Es ist das erste EU-Werk zur Rückgewinnung seltener Erden aus Elektroschrott. Im italienischen Ceccano soll die Produktion von 2.000 Tonnen pro Jahr eine strategische Rohstofflieferkette aufbauen.
Grünes Licht vom italienischen Ministerium für Umwelt und Energiesicherheit für das Projekt LIFE 22ENV-IT-INSPIREE, das in Ceccano zwischen Rom und Neapel die erste Industrieanlage Europas zur Rückgewinnung von seltenen Erden aus Elektroaltgeräten (RAEE) ermöglicht.
Das Projekt gilt auf europäischer Ebene als strategisch. Es gehört zu den 47 Vorhaben, die die Europäische Kommission im Rahmen der Verordnung über kritische Rohstoffe ausgewählt hat, und es soll die Autonomie der Union bei der Versorgung mit Schlüsselmaterialien für die Digitalindustrie, die Autoindustrie und den Energiesektor stärken.
Vom Pilotprojekt zur Industrieanlage
Die Anlage entsteht auf dem Gelände des Werks von Itelyum Regeneration und überführt eine in Ceccano bereits als Pilotprojekt erprobte Technologie in den industriellen Maßstab.
In der ersten Projektphase wurden rund 20 Tonnen permanenter Magnete pro Jahr behandelt. Die Industrieanlage soll bis zu 2.000 Tonnen Magnete jährlich aufnehmen und schätzungsweise 500 bis 700 Tonnen Verbindungen seltener Erden erzeugen.
Der Standort zählt zu den ersten in Europa, die im industriellen Maßstab Neodym, Praseodym und Dysprosium in NdFeB-Magneten aus Festplatten, Elektromotoren und ausgedienten Elektronikgeräten zurückgewinnen.
Industrieprozess und Recyclingkette
Das Projekt INSPIREE stützt sich auf einen zweistufigen Prozess: Zunächst werden die Magnete zerlegt, anschließend folgt eine hydrometallurgische Behandlung zur Rückgewinnung der seltenen Erden.
Die Technologie, entwickelt auch mit Beitrag der Università degli Studi dell'Aquila, ermöglicht die Gewinnung von Oxalaten, Oxiden und Karbonaten seltener Erden durch chemische Verfahren mit deutlich geringerer Umweltbelastung als beim klassischen Bergbau.
In die Wertschöpfungskette sind mehrere Industrieunternehmen und Konsortien eingebunden, darunter Erion und EIT RawMaterials. Die Projektkoordination liegt bei Itelyum.
EU-Förderung und Laufzeit
Das Projekt erhält Mittel aus dem europäischen LIFE Programme, unterstützt von der CINEA. Die EU steuert eine Kofinanzierung von rund 3,2 Millionen Euro bei. Die Gesamtprojektlaufzeit beträgt 42 Monate, mit Betriebsstart im Jahr 2023 und schrittweisem Hochlauf bis zur Vollauslastung.
INSPIREE gehört zu den italienischen Projekten innerhalb der europäischen Strategie für kritische Rohstoffe und gehört zu den Zielen des Critical Raw Materials Act, der den Anteil zurückgewonnener und recycelter Materialien in der Union erhöhen soll.
Gleichzeitig ist das Vorhaben Teil der europäischen Strategie, die Abhängigkeit von Lieferanten außerhalb der EU bei seltenen Erden zu verringern, die heute zu großen Teilen auf asiatische Märkte konzentriert sind.
Arbeitsplätze und Auswirkungen
Zu den langfristigen Beschäftigungseffekten liegen noch keine endgültigen Zahlen vor. Erwartet wird jedoch vor allem Bedarf an hochqualifizierten Fachkräften sowie Impulse für eine breitere Industrie- und Dienstleistungskette rund um die Logistik und Rückgewinnung der Materialien.
Mit Inbetriebnahme der Anlage könnte sich Ceccano zu einem der europäischen Zentren für das Hightech-Recycling seltener Erden entwickeln – in einem Bereich, der für die Energie- und Digitalisierungstransformation und für die industrielle Sicherheit der Europäischen Union als strategisch gilt.