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Virale G7-Clips im Faktencheck: Hat Trump Selenskyj wirklich brüskiert?

Staats- und Regierungschefs der G7 und weiterer Länder stellen sich beim G7-Gipfel in Evian-les-Bains, Frankreich, am Dienstag, 16. Juni 2026, zum Gruppenfoto auf.
Staats- und Regierungschefs der G7 und weiterer Staaten posieren beim Gruppenfoto beim G7-Gipfel in Évian-les-Bains in Frankreich am Dienstag, 16. Juni 2026. Copyright  Isabel Infantes/Pool Photo via AP
Copyright Isabel Infantes/Pool Photo via AP
Von James Thomas
Zuerst veröffentlicht am
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In sozialen Netzwerken kursieren Videos und Zitate, die nach diplomatischem Eklat aussehen. Doch viele der Behauptungen rund um Trump, Macron und Selenskyj halten einer Überprüfung nicht stand.

Nach dem G7-Gipfel im französischen Évian kursieren in den sozialen Medien zahlreiche irreführende Aussagen und Videos. Staats- und Regierungschefs der G7-Staaten, der EU sowie weiterer eingeladener Länder waren dort zusammengekommen, um über globale geopolitische Herausforderungen zu beraten – von den Kriegen in der Ukraine und im Nahen Osten bis zur Lage der Weltwirtschaft.

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Viele der Behauptungen drehen sich um Begegnungen des US-Präsidenten Donald Trump mit europäischen Spitzenpolitikern und um angebliche Aussagen über ihn. Das Faktencheck-Team von Euronews, The Cube, hat einige der besonders viralen Beiträge überprüft.

Ein Beitrag behauptet etwa, Trump habe auf dem Gipfel gesagt, "Europa ist woke geworden" und sei vielerorts nicht mehr wiederzuerkennen. Ungarn, Polen, Tschechien und die Slowakei hätten dagegen einen anderen Kurs eingeschlagen.

Trump hat diese Aussagen gemacht, aber nicht beim G7-Gipfel
Trump hat diese Aussagen gemacht, aber nicht beim G7-Gipfel Euronews

Der Beitrag zeigt tatsächlich einen Ausschnitt, in dem der Präsident genau diese Worte sagt. Allerdings macht das White-House-Logo im Hintergrund deutlich, dass die Aussage nicht beim G7-Gipfel fiel.

Der Clip stammt vielmehr von einer Pressekonferenz im Februar, bei der Trump die Energie- und Migrationspolitik Europas kritisierte.

"Ich möchte, dass Europa stärker wird, Europa ist woke geworden", sagte er am 20. Februar vor Journalisten. "Europa ist an so vielen Orten nicht wiederzuerkennen. Nicht alle Länder. Wenn man sich Ungarn anschaut, Polen, Tschechien, die Slowakei ... Es gibt einige Länder, die einen sehr gegenteiligen Weg eingeschlagen haben."

Später in derselben Rede sagte Trump: "Europa wird bei zwei Themen zerrieben: Energie und Migration." The Cube hat bereits zahlreiche seiner Behauptungen zur europäischen Energie- und Migrationspolitik widerlegt.

Andere Nutzer machten sich über den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj lustig und verbreiteten Videos, die angeblich zeigen, wie Trump ihm demonstrativ den Rücken zukehrt.

Ein Video scheint tatsächlich zu zeigen, wie Trump sich umdreht, um EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen zu begrüßen, während Selenskyj auf ihn zugeht. Es gibt jedoch kaum Hinweise darauf, dass Trump den ukrainischen Präsidenten bewusst ignorierte.

Keine Belege für eine bewusste Brüskierung Selenskyjs durch Trump
Keine Belege für eine bewusste Brüskierung Selenskyjs durch Trump Euronews

Trump und Selenskyj trafen sich am Rande des Gipfels mindestens einmal. Anschließend sprach Trump von einem "guten Treffen" und forderte Russland auf, mit der Ukraine eine Vereinbarung zur Beendigung der Invasion auszuhandeln.

Selenskyj erklärte seinerseits, er habe Trump in den Gesprächen vorgeschlagen, Abfangraketen für Patriot-Luftabwehrsysteme in der Ukraine zu produzieren.

Ein weiterer kursierender Beitrag behauptet, der französische Präsident Emmanuel Macron habe gesagt: "Es sind nicht die Amerikaner oder Trump, die über die Zukunft Frankreichs entscheiden, sie bestimmen weder französisches noch europäisches Recht." Die Aussage ist nicht völlig falsch, lässt aber entscheidenden Kontext aus.

Macron gab dem Sender TF1 während des G7-Gipfels ein Interview. Die Journalisten fragten ihn, ob er den Forderungen Trumps nachkommen und die Digitalsteuer auf international tätige Tech-Konzerne wieder abschaffen werde. Trump hatte zuvor mit Zöllen von 100 % auf französischen Wein und Champagner gedroht.

Digitalsteuern sind Übergangsabgaben auf große multinationale Tech-Unternehmen wie Google und Meta. Sie betreffen Konzerne, die mit digitalen Diensten Einnahmen erzielen, ohne in einem Land physisch präsent zu sein. Mehrere europäische Staaten haben entsprechende Regelungen eingeführt, die sich in Höhe und Ausgestaltung unterscheiden.

Frankreich erhebt beispielsweise eine Steuer von 3 % auf digitale Plattformen, Online-Werbung und Nutzerdaten sowie 1,2 % auf Streamingdienste. Österreich verlangt 5 % auf Einnahmen aus Online-Werbung, Ungarn erhebt mit 7,5 % auf digitale Werbung den höchsten Satz in Europa.

Weitere Länder mit ähnlichen Digitalsteuern sind Italien, Polen, Portugal, Spanien und das Vereinigte Königreich.

In dem TF1-Interview sagte Macron, er werde Trumps Drohungen nicht nachgeben, "weil es so nicht läuft". Die Digitalsteuer sei ein Gesetz, auf das sich mehrere europäische Länder geeinigt und das sie umgesetzt hätten.

Macron stellte klar, dass die USA nicht über französisches oder europäisches Recht entscheiden. Trump nannte er dabei jedoch nicht ausdrücklich.

"Das ist normal, und daran wird sich nichts ändern, solange ich im Amt bin", sagte Macron. "Wir werden eine respektvolle, aber klare Diskussion führen."

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