Die Opferhilfe APAV in Portugal hat einen Bericht über Gewalt und Kriminalität gegen ältere Menschen veröffentlicht. Dabei ist die Zahl der Delikte in den vergangenen fünf Jahren gestiegen. Und meist sind die eigenen Kinder die Täter.
Die Zahl älterer Menschen in Portugal, die Opfer von Gewalt werden, nimmt zu. Das zeigt ein Bericht, den die Opfervereinigung APAV an diesem Montag vorgelegt hat und der die Jahre 2021 bis 2025 abdeckt.
In dieser Zeit unterstützte die APAV 8.540 ältere Menschen, die Opfer von Straftaten und Gewalt wurden. Das entspricht einem Anstieg um 26,5 Prozent. 2021 erhielten 1.594 Seniorinnen und Senioren Hilfe, im vergangenen Jahr waren es 2.017.
Die Statistik zeigt, dass die Mehrheit der Betroffenen Frauen sind. Die Täter oder Täterinnen stammen überwiegend aus dem familiären Umfeld, meist sind es Söhne oder Töchter der Betroffenen (32,3 Prozent) oder Ehepartnerinnen bzw. Ehepartner (21,5 Prozent).
Unter den 15.804 erfassten Straftaten bleibt häusliche Gewalt das häufigste Delikt. Sie macht 12.465 Vorfälle aus, also 78,9 Prozent. Es folgen andere Formen von Kriminalität und Gewalt (9,2 Prozent), Drohung oder Nötigung (3,7 Prozent), Körperverletzung (3,2 Prozent), Verleumdung/Beleidigung (3 Prozent) und Betrug (2 Prozent).
In mehr als der Hälfte der Fälle (53,6 Prozent) erlebten die älteren Menschen Gewalt über einen längeren Zeitraum, mit Übergriffen, die sich über mehrere Jahre hinzogen. 23,4 Prozent von ihnen lebten zwei bis sechs Jahre unter solchen Umständen.
Ein weiterer besorgniserregender Befund, den die APAV betont: In fast der Hälfte der Fälle (46,6 Prozent) erstatten die Betroffenen keinerlei Anzeige bei den zuständigen Behörden.
Die von der Vereinigung veröffentlichten Zahlen zeichnen auch ein geografisches Bild dieser Realität. Im Distrikt Lissabon verzeichnete die APAV die meisten unterstützten älteren Menschen, insgesamt 1.847 Betroffene. Es folgen die Distrikte Porto mit 1.267 und Braga mit 1.066 Betroffenen.
Opfer bleiben oft "unsichtbar"
Die APAV bekräftigt damit "die Notwendigkeit, weiter in Prävention, frühzeitige Erkennung und spezialisierte Unterstützung für ältere Menschen zu investieren, die Opfer von Straftaten und Gewalt werden“. Wie in anderen Bereichen erklärt die Vereinigung zudem, wie wichtig es ist, die Gesellschaft für eine Realität zu sensibilisieren, die oft "unsichtbar" bleibt.
In Deutschland können sich von häuslicher Gewalt betroffene Personen an das Hilfetelefon 116 016 wenden oder im Internet auch per Chat beraten lassen.
Die Opfervereinigung APAV erreichen Sie in Portugal unter der Nummer 116 006 oder über den APAV Chatbot .