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In Polen war gerade Muttertag: Warum das Haus für junge Mütter in Warschau so wichtig ist

Haus für junge Mütter
Haus für junge Mütter Copyright  Fundacja "Po Drugie"
Copyright Fundacja "Po Drugie"
Von Aleksandra Galka Reczko
Zuerst veröffentlicht am
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Sehr junge Mütter mit Kindern und Erfahrungen von Gewalt oder Obdachlosigkeit: Für sie gibt es in Warschau das "Haus für junge Mütter“ der Stiftung "Po Drugie". Es schließt eine Gesetzeslücke, die Kinder von minderjährigen Müttern trennte.

In Polen ist Muttertag - anders als in den anderen europäischen Ländern - schon seit 1924 immer am 26. Mai und oft auch mitten in der Woche. Die Stiftung "Po Drugie" hat an diesem Tag ihren 15. Geburtstag gefeiert. Für die Bewohnerinnen des Hauses für junge Mütter in Warschau war es ein ganz besonderes Fest.

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Drogen, Gewalt, Flucht ... und das Haus für junge Mütter

Weronika ist 23 Jahre alt und hat zwei Töchter: eine ist drei, die andere fünf Jahre alt. Im April sind sie in das Haus für junge Mütter der Stiftung "Po Drugie" eingezogen. Weronika war vor ihrem Partner geflüchtet.

"Mit 16 habe ich den Vater der Mädchen kennengelernt. Mir fehlte damals Aufmerksamkeit und so etwas wie Liebe, die ich in meinem Leben nicht hatte. Er hat mir davon ein bisschen gegeben, und das hat mir die Augen vernebelt. Ich wusste, dass er Drogen nimmt und Alkohol trinkt“, erinnert sie sich.

"Im ersten Jahr war es schön. Doch als ich mit meiner ersten Tochter schwanger war, wurde er krankhaft eifersüchtig. Dann begann die körperliche Gewalt. Später kam unsere zweite Tochter. Drei Jahre lang hatte ich so eine Art Helfer-Syndrom, ich hoffte, ich könnte ihn aus den Süchten herausholen und wir würden eine gute Familie. Aber nach vier Jahren konnte ich psychisch nicht mehr und bin einfach geflohen.“

Weronika kam mit ihren Töchtern zuerst in das Warschauer Kriseninterventionszentrum, danach in ein Mutter-Kind-Haus im Warschauer Stadtteil Białołęka. Dort durfte sie jedoch höchstens anderthalb Jahre bleiben. Die Leiterin der Einrichtung erzählte ihr damals von der Stiftung "Po Drugie" und dem neu entstandenen Haus für junge Mütter.

Martyna ist ein Jahr älter, sie ist 24 Jahre alt und hat einen fünfjährigen Sohn. Im Dezember ist sie aus der Wohnung ihrer Mutter und Großmutter ausgezogen, um vor psychischer Gewalt und vor körperlicher Gewalt gegen ihr Kind zu fliehen. Einige Monate verbrachte sie in einem Krisenzentrum, bevor sie im April nach Ursynów kam.

"Mein Leben sieht jetzt ganz anders aus. Mein Sohn hat sein eigenes Zimmer, und ich habe wenigstens ein bisschen Privatsphäre zurück. Seit seiner Geburt haben wir immer in einem Raum gelebt. Jetzt fühlen wir uns viel sicherer, wir haben unseren Alltag", berichtet Martyna. "Ich bin viel ruhiger und habe viel mehr Kraft, etwas zu unternehmen. Ich habe endlich einen Lebenslauf geschrieben und werde jetzt Arbeit suchen.“

Haus für junge Mütter: langer Weg bis zur Eröffnung

Das Gebäude in der Puchalskiego-Straße im Stadtteil Ursynów ist modern und energieeffizient. Es hat ein Solardach, eine Wärmepumpe und einen eigenen Energiespeicher.

Entworfen hat es das Architekturbüro WXCA, pro bono. Jede Mutter und jedes Kind haben hier ein eigenes Zimmer. Es gibt Gemeinschaftsküchen, eine Waschküche, Spiel- und Ruhezonen sowie einen Garten, in dem Gemüse und Kräuter wachsen. Nichts erinnert hier an eine Institution.

Der Weg bis zur Eröffnung des Hauses hat mehr als ein Jahrzehnt gedauert.

Die Idee entstand vor zwölf Jahren, als die Stiftung, die damals bereits ein Haus für obdachlose Jugendliche betrieb, eine dramatische Lücke im Rechtssystem entdeckte: Minderjährige Mütter in Resozialisierungszentren wurden automatisch von ihren Kindern getrennt, allein deshalb, weil sie noch nicht volljährig waren.

Die Kinder kamen zu Pflegefamilien oder wurden zur Adoption freigegeben. In einigen Fällen blieben Mutter und Kind für immer getrennt.

Die Stiftung begann, für eine Änderung der Vorschriften zu kämpfen. Der gesetzgeberische Kampf zog sich zehn Jahre hin. Das neue Gesetz zur Unterstützung und Resozialisierung Minderjähriger trat 2022 in Kraft und machte es möglich, Mutter-Kind-Bereiche in der Resozialisierung einzurichten.

Bis zum Bau des Hauses musste die Stiftung weitere Hürden nehmen: eine Baugenehmigung bekommen, die Nachbarschaft überzeugen, sich durch jahrelange Formalitäten kämpfen. Der Bau selbst dauerte drei Jahre.

In diesem Frühjahr hat das Haus seine Türen endlich geöffnet. Unterstützung kam unter anderem von der Schriftstellerin und Journalistin Martyna Wojciechowska, der Kinderrechtsbeauftragten Monika Horna-Cieślak und der Politikerin Magdalena Biejat.

Martyna Wojciechowska und die Stiftung UNAWEZA haben dem Projekt von Beginn an geholfen, etwa beim Kauf des Grundstücks und beim Bau.

Zwei Lebensphasen gleichzeitig

Obwohl es Platz für sechs Frauen und ihre Kinder gibt, leben derzeit vier Mütter und fünf Kinder im Haus. Das jüngste Kind ist noch nicht einmal fünf Monate, das älteste ist fünf Jahre alt.

Beata Antos, die Leiterin der Einrichtung, sagt, dass die Arbeit mit jungen Müttern eine ganz andere Herausforderung ist als die Arbeit mit Jugendlichen in der Obdachlosigkeit.

"Wir müssen parallel in zwei sehr schwierigen Bereichen arbeiten. Zum einen sind sie selbst junge Menschen, die Unterstützung auf dem Weg in die Selbstständigkeit brauchen. Und zum anderen sind sie bereits Mütter, verantwortlich für ihre Kinder, die zur Welt kamen, als sie 16, 17 oder 18 Jahre alt waren", sagt Antos. "In ihnen steckt ein innerer Konflikt: Sie sind volljährig und möchten das tun, was andere in ihrem Alter tun. Gleichzeitig sind sie Mütter und müssen dieser Rolle gerecht werden."

Jede Entscheidung der Mutter wirkt sich auf das Kind aus, und das macht diese Arbeit besonders komplex. "Wir dürfen hier die Sicherheit der Kinder nie aus dem Blick verlieren. Nicht jede Mutter, die 18, 19 oder 20 Jahre alt ist, weiß sofort, wie sie Mutter sein und ihre Rolle richtig ausfüllen soll", erklärt die Leiterin des Hauses für junge Mütter.

Das Haus ist nicht zufällig klein, es gibt nur sechs Plätze, damit echte individuelle Betreuung möglich ist.

"Selbst in so einer kleinen Gruppe wäre die Arbeit ohne individuelle Begleitung nicht wirksam. Wir müssen mit jeder einzelnen von ihnen separat arbeiten", betont Antos.

Die jungen Frauen erhalten therapeutische Unterstützung, Berufsberatung, Hilfe bei der Budgetplanung und beim Aufbau einer Beziehung zu ihrem Kind. Außerdem haben sie ganz normale Aufgaben im Alltag: Sie kochen, putzen und planen die Einkäufe.

"Sie sind die Bewohnerinnen dieses Hauses. Wir begleiten sie nur“, sagt die Leiterin.

Bisher gab es noch keinen Streit.

"Wir haben uns ganz normal zusammengesetzt und alles problemlos aufgeteilt. Jede hat das übernommen, was ihr liegt, und dann wird einfach jeden Samstag geputzt, wie in einem richtigen polnischen Zuhause", sagt Martyna lachend.

Pläne und Träume

Die jungen Frauen wissen genau, dass ihr Aufenthalt im Haus für junge Mütter nur vorübergehend ist, und schmieden Pläne.

Weronika möchte einen Kurs als Nagelstylistin abschließen und ihren eigenen Salon eröffnen. "Und so als Nebenwunsch, der dank der Stiftung langsam in Reichweite rückt, möchte ich mich auch gesanglich und schauspielerisch weiterentwickeln", sagt sie lächelnd.

Auch Martyna hat ein klares Bild von ihrer Zukunft und der ihres Sohnes.

"Vor allem eine stabile Arbeit, von acht bis 16 Uhr. Ich möchte unbedingt wieder studieren, ich habe bereits zwei Jahre Psychologie abgeschlossen und will den Bachelor machen. Ab Oktober möchte ich den Führerschein machen. Ich weiß, dass das alles anstrengend wird, aber ich glaube daran, dass ich es schaffe."

Die 24-Jährige will außerdem einen Antrag auf eine Sozialwohnung stellen, um endlich allein mit ihrem Sohn leben zu können.

"Das hier ist ein Zuhause. Wir kochen zusammen, gestern hatten wir ein gemeinsames Fotoshooting, wir waren mit den Kindern im Zoo, wir sind wie eine kleine Familie", erzählt sie.

Martyna genießt diese Zeit, betont aber, dass sie bald mit ihrem Kind allein wohnen möchte: "Ich glaube, Erwachsensein heißt auch, dass man auf eigenen Füßen steht."

Finanzielle Unsicherheit

Das Haus finanziert sich durch Spendenaktionen, Einzelspenden und die Unterstützung von Unternehmen. Das Geld für das erste Jahr kam bei einer Weihnachtssammlung zusammen. Seit Weihnachten sind jedoch fast sechs Monate vergangen.

"Bald werden wir uns fragen müssen, was wir tun können, damit das Geld für ein weiteres Jahr reicht", sagt Beata Antos offen. "Wir werden aus sehr unterschiedlichen Quellen finanziert, und nur selten handelt es sich um eine stabile Finanzierung über viele Monate.“

Inzwischen leben die Bewohnerinnen seit dem 7. April im Haus, Betreuerinnen und Betreuer begleiten die Mütter und ihre Kinder rund um die Uhr. Nach den derzeitigen Regeln können die Frauen bis zu ihrem 25. Lebensjahr bleiben.

"Natürlich wird niemand von uns einfach vor die Tür gesetzt, sobald sie 25 Jahre alt wird und noch auf eine Wohnung wartet. Wir beginnen deutlich früher mit den Vorbereitungen, damit sich alles sinnvoll ordnet und wir Stabilität und Sicherheit gewährleisten können, damit am Ende niemand mit seinen Kindern auf der Straße landet“, erklärt Weronika.

Das neue Gesetz zur Unterstützung und Resozialisierung Minderjähriger ist ein gutes Signal. Die Initiatorinnen des Hauses für junge Mütter betonen jedoch, dass die Einrichtung weiter gebraucht wird und bestehende Lücken schließt. Sie soll jungen Müttern Raum geben, sich zu entwickeln und eine gute Zukunft aufzubauen. Gedacht ist das Haus für Frauen, die Pflegefamilien, Resozialisierungseinrichtungen oder andere Formen der Betreuung verlassen oder aus anderen Gründen kein sicheres Zuhause haben und von Obdachlosigkeit bedroht sind.

Agnieszka Sikora, Vorsitzende und Gründerin der Stiftung "Po Drugie“, setzt sich seit mehr als 15 Jahren nicht nur für minderjährige Mütter ein, sondern auch für Lösungen, die Jugendlichen helfen sollen, aus der Obdachlosigkeit herauszukommen. In diesem Jahr erhielt sie dafür ein Auszeichnung.

Wie Sie die Stiftung „Po Drugie“ unterstützen können, erfahren Sie HIER .

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