Mark Carney sieht das traditionell enge Verhältnis Kanadas zu den USA dauerhaft verändert und fordert Ottawa auf, Wirtschaft und Sicherheit breiter abzustützen.
Kanada treibt gemeinsam mit dem schwedischen Rüstungskonzern Saab die Beschaffung einer neuen Flotte von Überwachungsflugzeugen für die Arktis voran. Das gab Premierminister Mark Carney am Mittwoch bekannt. Die Regierung entschied sich damit für das in Stockholm ansässige Unternehmen und gegen US-Konkurrenten.
Für Carney erfüllt die Entscheidung zwei zentrale Ziele: Kanada soll seine Verteidigungsfähigkeiten in der Arktis stärken und seine wirtschaftliche Verflechtung mit den Vereinigten Staaten verringern.
Mit dem Einstieg in formelle Verhandlungen mit Saab rückt Kanada zwei US-Alternativen in den Hintergrund: die Aeris X von L3Harris und die E-7 Wedgetail von Boeing.
„Die Beschaffung des GlobalEye wird uns helfen, unseren Norden zu sichern und zugleich unsere Wirtschaft zu stärken“, sagte Carney am Mittwoch bei einer Veranstaltung der Rüstungsindustrie in Ottawa.
Saab begrüßte die Entscheidung und kündigte an, Know-how und Technologie nach Kanada zu übertragen, um die heimische Rüstungsindustrie auszubauen. Carney griff diese Botschaft ebenfalls auf.
Der kanadische Regierungschef hat die Arktis zu einer strategischen Priorität erklärt. Er warnt, Kanada müsse seine Verteidigungsbereitschaft in der Region rasch verbessern, in der der geopolitische Wettbewerb zunimmt, vor allem mit Russland.
Mit der Wahl eines europäischen Partners statt eines US-Unternehmens riskiert Carney jedoch zusätzlichen Ärger mit der Regierung von Präsident Donald Trump. Diese hatte bereits ihren Unmut darüber geäußert, dass Ottawa einen Milliardenvertrag über eine neue Flotte von in den USA produzierten F-35-Kampfjets neu prüft.
Als der US-Vizeverteidigungsminister Elbridge Colby Anfang dieses Monats bekanntgab, dass das Pentagon die Zusammenarbeit in einem seit 86 Jahren bestehenden gemeinsamen Verteidigungsbeirat mit Kanada aussetzt, nannte er das auf Eis liegende F-35-Geschäft als einen zusätzlichen Belastungsfaktor.
Carney erklärt, das historisch enge Verhältnis Kanadas zu den Vereinigten Staaten habe sich dauerhaft verändert. Ottawa müsse seine wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Partnerschaften breiter aufstellen. Die bilateralen Beziehungen würden seiner Ansicht nach nicht zu dem Zustand vor Trump zurückkehren.