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Flotilla: Israel lässt Aktivisten frei – Sie berichten von Schlägen und Tritten

Schiffe der Flotte Global Sumud mit Aktivisten und Hilfsgütern an Bord laufen am Donnerstag, 14. Mai 2026, vom türkischen Hafen Marmaris Richtung Gaza aus.
Schiffe der Flotte Global Sumud mit Aktivisten und Hilfsgütern an Bord laufen am Donnerstag, 14. Mai 2026, aus dem türkischen Hafen Marmaris Richtung Gaza aus. Copyright  AP Photo
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Von Ilaria Cicinelli
Zuerst veröffentlicht am
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Israel lässt die festgenommenen Aktivisten der Global Sumud und Freedom Flotilla frei. Zuvor waren sie auf dem Weg nach Gaza abgefangen worden. Der Umgang mit ihnen löst nun internationale Kritik aus.

Alle Teilnehmer der Global Sumud Flotilla und der Freedom Flotilla Coalition sind freigekommen. Sie werden derzeit aus dem Gefängnis Ketziot nach Eilat gebracht. Dort sollen sie in Chartermaschinen von Turkish Airlines steigen und abgeschoben werden. Das bestätigten das italienische Außenministerium und die Menschenrechtsorganisation Adalah. Beide berufen sich auf Informationen des israelischen Gefängnisdienstes und staatlicher Behörden.

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Mitarbeiter der italienischen Botschaft in Tel Aviv übernahmen im Gefängnis Ketziot die konsularische Betreuung und sind auch am Flughafen vor Ort.

Die Aktivisten hatten versucht, die von Israel verhängte Seeblockade des Gazastreifens zu durchbrechen und eine symbolische Menge humanitärer Hilfe in das Gebiet zu bringen. Sie wurden von den israelischen Streitkräften abgefangen und festgenommen.

In einem Beitrag in sozialen Netzwerken verurteilte die italienische Delegation das Vorgehen der israelischen Regierung. Sie forderte ein stärkeres Engagement Europas und nannte die Flugnummern, mit denen die Aktivisten zurückgebracht werden sollen.

"Formelle Verurteilungen oder diplomatische Vermittlungen reichen nicht aus, schon gar nicht bloße Kritik an Ben Gvir, die nun offenbar die gewaltsamen Aktionen des Terrorregimes Netanjahus rechtfertigen soll", heißt es in dem Beitrag.

"Wir mobilisieren weiter, bis die Komplizenschaft mit Israel beendet ist, bis alle militärischen, wirtschaftlichen und akademischen Beziehungen ausgesetzt sind, bis alle palästinensischen politischen Gefangenen in Italien und in den besetzten Gebieten frei sind und bis die Besatzung ein Ende hat – vom Fluss bis zum Meer", heißt es abschließend in der Mitteilung über die Freilassung der Aktivisten.

Carotenuto berichtet von Gewalt

Einige Aktivisten waren bereits zuvor freigelassen worden. Unter ihnen war der Abgeordnete der Fünf-Sterne-Bewegung, Dario Carotenuto, der sichtlich mitgenommen über seine Erfahrungen berichtete.

"Da standen drei Leute, die ‚Welcome to Israel‘ sagten – drei Schläger, die brutal auf uns einprügelten", sagte der Abgeordnete. "Ich bekam einen Schlag ins Auge, zeitweise dachte ich, ich könne nicht mehr sehen, ich wurde überallhin getreten." Er bestätigte, dass er sich bei der Festnahme durch israelische Kräfte als italienischer Parlamentarier ausgewiesen habe. "Ich hatte meinen Dienstpass dabei, den sie mir abgenommen haben."

Carotenuto betonte, dass er im Vergleich zu anderen noch glimpflich davongekommen sei: "Aus diesem Panic Room bin ich aufrecht herausgegangen, einer wurde in die Krankenstation gebracht, vermutlich mit inneren Verletzungen." Unter den Aktivisten seien Menschen gewesen "mit verbundenen Augen, mit Knochenbrüchen". Es habe zudem Fälle von Kopfverletzungen und sexuellen Übergriffen gegeben, außerdem Folter an älteren Menschen im Alter von 60 oder 70 Jahren, sagte der Abgeordnete.

"Ich habe einen wirklich schweren Moment erlebt. Irgendwann riefen sie mich und meinen Kollegen nur mit unserer Nummer, der 147, und richteten ihre Gewehre auf uns. Wir standen vor den Containern mit erhobenen Händen, sie forderten uns auf, mit den Händen oben vorwärtszugehen und uns dann umzudrehen. Das waren vielleicht die längsten Sekunden meines Lebens", berichtete Carotenuto bei seiner Ankunft am Flughafen Fiumicino am Donnerstagmorgen.

Der M5S-Abgeordnete fügte hinzu: "Sie packten uns am Hals, trennten uns voneinander, und seit diesem Moment habe ich nichts mehr von meinen Mitreisenden gehört, die für mich außergewöhnliche Menschen sind."

Kritik an Ben-Gvir

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat seinen nationalen Sicherheitsminister Itamar Ben-Gvir kritisiert, nachdem ein Video verbreitet worden war, das Aktivisten am Boden zeigt, mit gefesselten Händen und dem Gesicht zum Boden. Ben-Gvir ist darin zu sehen, wie er sie mit den Worten rügt: "Willkommen in Israel, wir sind hier die Hausherren."

Netanjahu erklärte, Israel habe "jedes Recht, provokative Flottillen von Unterstützern der Hamas-Terroristen daran zu hindern, in unsere Hoheitsgewässer einzudringen und den Gazastreifen zu erreichen". Zugleich betonte er, die Art und Weise, wie Ben-Gvir die Aktivisten behandelt habe, stehe "nicht im Einklang mit den Werten und Normen Israels".

Zuvor hatte der Sprecher der EU für Außen- und Sicherheitspolitik, Anouar El Anoun, die Freilassung der Aktivisten an Bord der Flottille gefordert und ihre Behandlung scharf verurteilt. Das im Video von Minister Ben-Gvir Gezeigte sei "völlig inakzeptabel, wie auch seine eigenen Kabinettskollegen betont haben". Jede inhaftierte Person müsse sicher und würdevoll behandelt werden und Anspruch auf Achtung des Völkerrechts haben.

Jüdische Gemeinde verurteilt Gewalt

Die jüdische Gemeinde von Florenz hat die Gewalt gegen die Aktivisten in einer Erklärung verurteilt. "Die jüdische Gemeinde von Florenz schweigt nicht zu den Bildern der psychischen und physischen Gewalt, der die Aktivistinnen und Aktivisten der Flotilla ausgesetzt waren", heißt es darin. "Unter ihnen haben wir bekannte Gesichter aus unserer Stadt erkannt, insbesondere Antonella Bundu, mit der uns trotz unterschiedlicher politischer Positionen und Einschätzungen zum Nahostkonflikt Respekt, Wertschätzung und eine gemeinsame Sensibilität für Menschenrechte und die Würde der Person verbinden."

Weiter heißt es: "Zu sehen, wie ihre Würde derart mit Füßen getreten wird, erfüllt uns mit Empörung. Wir schließen unsere Stimme derjenigen der Ucei-Präsidentin Livia Ottolenghi an, um die Handlungen von Minister Ben Gvir zu verurteilen und zurückzuweisen, und hoffen, Antonella sehr bald persönlich unsere Solidarität zeigen zu können, wenn wir sie wieder in Florenz begrüßen."

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