Deutschland und Europa suchen den Exit aus der China-Abhängigkeit. Doch über Rohstoff-Gesprächen mit Zentralasien liegt der Verdacht eines russischen Schattenmarkts – und die Frage, wie ernst es Brüssel mit Sanktionen ist.
Auf zu neuen seltenen Erden – in Berlin traf Außenminister Johann Wadephul (CDU) seine zentralasiatischen Amtskollegen. Im Fokus der Gespräche standen vor allem wirtschaftliche Beziehungen.
Europa will sich breiter aufstellen und diversifizieren. Vor allem bei seltenen Erden und kritischen Rohstoffen könnte Zentralasien ein Weg aus der Abhängigkeit von China sein.
"Unser Land hat in dieser Zeit der Erschütterung der internationalen Ordnung ein hervorragendes Angebot zu machen: Verlässlichkeit, Stabilität, Offenheit", so Wadephul vor Journalisten im Auswärtigen Amt.
Langfristiges Ziel sei es, Europa enger mit der Region zu verbinden. "Zentralasien liegt an einer geopolitischen Schnittstelle und muss mit den bestehenden und weiter zunehmenden chinesischen Interessen sowie mit einer Bedrohung durch Russland umgehen", so der Außenminister vor Journalisten.
Russland hatte ebenso wie China in den vergangenen Jahren massiv in die Region investiert und seine strategischen Partnerschaften mit den Ländern stark ausgebaut.
Russischer Schattenmarkt
Derzeit steht Kirgisistan in der Kritik, Russland dabei zu unterstützen, EU-Sanktionen zu umgehen. Demnach bestelle Kirgisistan beispielsweise Maschinen in der Europäischen Union und verkaufe sie anschließend an Russland weiter.
"Ich habe in allen Gesprächen deutlich gemacht, dass unsere klare und konsequente Haltung zur Beendigung dieses russischen Angriffskrieges bestehen bleibt und dass wir alle Partner auffordern, uns dabei zu unterstützen", so Wadephul auf Nachfrage von Euronews.
"Deswegen mein dringender Appell, alles dafür zu tun, dass diese Umgehung nicht stattfindet", erklärte der CDU-Politiker. Mögliche Exportbeschränkungen waren bei den Gesprächen kein Thema.
Medienberichten zufolge plane Brüssel, den Export bestimmter Waren nach Kirgisistan zu verbieten. Dafür solle erstmals ein Instrument genutzt werden, das im Zuge der EU-Sanktionen gegen Russland eingeführt wurde. Konkret geht es demnach um Kommunikationsgeräte sowie computergesteuerte Maschinen zur Metallbearbeitung, wie die FAZ berichtet.
Beides seien Dual-Use-Güter und könnten sowohl zivil als auch militärisch genutzt werden. Zudem könnten kirgisische und tadschikische Banken im 20. Sanktionspaket der EU mit Strafmaßnahmen belegt werden.
Im Anschluss an die Gespräche im Auswärtigen Amt trafen die zentralasiatischen Außenminister rund 20 deutsche Wirtschaftsvertreter, organisiert vom Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft, einem Außenwirtschaftsverband.
"Zentralasien ist ein dynamischer Wirtschaftsraum mit hohen Wachstumsraten", sagte Niko Warbanoff, Sprecher des Arbeitskreises Zentralasien im Ost-Ausschuss, im Vorfeld. Das "Potenzial für Partnerschaften in den Bereichen Energie, Rohstoffe und Infrastruktur" sei enorm.
Die Wirtschaft in Zentralasien floriert seit mehreren Jahren. 2025 ist sie im Vergleich zum Vorjahr um mehr als sechs Prozent gewachsen, so regionale BIP-Daten.