ereignis, würde dies die Wahrscheinlichkeit „deutlich erhöhen, dass 2027 zum wärmsten Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen wird“, so Carbon Brief.
Wie Forschende die Stärke von El Niño vorhersagen
Eine genaue Prognose der El‑Niño‑Entwicklung zu Beginn des Jahres gilt traditionell als schwierig.
In der Regel brauchen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler noch einige Monate, bevor sie verlässlich ein starkes oder sogar ein Super‑Ereignis ankündigen können.
Forschende der University of Hawai'i at Mānoa haben jedoch kürzlich eine Studie veröffentlicht, die El Niño und La Niña eigenen Angaben zufolge bis zu fünfzehn Monate im Voraus treffsicher vorhersagen kann.
Die in Geophysical Research Letters veröffentlichte Arbeit stützt sich auf Beobachtungen der Meeresoberflächentemperatur und der Meereshöhe – ohne komplexe Klimamodelle zu nutzen.
„Viele der derzeit führenden Vorhersagesysteme sind entweder dynamische Klimamodelle, die enorme Rechenleistung erfordern, statistische Modelle, die auf ENSO‑Wissen aus Jahrzehnten der Forschung beruhen, oder KI‑Ansätze, die große Mengen an Trainingsdaten brauchen und physikalisch oft schwerer zu interpretieren sind“, sagt Hauptautor Yuxin Wang.
Stattdessen nutzte das Team zwei zentrale, bereits vor Jahrzehnten beschriebene „Klimagedächtnisse“, um ein datengetriebenes, empirisches Modell zu entwickeln.
Veränderungen des Meeresspiegels zeigen an, wie sich Wärme im tropischen Pazifik aufstaut. Schon in den Siebzigerjahren nutzte der Ozeanografie‑Pionier Klaus Wyrtki Pegelmessungen an Küsten, um El Niño vorherzusagen.
Außerdem tragen Abweichungen der globalen Meeresoberflächentemperaturen, auch außerhalb des tropischen Pazifiks, dazu bei, dass sich Monate später ein El Niño oder eine La Niña ausbildet.
Das Team speiste historische Daten aus diesen beiden Beobachtungsreihen in ein Computermodell ein, um zu testen, ob sich damit der Niño3.4‑Index der vergangenen sechs Jahrzehnte zuverlässig rekonstruieren lässt.
„Wir haben festgestellt, dass sich El Niño und La Niña damit überraschend gut vorhersagen lassen – mit nutzbarer Trefferquote bis zu etwa fünfzehn Monate im Voraus“, sagt Wang.
Das Modell prognostiziert derzeit die Entwicklung eines starken El Niño mit mehr als zwei Grad über dem Normalwert im östlichen äquatorialen Pazifik gegen Ende dieses Jahres.
„Eine verlässliche ENSO‑Vorhersage mehr als ein Jahr im Voraus ist wichtig. Sie ermöglicht Frühwarnungen, sodass Gemeinden, Regierungen und Ressourcenverwalter Maßnahmen ergreifen und sich anpassen können, um die möglichen Folgen von El Niño und La Niña zu begrenzen“, fügt Wang hinzu.