Die niederländische Nichtregierungsorganisation WHAT TO FIX meldet: Auf sozialen Netzwerken bringen Konten von drei EU-sanktionierten prorussischen Akteuren womöglich weiter Geld. Einige Accounts aber konnten zwischenzeitlich gelöscht werden.
Wegen prorussischer Einmischung im Ausland hat die Europäische Union verschiedene Personen sanktioniert und ihnen damit verboten, in der EU Geschäfte zu treiben. Social-Media-Konten drei dieser Personen aber zeigten auch nach Inkrafttreten der Maßnahmen weiterhin Monetarisierungsfunktionen in ihren Profilen. Das geht aus einem Bericht der niederländischen Tech- und Rechenschaftsorganisation WHAT TO FIX hervor.
Die Analyse identifizierte 21 Social-Media-Konten, die auf Facebook, Instagram, TikTok, YouTube und X mit Nathalie Yamb, Sylvain Afoua und Justin Tagouh verbunden sind. Zusammen erreichen sie mehr als vier Millionen Follower.
Vorwurf: Verbreitung kremlnaher Desinformation
Yamb, Afoua und Tagouh belegte die EU im Jahr 2025 mit Sanktionen wegen prorussischer Einflussoperationen. Brüssel wirft dem Trio vor, an Kampagnen beteiligt zu sein, die sich an Zielgruppen in Afrika richten und prorussische, kremlnahe Desinformation verbreiten.
Eine der bekanntesten Personen ist Nathalie Yamb, eine schweizerisch-kamerunische Influencerin und Politikkommentatorin mit einem Publikum von mehr als zwei Millionen Menschen, so der in London ansässige Thinktank Institute of Strategic Dialogue.
Nach Einschätzung der EU hat Yamb die Rhetorik Moskaus übernommen und tritt offen als Unterstützerin Russlands auf. Sie unterhält Kontakte zur Organisation AFRIC, die mit russischen privaten Militärfirmen verbunden ist.
Tagouh gründete zudem Afrique Media, ein großes französischsprachiges TV- und Digitalnetzwerk. Der Sender kündigte im Jahr 2022 eine Partnerschaft mit dem russischen Staatssender Russia Today (RT) an. Forschende des African Digital Democracy Observatory berichten, Afrique Média habe Aktivitäten der Söldnergruppe Wagner ausführlich begleitet und Inhalte von RT ausgestrahlt.
Afoua, auch bekannt als Egountchi Behanzin, steht an der Spitze der "Ligue de Défense Noire Africaine" (LDNA), einer panafrikanischen Aktivistenorganisation, die französische Behörden im Jahr 2021 aufgelöst haben.
Die Sanktionen erfolgen vor dem Hintergrund wachsender Sorge in Europa angesichts russischer Einflussnahme in Teilen Afrikas, besonders in Mali. Dort haben die Militärmachthaber ihre Beziehungen zu Moskau vertieft, seit Frankreich im Jahr 2022 seine Truppen abzog.
Russische Söldner, zunächst der Wagner-Gruppe und später ihres Nachfolgers Africa Corps, haben ihre Sicherheitskooperation in der Region stetig ausgebaut. Forschende dokumentierten parallel Informationskampagnen, die Russland als verlässlichen Partner darstellen und den Westen schlecht aussehen lassen.
Einnahmequellen noch aktiv?
Nach EU-Recht dürfen sanktionierte Personen weder Gelder noch wirtschaftliche Ressourcen erhalten. Nach Recherchen von WHAT TO FIX boten mehrere der betroffenen Konten aber noch lange nach Verhängung der Sanktionen Funktionen zur Monetarisierung an.
Laut der Geschäftsführerin von WHAT TO FIX, Victoire Rio, „gibt es verschiedene Optionen, wie Kreative Geld verdienen können. Einige Dienste laufen außerhalb der Plattformen, andere werden direkt von den Plattformen bereitgestellt“.
Die Forschenden konzentrierten sich darauf, ob Plattformen Zugänge zu solchen Monetarisierungsdiensten freigeschaltet haben. Das allein belegt weder, ob noch in welcher Höhe tatsächlich Geld an die Betroffenen floss. Auch der Bericht selbst trifft dazu keine abschließende Aussage.
In Prüfungen zwischen Januar und April 2026 fanden sie auf mehreren Konten sanktionierter Personen aktive Monetarisierungsoptionen, darunter Facebook Stars, Creator Subscriptions, TikTok Subscriptions und YouTube Channel Memberships.
Einen Teil dieser Funktionen entfernten die Plattformen später. TikTok löschte ein Konto, das Afoua zugerechnet wird, nachdem die Forschenden Bedenken gemeldet hatten. WHAT TO FIX beobachtete zudem, dass YouTube die Channel-Membership-Funktion beim Kanal der "Ligue de Défense Noire Africaine" deaktivierte.
Nach Angaben von WHAT TO FIX war ein mit Yamb verknüpftes X-Konto im Januar noch monetarisiert. Bei einer zweiten Prüfung im April war diese Option verschwunden.
In einer Stellungnahme gegenüber Euronews teilte YouTube mit: „Google hält sich an geltende Sanktions- und Exportgesetze und setzt entsprechende Vorgaben in unseren Nutzungsbedingungen um. Wenn wir feststellen, dass ein Konto gegen unsere Nutzungsbedingungen verstößt, ergreifen wir geeignete Maßnahmen.“
Nach Löschung erschien weiteres Konto
Das Faktencheck-Team von Euronews, The Cube, entdeckte außerdem ein weiteres TikTok-Konto mit Bezug zu Afoua, das nach der Löschung des ersten Kontos erstellt worden war. Die Plattform entfernte auch dieses Konto kurz nach der Meldung.
Nach Einschätzung von WHAT TO FIX werfen die Ergebnisse grundsätzliche Fragen auf, wie Plattformen Konten prüfen, bevor sie Monetarisierung ermöglichen.
„Es gibt kaum Transparenz darüber, wie diese Prozesse funktionieren sollen – und noch weniger darüber, wie sie tatsächlich umgesetzt werden“, so Victoire Rio von WHAT TO FIX.
Sie verwies zudem auf den Digital Services Act der EU (DSA). Artikel 34 verpflichtet die größten Online-Plattformen, systemische Risiken zu erkennen und zu bewerten, die aus ihren Diensten entstehen.
„Unser Punkt ist: Die Monetarisierungspraxis der Plattformen ist selbst ein Risikofaktor für all diese systemischen Risiken. Unter Artikel 34 des DSA sollten Plattformen dieses Risiko bewerten und Gegenmaßnahmen entwickeln“, sagte sie Euronews.
„Unsere erste Forderung ist Transparenz“, so Rio.