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Vor Landtagswahlen: Fake-Videos sollen Deutschland weiter spalten

Über dem Reichstagsgebäude, Sitz des Bundestags in Berlin, weht am Donnerstag, dem achtzehnten November 2021, eine deutsche Flagge.
Auf dem Reichstagsgebäude in Berlin weht die deutsche Flagge, Sitz des Bundestags, am Donnerstag, 18. November 2021. Copyright  AP Photo
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Von Estelle Nilsson-Julien & Tamsin Paternoster
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
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Forscher warnen vor einer mutmaßlich aus Moskau gelenkten Kampagne, die deutsche Medien nachahmt, um vor den Landtagswahlen im September von Ost-West-Spannungen zu profitieren. Manche Videos sind täuschend echt.

Im September 2026 wählen die Bürger unter anderem in Mecklenburg-Vorpommern (20. September) und Sachsen-Anhalt (6. September) ihre neuen Landtage. Beide Wahlen gelten als wichtiger Stimmungstest für die Bundesregierung – und insbesondere für die AfD.

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In Mecklenburg-Vorpommern liegt die AfD seit Monaten stabil an der Spitze der Umfragen. Aktuelle Erhebungen sehen sie bei rund 35 bis 36 Prozent, während die regierende SPD von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig auf etwa 28 bis 29 Prozent kommt. Die Linke liegt im zweistelligen Bereich, die CDU deutlich dahinter.

Auch in Sachsen-Anhalt liegt die AfD in den Umfragen deutlich vorn und erreicht teilweise nahezu 40 Prozent. Die CDU von Ministerpräsident Sven Schulze folgt mit deutlichem Abstand. SPD, Linke und Grüne liegen weit dahinter.

Am 20. September folgt in Berlin zudem die Wahl zum Abgeordnetenhaus.

Vor allem die Wahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern gelten als wichtiger Stimmungstest für die Bundesregierung. Auch die Wahl in Berlin wird bundesweit aufmerksam verfolgt: Das Ergebnis dürfte aber ebenfalls als Signal für die politische Stimmung in Deutschland gewertet werden.

Bundesweit erreicht die AfD in Umfragen inzwischen Werte von rund 30 Prozent.

Offenbar koordinierte Einflusskampagne vor den Wahlen in Deutschland

Bilder und Videos ahmen nun das Erscheinungsbild einiger der bekanntesten deutschen Medienmarken nach, etwa Spiegel TV, Bild oder T-Online, sowie von Forschungseinrichtungen wie dem Institute for the Study of War. Darunter sind:

Ein gefälschtes Zeitungscover mit der Schlagzeile „Der Westen hasst den Osten“. KI-generierte Fernsehberichte, in denen es heißt, westdeutsche Vermieter gäben Ausländern den Vorzug vor Ostdeutschen. Dazu Videos, die fälschlich behaupten, die meisten jungen Deutschen wollten die frühere DDR wiederherstellen.

Forscher des Kollektivs Antibot4Navalny, das Online-Einflusskampagnen verfolgt, haben in der ersten Woche der Aktion mindestens 49 gefälschte Videos, zwölf manipulierte Titelseiten identifiziert. Die Kampagne kursiert auf X, Bluesky und TikTok.

Sie bedient immer wieder das Narrativ, Deutschland sei mehr und mehr in Ost und West gespalten.

In zahlreichen Beiträgen heißt es, Ostdeutsche würden unfair behandelt oder politisch an den Rand gedrängt. Andere verbreiten erfundene Statistiken, die angebliche Unterstützung für eine Wiederherstellung Ostdeutschlands belegen sollen oder nahelegen, Westdeutsche diskriminierten Ostdeutsche bei Wohnungen und in anderen Bereichen.

Gefälschte Berichte imitieren das Erscheinungsbild deutscher Medienmarken.
Gefälschte Berichte imitieren das Erscheinungsbild deutscher Medienmarken. Cleared

Nach Angaben von Antibot4Navalny weist die Kampagne Merkmale des Netzwerks „Matryoshka“ auf, eines Desinformations- und Einflussgeflechts, das europäische Behörden bereits mit pro-russischen Einflussaktionen in Verbindung gebracht haben.

Kampagnen aus dem Matryoshka-Umfeld sind dafür bekannt, glaubwürdige Quellen wie Medien, Thinktanks oder Forschungseinrichtungen zu imitieren. So verbreiten sie Falschbehauptungen, die seriös wirken sollen.

Nach Einschätzung der Forscher richtet sich die aktuelle Aktion gezielt auf Ostdeutschland. Sie soll offenbar gesellschaftliche und politische Spannungen vor zwei wichtigen Landtagswahlen im September ausnutzen.

Ganz Deutschland blickt auf die Landtagswahlen in den ostdeutschen Bundesländern Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern. Beide gelten als wichtiger Stimmungstest für die Popularität der Regierung von Bundeskanzler Friedrich Merz und der von der konservativen Christlich Demokratischen Union (CDU) und der Mitte-links-Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) getragenen Koalition.

In beiden Ländern sehen aktuelle Umfragen (Quelle auf Englisch) die Rechtsaußen-Partei Alternative für Deutschland (AfD) vorn. Die Partei hofft auf mehr als 40 Prozent der Stimmen. Damit läge sie in Reichweite einer absoluten Mehrheit und könnte ihre Chancen erhöhen, erstmals eine Landesregierung anzuführen.

Warum Ost gegen West?

Lea Frühwirth, Senior Researcherin beim deutschen Extremismusbeobachtungszentrum Centre for Monitoring, Analysis and Strategy (CeMAS), betont, ausländische Einflusskampagnen verstärkten meist bestehende gesellschaftliche Bruchlinien, statt völlig neue Konflikte zu erfinden.

„Ausländische Einflusskampagnen zielen darauf ab, Gesellschaften zu destabilisieren“, sagte sie dem Cube-Team von Euronews. „Dazu gehört oft, polarisierte Debatten über sensible Themen und Reizthemen zusätzlich anzuheizen.“

Deutschland ist seit mehr als drei Jahrzehnten wiedervereint. Dennoch, so Frühwirth, bleiben Unterschiede im Selbstverständnis und Kränkungen ein Grund, warum die Ost-West-Frage politisch heikel bleibt.

„Die Wiedervereinigung fand nicht auf Augenhöhe statt, und viele Menschen im Osten berichten von tief sitzenden Kränkungen durch Westdeutsche“, sagte sie. „Strukturelle Unterschiede bestehen bis heute.“

„Hinzu kommt der politische Aspekt: Russische und pro-russische Kommunikation rund um deutsche Wahlen bevorzugt Parteien mit russlandfreundlicher Haltung, etwa die rechtsextreme AfD, und stellt andere Parteien in ein schlechtes Licht“, ergänzte sie.

Nach ihren Worten nutzen Kampagnen wie diese bestehende Frustrationen, indem sie Gruppen gegeneinander ausspielen und die politische Polarisierung vertiefen.

Ob solche Aktionen am Ende das Wahlverhalten beeinflussen, lässt sich kaum messen. Gleiches gilt für ihre tatsächliche Reichweite. Berichte deuten darauf hin, dass die Macher Abrufzahlen künstlich nach oben treiben, damit die Beiträge stärker beachtet wirken, als sie es tatsächlich werden.

Es ist nicht das erste Mal, dass Akteure mit Russlandbezug deutsche Wahlen ins Visier nehmen. Zur Bundestagswahl 2025 dokumentierten Behörden und Forscher mehrere Kampagnen, darunter „Doppelgänger“, „Storm-1516“ und „Matryoshka“. Sie verbreiteten Falschmeldungen und gaben sich als vertrauenswürdige Medienangebote aus.

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