Rekordhitze setzt Europa zu: Haben Politiker beim Schutz der Bürger versagt, hilft mehr Klimaanlagen? Benedetta Scuderi (Grüne) und Andrea Wechsler (EVP) diskutieren die Folgen (gescheiterter?) Klimapolitik.
Europa erwärmt sich von allen Kontinenten am schnellsten. Die Temperaturen steigen etwa doppelt so schnell wie im globalen Durchschnitt. Mit jedem Jahr drängt sich eine Frage stärker auf: Ist Europa auf eine deutlich heißere Zukunft vorbereitet?
Um diese Frage dreht sich die aktuelle Ausgabe von The Ring aus dem Europäischen Parlament in Brüssel. Zu Gast sind die italienische Grünen-Politikerin Benedetta Scuderi und die deutsche EVP-Abgeordnete Andrea Wechsler.
Die Herausforderung reicht weit über klassische Klimapolitik hinaus. Städte ringen mit extremer Hitze. Energiesysteme geraten zunehmend unter Druck. Regierungen müssen neue Wege finden, um besonders verletzliche Menschen zu schützen.
Die Debatte gewinnt zudem eine starke ideologische Komponente. Immer häufiger geht es um Grundsatzfragen zu Konsum, Gesundheit und Nachhaltigkeit. Sollen wir die Erderwärmung ausblenden und uns, soweit vorhanden, in unsere klimatisierten Wohnungen zurückziehen?
Oder ist jetzt der Zeitpunkt für entschlossene Maßnahmen, um die schlimmsten Folgen der Klimakrise abzumildern? Vor Europa liegen schwierige Entscheidungen. Wird die Bevölkerung diesen Kurs mittragen?
Scuderi und Wechsler gerieten mehrfach aneinander. Streitpunkte waren der Green Deal der EU und die Lehren aus der aktuellen Hitzewelle. Mehr als einmal wurde die Auseinandersetzung sehr politisch.
Laut Wechsler „wenn wir glaubwürdig dekarbonisieren wollen, dürfen wir uns nicht nur auf Elektronen konzentrieren, sondern auch auf Moleküle“. Sie sagte weiter: „Ich erlebe, dass die Grünen nicht alle Technologien gleich behandeln, die wir für die Dekarbonisierung brauchen. Bei diesem Punkt bekommen wir Ihre Partei nicht mit.“
Scuderi warf der EVP vor, gemeinsam mit der äußersten Rechten zentrale Teile des Europäischen Green Deal zu verwässern, soziale Begleitgesetze zurückzufahren und weiterhin stark auf fossile Energien zu setzen. „Wie wollen wir den Rest der Welt von ehrgeizigen Zielen und guten Maßnahmen überzeugen, wenn gerade wir die ersten sind, die Rückschritte machen?“, fragte Scuderi.
In einigen Punkten waren sie sich jedoch einig. Vor allem bei einer Erklärung, die Simon Stiell, Exekutivsekretär der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen, in der vergangenen Woche veröffentlicht hat.
Er erklärte: „Solange die Menschheit weiterhin gewaltige Mengen an Kohle, Öl und Gas verbrennt, wird extreme Hitze noch schlimmer. Und andere Folgen der Klimakrise – von Megadürren über Überschwemmungen bis hin zu Waldbränden und Stürmen – werden jedes Jahr Wirtschaft und Gesellschaften noch härter treffen.“
Doch die Sendung zeigte auch: Ein breiter Konsens über den richtigen klimapolitischen Kurs in Europa ist weiterhin schwer zu erreichen.
The Ring moderiert Stefan Grobe. Die Produktion übernehmen Luis Albertos Altarejos und Amaia Echevarria, die Redaktion liegt bei Vassilis Glynos.
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