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Bis zu 1.000 Stück im Jahr: Rheinmetall startet Produktion von Drohnenbooten

Rheinmetall hat mit der Serienproduktion von Drohnenbooten begonnen.
Rheinmetall hat mit der Serienproduktion von Drohnenbooten begonnen. Copyright  Copyright 2024 The Associated Press. All rights reserved
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Von Maja Kunert
Zuerst veröffentlicht am
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Rheinmetall produziert in Hamburg jetzt unbemannte Boote für den militärischen Einsatz. Es ist der erste Schritt einer Massenproduktion – und Teil eines wachsenden Rüstungsgeschäfts.

Im Hamburger Hafen werden jetzt Drohnenboote für den Ernstfall produziert. Der Rüstungskonzern Rheinmetall stellt das unbemannte Überwasserfahrzeug gemeinsam mit dem britischen Joint-Venture-Partner Kraken Technology Group her.

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Jährlich sollen nach Angaben von Rheinmetall rund 200 Drohnenboote auf der Werft Blohm+Voss gefertigt werden. "Je nach Auftragslage können wir die Produktion auf bis zu 1.000 Einheiten jährlich hochfahren", sagt Tim Wagner, CEO der Rheinmetall-Division Naval Systems.

Was der Kraken K3 Scout kann

Der K3 Scout ist 8,50 Meter lang, 1,93 Meter breit, wiegt maximal 2.500 Kilogramm und wird von einem Innenbord-Dieselmotor angetrieben. Er erreicht eine Spitzengeschwindigkeit von 55 Knoten – knapp 102 km/h – und hat eine Reichweite von 650 Seemeilen bei 25 Knoten Marschgeschwindigkeit. Die Nutzlast von bis zu 600 Kilogramm lässt sich modular in zwei konfigurierbaren Kammern bestücken, die Einsatzdauer beträgt laut Hersteller bis zu 30 Tage.

Die unbemannten Überwasserfahrzeuge sollen militärisch oder zivil eingesetzt werden können.

Das Boot ist derzeit für den ferngesteuerten Betrieb ausgelegt; autonomes Fahren ist als nächste Entwicklungsstufe geplant. Wenn militärische Missionen in Zukunft autonom ausgeführt werden, ist laut Hersteller eine menschliche Überwachung und Zielfreigabe zwischengeschaltet. Über Starlink ist das Boot permanent vernetzt, bei Signalausfall greift das System auf Navigationsmethoden wie Sternnavigation oder Sonnentracking zurück. Mehrere Boote können als koordinierter Schwarm eingesetzt werden, der Ziele aus verschiedenen Richtungen gleichzeitig ansteuert.

Gemeinsames Joint Venture nun offiziell benannt

Das Gemeinschaftsunternehmen, das Rheinmetall und die britische Kraken Technology Group im vergangenen Jahr gegründet hatten, firmiert ab sofort unter dem Namen "Rheinmetall Kraken GmbH". Kraken-CEO Mal Crease betonte, der Zusammenschluss vereine "die Größe, Expertise und Reichweite eines führenden Unternehmens aus der Verteidigungsindustrie mit einem agilen und innovativen Unternehmen für maritime Technologie". Ziel sei es, die Produktion flexibel an eine exponentiell wachsende globale Nachfrage nach unbemannten Plattformen anpassen zu können.

Die Division Naval Systems ist mit vier Werften in Norddeutschland auf den Neubau von Marineschiffen und Küstenwachbooten spezialisiert und gilt innerhalb des Rheinmetall-Konzerns als Vorreiter bei der Entwicklung autonomiefähiger Überwassersysteme. Die Division umfasst nach der Übernahme auch die Hamburger Traditionswerft Blohm+Voss, die Rheinmetall nun zum nationalen Leit- und Testzentrum für unbemannte maritime Systeme ausbauen will.

Blohm+Voss: Von der Traditionswerft zum Rüstungszentrum

Die Übernahme des Marineunternehmens NVL, zu der Blohm+Voss gehört, hatte Rheinmetall Anfang März 2026 abgeschlossen. Die EU-Kommission hatte das Vorhaben im Februar genehmigt. Mit diesem Schritt stieg Rheinmetall erstmals direkt in den militärischen Schiffbau ein; bislang hatte der Konzern zwar Ausrüstung wie Schiffsgeschütze geliefert, aber keine eigenen Schiffe gebaut. Den Standort Blohm+Voss entwickelt er nun zum nationalen Testzentrum für unbemannte maritime Systeme.

Für den Hamburger Arbeitsmarkt birgt das Potenzial: Bei einem Hochlauf auf 1.000 Einheiten im Dreischichtbetrieb könnten nach NDR-Angaben bis zu 400 neue Arbeitsplätze entstehen.

Eingebettet in Rheinmetalls Rüstungsoffensive

Die Hamburger Drohnenboote sind Teil eines deutlich größeren Wachstumskurses. Erst vergangene Woche hatte der Haushaltsausschuss des Bundestages einen Rahmenvertrag mit Rheinmetall zur Lieferung von Kampfdrohnen für die Bundeswehr-Brigade in Litauen genehmigt – zunächst mit einem Auftragsvolumen von rund 298 Millionen Euro, bei einem Gesamtrahmen von bis zu 2,4 Milliarden Euro. Die Brigade mit rund 5.000 Soldaten soll dauerhaft die NATO-Ostflanke sichern.

Unbemannte Überwasserfahrzeuge wie der K3 Scout gelten seit dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine als eine der wirkungsvollsten Waffenkategorien der modernen Seekriegsführung. Die Ukraine hat solche Systeme erfolgreich eingesetzt, was die internationale Nachfrage massiv beschleunigt hat. Rheinmetall bestätigt bereits Interesse: Der CEO der Rheinmetall-Division Naval Systems, Tim Wagner, sagte im März, dass es bereits Aufträge von Nato-Ländern gebe.

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