Laut einem neuen Bericht von PwC übernimmt KI immer mehr Routineaufgaben. Unternehmen legen daher größeren Wert auf Urteilsvermögen, Kreativität und Führungskompetenz.
Typisch menschliche Fähigkeiten wie Urteilsvermögen, Kreativität und Führung werden immer wertvoller. Grund ist, dass Künstliche Intelligenz die Arbeitswelt grundlegend umkrempelt, heißt es im am Montag veröffentlichten Bericht „2026 Global AI Jobs Barometer“ von PwC.
Die Ergebnisse erscheinen vor dem Hintergrund einer wachsenden Debatte darüber, wie KI den Arbeitsmarkt und die von Unternehmen gesuchten Kompetenzen verändert.
Joe Atkinson, Global Chief AI Officer bei PwC, sagte: „In der Weltwirtschaft sehen wir eine neue Spaltung entstehen zwischen unterschiedlichen Modellen für Talent und Wertschöpfung.“
Der Bericht stützt sich auf eine Auswertung von mehr als einer Milliarde Stellenausschreibungen auf sechs Kontinenten und kommt zu dem Schluss, dass KI einen Arbeitsmarkt mit zwei Geschwindigkeiten schafft.
Zur ersten Kategorie gehören Tätigkeiten, bei denen KI Routineaufgaben übernimmt, aber stark auf menschliches Fachwissen und Urteilsvermögen angewiesen bleibt. Zu diesen „professionalisierten“ Jobs zählen unter anderem Radiologen oder Personalvermittler.
Die zweite Kategorie, die PwC als „demokratisierte“ Tätigkeiten bezeichnet, umfasst Jobs, bei denen KI es weniger erfahrenen Beschäftigten erleichtert, Aufgaben zu erledigen. Dazu zählen zum Beispiel IT-Service-Manager und medizinische Sekretäre.
Laut PwC wächst die Zahl der professionalisierten Stellen doppelt so schnell wie die der demokratisierten. Die Gehälter in professionalisierten Berufen stiegen außerdem 42 % stärker.
Die Ergebnisse decken sich weitgehend mit anderen internationalen Studien. So erwartet der Future of Jobs Report 2025 des Weltwirtschaftsforums, dass sich bis 2030 39 % der Kernkompetenzen von Beschäftigten verändern werden. Am stärksten wachsen laut dem Bericht die Anforderungen an analytisches Denken, Führungskompetenz, Resilienz und kreatives Denken.
PwC-Studie: KI schafft mehr Jobs statt weniger
Der PwC-Bericht kommt zu dem Schluss, dass Unternehmen, die KI besonders effektiv einsetzen, bei Produktivität und Personalaufbau die Nase vorn haben. Die Technologie schaffe demnach Wert weit über reine Automatisierung hinaus.
„Die Unternehmen mit den höchsten Renditen aus KI nutzen sie, um menschliches Fachwissen zu verstärken, Innovation zu beschleunigen und völlig neue Wertquellen zu erschließen“, sagte Atkinson. Diese Firmen verzeichneten steigende Produktivität und Wachstum.
Den Berechnungen von PwC zufolge erzielten die obersten 20 % der am stärksten KI-exponierten Unternehmen seit 2018 einen durchschnittlichen Produktivitätszuwachs der Beschäftigten von 163 %. Das ist fast das Fünffache des Durchschnitts aller KI-exponierten Firmen.
Die Ergebnisse widersprechen auch der Sorge, KI werde Einstellungen bremsen oder Massenentlassungen auslösen.
Unternehmen mit der höchsten KI-Exponiertheit steigerten ihre Beschäftigtenzahl seit 2018 um 52 %. Bei den Firmen mit der geringsten KI-Nutzung lag das Plus bei 36 %. Auch die Löhne wuchsen stärker: um 24 % gegenüber 17 %.
Die Ergebnisse erscheinen zu einem Zeitpunkt, an dem große Arbeitgeber ihre Belegschaften rund um KI neu zuschneiden. Allein in diesem Jahr haben Konzerne wie Meta, Cisco, Oracle und Citigroup bereits Tausende Stellen abgebaut, während sie massiv in Künstliche Intelligenz investieren und ihre Produktivität steigern wollen.
KI-Know-how treibt Gehälter nach oben
Die Nachfrage nach Arbeitskräften mit KI-Kenntnissen steigt weiter stark an.
Stellen, für die spezifische KI-Expertise verlangt wird, nahmen seit 2019 um 69 % zu – fast achtmal so schnell wie der gesamte Arbeitsmarkt, der im selben Zeitraum um neun Prozent wuchs. Der durchschnittliche Lohnaufschlag für KI-Kompetenzen stieg dem Bericht zufolge auf 62 %.
Der Aufschlag unterscheidet sich jedoch je nach Branche deutlich: In Konsumgütermärkten liegt er bei bis zu 118 %, im öffentlichen Dienst nur bei 16 %.
Jobs, die KI-Kenntnisse wie Prompt-Engineering oder Machine Learning voraussetzen, haben sich seit 2024 fast verdoppelt. Insgesamt wächst die Zahl der KI-bezogenen Stellen seit 2015 schneller als die Gesamtbeschäftigung.
Den größten Anteil am Zuwachs von KI-Jobs verzeichnete mit elf Prozent der Technologie-, Medien- und Telekommunikationssektor, gefolgt von den Unternehmensdienstleistungen mit sechs Prozent. Im Gesundheitswesen lag der Anteil mit weniger als ein Prozent am niedrigsten.
Der Bericht zeigt zudem Veränderungen ganz am Beginn der Karriereleiter.
Eine Analyse von 2,4 Millionen Einstiegsstellen in den USA ergab, dass die am stärksten von KI betroffenen Positionen inzwischen siebenmal häufiger Fähigkeiten verlangen, die traditionell mit höheren Hierarchieebenen verbunden sind – etwa Führungskompetenz, Kreativität und zwischenmenschliche Kommunikation.
Die Nachfrage nach solchen Einstiegsjobs stieg seit 2019 um 35 %, während die Zahl der offenen Stellen in anderen Einstiegspositionen um zehn Prozent zurückging.