Der künftige ungarische Ministerpräsident ist anlässlich eines Filmfestivals in Italien, wird aber auch von Meloni in Rom empfangen. Die große Frage: Wie werden sich die ungarisch-italienischen Beziehungen nach dem Regierungswechsel in Budapest entwickeln?
Die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni und der designierte ungarische Ministerpräsident Péter Magyar werden am Donnerstagvormittag im Palazzo Chigi in Rom zusammenkommen. Es ist die Chance, ein neues Kapital der ungaro-italienischen Beziehungen aufzuschlagen - nach der Wahlniederlage von Viktor Orbán, der 16 Jahre an der Macht gewesen ist.
Sieht Meloni den Ungarn als Verbündeten?
Die derzeitige italienische Regierung ist ein Verbündeter Orbáns, auch wenn er nicht so eng mit Meloni zusammengearbeitet hat wie beispielsweise Robert Fico in der Slowakei oder früher Mateusz Morawiecki in Polen.
Orbán und Meonie einte der Kampf gegen die Einwanderung, und beide sind Schlüsselfiguren im illiberalen Lager der neuen Rechten in Europa. Giorgia Meloni hingegen verfolgte stets eine pragmatischere, weniger konfrontative Politik in der Europäischen Union als Viktor Orbán. Und in Bezug auf den Krieg in der Nachbarschaft vertritt Meloni eine wesentlich pro-ukrainische Haltung als Orbán.
Außerdem gehörten Orbáns und Melonie Parteien nicht zur gleichen europäischen Parteienfamilie: Die Fidesz ist Mitglied der Gruppe der Patrioten für Europa (PfE), während die Brüder Italiens die dominierende Kraft bei den Europäischen Konservativen und Reformisten (EVR) darstellt. Die Fidesz versuchte 2024 ebenfalls, den europäischen Konservativen beizutreten, doch Giorgia Meloni lehnte ab. Andere ECR-Mitglieder hätten einen Beitritt der ungarischen Regierungspartei nicht akzeptiert.
Die neue ungarische Regierungspartei, Tisza, ist Mitglied einer dritten Fraktion, nämlich der Europäischen Volkspartei (EVP). Dennoch scheint es möglich, dass Meloni auch eine Arbeitsbeziehung zu Péter Magyar aufbaut. In den vergangenen Wochen haben sich mehrere Verbündete Orbáns offen für eine Zusammenarbeit mit der neuen ungarischen Regierung gezeigt. So sagte Donald Trump über Péter Magyar, dass er ihn für einen guten Mann halte und dass er gute Arbeit leisten werde.
Péter Magyar: "Wir bekämpften andere Art von Mafia"
Der zukünftige ungarische Ministerpräsident reiste bereits am Dienstag nach Italien, um am Riviera Film Festival teilzunehmen. Auf dem Festival in Sestri Levante wurde der Dokumentarfilm "Frühlingswind - Das Erwachen" gezeigt, der den Aufstieg des künftigen Ministerpräsidenten schildert.
In seiner Rede auf dem Festival sagte Péter Magyar, dass Italien "auch unsere Heimat" sei und dass "es gut ist, nach 16 Jahren wieder in Europa zu sein". Er lobte auch die langjährige Freundschaft zwischen Italien und Ungarn.
Laut Magyar spielte der Dokumentarfilm eine entscheidende Rolle für den Wahlsieg seiner Partei. Er erinnerte daran, dass der Film in den zwei Tagen vor der Wahl von 3,3 Millionen Menschen gesehen worden sei, und dass die Partei Tisza bei der Wahl 3,3 Millionen Stimmen erhalten habe.
"Der Film hat in gewisser Weise dazu beigetragen, dem ungarischen Volk die Augen zu öffnen", zitierte die staatliche italienische Nachrichtenagentur ANSA Péter Magyar.
Der künftige Ministerpräsident sagte, er habe in seinem Wahlkampf in den vergangenen zwei Jahren immer wieder den Staatsanwalt Giovanni Falcone und den Richter Paolo Borsellino erwähnt, die 1992 bei einem Mafia-Anschlag auf Sizilien ermordet worden waren. Er stellte fest, dass "wir in Ungarn eine andere Art von Mafia bekämpfen mussten".
"Wir kämpften auch gegen die Mafia, die politisch-wirtschaftliche Mafia. Deshalb sah ich eine Ähnlichkeit mit ihnen (...) sie haben den Kampf nicht überlebt, aber das ganze italienische Volk schuldet ihnen Dankbarkeit, deshalb habe ich sie im Wahlkampf mehrmals erwähnt, ich weiß, dass das ungarische Volk die Analogie verstanden hat und wir erfolgreich sein werden", so Magyar.