Spaniens bevölkerungsreichste Region beendet eine von Botschaften und Streit geprägte Kampagne. Die Wahl beobachten auch andere Länder wegen möglicher Folgen.
Andalusien, die bevölkerungsreichste Region Spaniens und eine der größten Volkswirtschaften des Landes, steht am Ende ihres Wahlkampfs nach zwei Wochen voller Botschaften, Bildern und Kontroversen. Sie haben den politischen Takt der vergangenen Tage geprägt – kurz vor der Abstimmung an diesem Sonntag.
In dieser Schlussphase konzentrieren die großen Parteien ihre Kräfte darauf, ihre Anhängerschaft zu mobilisieren und ihre Positionen zu festigen. Jeder Auftritt, jede Botschaft bekommt dabei besonderes Gewicht.
Der Ausgang dieser Wahl wird in Spanien und im Ausland genau verfolgt. Er könnte das innenpolitische Kräfteverhältnis und das Zusammenspiel der großen Parteien verändern – in einer Phase des Umbruchs auf europäischer Ebene.
PP: Kurs auf Stabilität und breite Mehrheit
Die Volkspartei beendet den Wahlkampf mit der immer gleichen Botschaft: Die Stimmen sollen sich bündeln. Juanma Moreno betont, er brauche eine „ausreichende“ Mehrheit, um Stabilität zu sichern und nicht auf andere Parteien angewiesen zu sein.
Parallel dazu setzt die PP auf eine stark personalisierte Kommunikation. Der Kandidat dominiert die Auftritte in den sozialen Netzwerken, Botschaften und Bilder sollen sein nahbares Profil schärfen.
PSOE: Unentschlossene mobilisieren trotz Patzer
Die Sozialisten stellen zum Abschluss des Wahlkampfs den direkten Aufruf zur Wahlbeteiligung in den Mittelpunkt. María Jesús Montero wendet sich besonders an Frauen, junge Menschen und die Mittelschicht und wirbt damit, dass die sozialistische Stimme öffentliche Dienste und soziale Rechte sichere.
Der PSOE stellt der ruhigen Außendarstellung der PP den Versuch entgegen, eine als träge erkannte Wählerschaft wachzurütteln. Die Partei warnt, ein allzu komfortabler Sieg Morenos könne zu Kürzungen und zu einer Politik führen, die sich der harten Rechten annähert. Für Unmut sorgte jedoch, dass Montero den Tod von zwei Beamten der Guardia Civil bei einem Anti-Drogen-Einsatz als „Arbeitsunfälle“ bezeichnete. Die Äußerung überschattet das Kampagnenfinale.
Vox: Druck und Warnungen
Vox geht ins Finale des Wahlkampfs mit dem Anspruch, Zünglein an der Waage zu sein. Parteichef Santiago Abascal stellt klar, dass er seine Unterstützung nach der Wahl nicht „verschenken“ werde und attackiert sowohl PP als auch PSOE.
Die Partei beharrt darauf, dass die sogenannte strategische Stimme nur eine Ausrede jener sei, die „nichts Konkretes anbieten“. Zugleich verschärft Vox seine Rhetorik zu Migration, Steuern und „nationaler Priorität“, um das eigene Lager zu halten.
Adelante Andalucía: Maske runter, Kampagne mit Freude
Adelante Andalucía setzt bewusst auf offene Konfrontation. José Ignacio García sagt, seine Partei habe Moreno und Vox „die Maske abgenommen“. Moreno werfe er politische Leichtfertigkeit vor, Vox unterstellt er, nur wirtschaftliche Eigeninteressen zu verfolgen.
Die Partei wirbt zugleich mit einer fröhlichen, stark von der Basis getragenen Kampagne. Sie präsentiert sich als strategische Stimme der Linken, um die Rechte in allen acht Provinzen zu bremsen.
Por Andalucía: saubere, inhaltliche Kampagne
Por Andalucía beschreibt ihren Wahlkampf als einen, der langsam Fahrt aufgenommen hat, mit Schwerpunkt auf Inhalten und fern vom ständigen Lärm. Antonio Maíllo prangert das „schmutzige Spiel“ der PP und den Einsatz von Angst als Wahlkampfmittel an.
Nach einem Wahlkampf mit sehr unterschiedlichen Strategien und angespannten Momenten steuert Andalusien nun auf einen Wahltag zu, an dem die Bürgerinnen und Bürger das letzte Wort haben. Die Regionalwahl wird auch europaweit aufmerksam verfolgt, weil sie politische Signale senden könnte.