Einer Sigma-Dos-Umfrage für Canal Sur zufolge verteidigt die Volkspartei mit neunundfünfzig Sitzen die Regierung in Andalusien. Die Sozialisten erzielen ihr bislang schwächstes Ergebnis.
Die Auszählung hat gerade erst begonnen, die Zahlen sind noch vorläufig. Doch die Nachwahlbefragung von Sigma Dos für „Canal Sur“ zeichnet bereits einen klaren Sieger: Juanma Moreno dürfte in Andalusien erneut eine absolute Mehrheit holen.
Die Volkspartei käme auf zwischen 56 und 59 Sitze. Das entspräche ungefähr den 58 Mandaten aus der letzten Legislaturperiode und läge weiter über der Schwelle von 55 Sitzen für die absolute Mehrheit. Bestätigen sich diese Zahlen, könnte Moreno weitere vier Jahre alleine regieren, ohne Koalitionsverhandlungen.
Der PSOE von María Jesús Montero hingegen gewinnt kaum neue Stimmen. Die Umfrage sieht die Sozialisten bei 26 bis 29 Sitzen, also unter den derzeit 30 Mandaten, die schon das schlechteste Ergebnis ihrer Geschichte waren – in einer Region, die sie fast vier Jahrzehnte ununterbrochen regierten. Montero, die als amtierende Finanzministerin in den Wahlkampf eingestiegen war, hätte den Aderlass demnach nicht stoppen können.
Vox würde in etwa sein derzeitiges Ergebnis halten, mit 13 bis 15 Sitzen statt der bisherigen 14. Für eine wirklich ausschlaggebende Rolle würde das nicht reichen. Links davon käme Por Andalucía auf etwa fünf bis sechs Mandate, fast genauso viele wie bisher. Für eine Überraschung könnte Adelante Andalucía sorgen: Die Partei würde von zwei auf vier bis fünf Abgeordnete wachsen. All dies sind Zahlen einer Umfrage, keine endgültigen Ergebnisse. Die Tendenz wirkt jedoch ziemlich eindeutig.
Die Wahl in der bevölkerungsreichsten Region Spaniens gilt als politischer Stimmungstest mit Blick auf die für 2027 geplanten Parlamentswahlen. Sie findet in einem Umfeld statt, in dem die Regierung an Rückhalt verliert und mehrere Korruptionsermittlungen das Umfeld des Regierungschefs und frühere Weggefährten belasten.
Andalusien mit knapp neun Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern verfügt über weitreichende Zuständigkeiten in Schlüsselbereichen wie Gesundheit, Bildung und Wohnen. Das macht diese Regionalwahl zu einem wichtigen Schauplatz im dezentralisierten spanischen Staat. Die Region galt fast vier Jahrzehnte lang als Hochburg der Sozialisten und wird seit 2019 von der Volkspartei regiert.
Die Wahllokale öffneten um 9.00 Uhr und blieben wegen eines Problems in drei Wahllokalen bis 20.45 Uhr offen. Der Wahltag steht regional wie national unter besonderer Beobachtung.
Insgesamt haben 163.510 Andalusierinnen und Andalusier vorab gewählt, wie offizielle Angaben zeigen. Der Präsident der Regionalregierung und Spitzenkandidat des PP, Juanma Moreno, hat seine Stimme bereits in Málaga abgegeben. Er kam dort gemeinsam mit seiner Ehefrau an. Der PP geht als Favorit ins Rennen, um seinen Sieg in der Region zu bestätigen. Ob die Partei genug Mandate für eine Alleinregierung erreicht, ist jedoch offen. Dieses Szenario könnte Vox erneut eine Schlüsselrolle verschaffen, wie schon in anderen Regionen wie Extremadura, Aragon oder Kastilien-León.
Eine deutliche Niederlage
Für die Sozialisten hätte eine Niederlage in Andalusien besonders großes Gewicht. Spitzenkandidatin des PSOE ist María Jesús Montero, frühere Vizepremierministerin und Ex-Finanzministerin. Der PP stellt sie ins Zentrum seiner Angriffe und verbindet ihren Namen sowohl mit der Politik der Zentralregierung als auch mit den Korruptionsfällen der Partei.
Die Sozialistin gab ihre Stimme in Sevilla ab. Am Sonntagmorgen sagte sie vor Journalistinnen und Journalisten: „Es ist ein enorm wichtiger Tag, an dem wir über unsere Zukunft entscheiden können. Niemand soll zu Hause bleiben.“
Im Wahlkampf warb der PP-Vorsitzende Alberto Núñez Feijóo um Stimmen für seine Partei. Er argumentiert, ein Sieg in Andalusien hätte einen doppelten Effekt: Er würde den politischen Wechsel in der Region festigen und die Alternative zur Regierung Sánchez stärken.
Der PP schließt Abkommen mit Vox nicht aus. In anderen Regionen hat er bereits mit der Partei koaliert. Damit nimmt er eine andere Position ein als viele konservative Parteien in Europa, die auf Abstand zur extremen Rechten gehen.
Sánchez rief in den vergangenen Tagen zu der Mobilisierung der progressiven Wählerschaft auf, um einen Eintritt von Vox in die andalusische Regierung zu verhindern. Zugleich stellte er Montero als solide Option für die Region dar.
Auch andere Spitzenkandidaten haben ihr Wahlrecht bereits ausgeübt. José Ignacio García von Adelante Andalucía ging gemeinsam mit seiner Mutter in ein Wahllokal in Jerez de la Frontera. „Heute sind wir alle gleich, wir haben die gleiche Macht, und die müssen wir nutzen“, sagte er nach Abgabe seines Stimmzettels.