Angesichts wachsender Sicherheitsbedrohungen und verschobener Machtverhältnisse feiern die EU und Südkorea bei einem Gipfel in Brüssel ein neues Abkommen für digitalen Handel.
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, der Präsident des Europäischen Rates, António Costa, und Südkoreas Präsident Lee Jae-myung haben am Mittwoch in Brüssel die Unterzeichnung eines neuen Abkommens über digitalen Handel gefeiert.
Das Treffen war der 11. Gipfel zwischen der EU und Südkorea. Auf der Tagesordnung standen Themen von Sicherheit und Verteidigung bis hin zum Handel.
„Korea ist einer von Europas engsten Partnern im Indo-Pazifik und auf der globalen Bühne“, sagte von der Leyen. „In einer unsicheren Welt sind stabile und verlässliche Partnerschaften wie unsere wertvoller denn je.“
Die drei Spitzenpolitiker gaben eine gemeinsame Erklärung ab, in der sie den Wert der Gespräche herausstellten und sich zu einem engen, freundschaftlichen Verhältnis bekannten.
„Wir bekräftigen unser gemeinsames Bekenntnis zu effektivem Multilateralismus und zu einer stabilen, vorhersehbaren, regelbasierten und fairen Wirtschaftsordnung“, heißt es darin.
Halbleiter als Schlüsselbranche
Beide Seiten wollen ihre Handelsbeziehungen breiter aufstellen. Der Druck in den Beziehungen zu China und den USA wächst. Vor diesem Hintergrund kommt das digitale Handelsabkommen zwischen der EU und Südkorea mehr als ein Jahrzehnt nach dem bahnbrechenden Freihandelsvertrag.
Seit 2015 hat sich der Handel zwischen der EU und Südkorea verdoppelt. Der Warenhandel erreichte laut Zahlen der Europäischen Kommission im Jahr 2025 rund 124,25 Milliarden Euro.
„Das Freihandelsabkommen zwischen der Europäischen Union und Korea zählt seit seinem Inkrafttreten 2011 zu den erfolgreichsten Handelsabkommen der EU“, sagte Ratspräsident António Costa am Mittwoch.
Südkorea entwickelt sich zu einem immer wichtigeren Investor in Europa, vor allem in strategischen Branchen wie Batterien, Elektrofahrzeuge und Halbleiter.
Für die EU ist ein zentrales Ziel, die Lieferketten für Halbleiter abzusichern und zugleich weitere Investitionen koreanischer Unternehmen in Europa anzuziehen.
„Südkorea nimmt bei Halbleitern weltweit eine führende Rolle ein“, sagte ein EU-Vertreter. „Das ist eindeutig ein Bereich mit großem Kooperationspotenzial, von dem beide Seiten profitieren würden.“
Das am Mittwoch vereinbarte digitale Handelsabkommen soll die breitere Handelspartnerschaft ergänzen. Es soll „unnötige Hürden für den digitalen Handel“ abbauen und „größere Rechtssicherheit“ für Unternehmen schaffen, die in beiden Märkten tätig sind, so ein weiterer EU-Beamter. Grenzüberschreitende Datenströme sollen erleichtert werden, eine verpflichtende Offenlegung von Quellcode wird dagegen ausgeschlossen.
Das Abkommen soll zudem robuste Regeln zum Schutz von Verbraucherinnen und Verbrauchern im Netz schaffen. Beide Partner wollen dabei ihre jeweiligen Standards beim Schutz personenbezogener Daten und der Privatsphäre beibehalten.
Auch die wirtschaftliche Sicherheit stand weit oben auf der Gipfelagenda. Beide Seiten einigten sich darauf, einen hochrangigen Dialog über die Widerstandsfähigkeit von Lieferketten aufzubauen.
Die Lieferketten gerieten im vergangenen Jahr unter Druck. Auslöser waren chinesische Beschränkungen für die Ausfuhr strategischer Materialien, darunter Seltenerdmetalle, die für grüne Technologien und den Verteidigungssektor unverzichtbar sind, sowie Produkte rund um die Chipindustrie, die für die Autoherstellung von zentraler Bedeutung sind.
Sicherheit und Verteidigung
Nicht über die Ziellinie kam ein Abkommen über Informationssicherheit. EU-Vertreter hatten es vor dem Gipfel als Instrument angekündigt, um den Austausch vertraulicher Informationen zwischen Brüssel und Seoul zu vertiefen.
„Ich hoffe, dass das Abkommen über Informationssicherheit bald angenommen wird, damit Korea und die EU vertrauliche Informationen sicher teilen können. Das würde es beiden Seiten ermöglichen, durch Informationsaustausch deutlich intensiver in Industrie- und Forschungsprojekten zusammenzuarbeiten“, sagte Präsident Lee am Mittwoch.
Das geplante Abkommen soll auf der Partnerschaft für Sicherheit und Verteidigung aufbauen, die Südkorea und die EU 2024 geschlossen haben. Diese Vereinbarung soll die Zusammenarbeit unter anderem bei der maritimen Sicherheit, bei der Abwehr hybrider Bedrohungen sowie im Kampf gegen ausländische Informationsmanipulation und Einmischung erleichtern.
Im Vorfeld der Gespräche in dieser Woche erklärte ein ranghoher EU-Beamter, ein Schwerpunktthema werde die Nichtverbreitung von Atomwaffen sein, da Nordkorea weiterhin über ein kleines, aber besorgniserregendes Arsenal nuklear bestückter Sprengköpfe verfügt.
Nordkorea (die DVRK) und Russland seien beim Gipfel „große Fragen“ gewesen, sagte die Quelle. Brüssel sei bereit, Seoul Informationen über seine Unterstützung für die Ukraine zur Verfügung zu stellen.
Die gemeinsame Erklärung des Gipfels greift dies auf und verurteilt Nordkorea sowie andere Staaten, die Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine ermöglichen.
„Wir fordern Russland und die DVRK auf, alle derartigen Aktivitäten unverzüglich einzustellen und die Charta der Vereinten Nationen sowie alle einschlägigen Resolutionen des UN-Sicherheitsrats zu beachten“, heißt es in der Erklärung.