Der französische Premierminister hat seinen ersten Auslandsbesuch seit Amtsantritt absolviert. Er reiste mit zwölf Ministern, darunter Außen-, Innen- und Wirtschaftsminister, nach Marokko.
Seit 2019 habe es kein offizielles Treffen dieser Größenordnung gegeben, betonte Sébastien Lecornu auf seinem X-Konto. Nach mehreren Jahren gespannter Beziehungen hatten Frankreich und dessen ehemalige Kolonie Marokko 2024 wieder eine Annäherung eingeleitet.
Laut Lecornu sollte das Treffen die 2024 eingegangenen Verpflichtungen umsetzen und neue Projekte mit Blick auf einen bevorstehenden Staatsbesuch von König Mohammed VI. in Frankreich anstoßen.
Frankreichs Premier sprach von einer "außergewöhnlich positiven Bilanz in allen Bereichen", darunter Industrie, Energie, Sicherheit, Verteidigung, Kultur, Bildung und Landwirtschaft.
Beide Seiten unterzeichneten elf Abkommen, vor allem in den Bereichen Sicherheit und Wirtschaft. Es geht um verstärkte Zusammenarbeit bei Bahn, Schifffahrt und großen Straßeninfrastrukturen, um Stromnetzverbindungen zwischen Frankreich und Marokko und um den Ausbau von Partnerschaften in Forschung, Kultur, Ausbildung und Innovation.
Beide Länder sprachen zudem über Sicherheit und den Kampf gegen den Drogenhandel.
Sébastien Lecornu lobte die Zusammenarbeit der Sicherheitsdienste beider Staaten im Kampf gegen Terrorismus, Drogenhandel, Menschenhandel und illegale Einwanderung. Er sprach von "beispiellosen operativen Erfolgen in den vergangenen Wochen, ermöglicht durch die gemeinsame Arbeit von Polizei und Justiz".
Annäherung seit 2024
Nach Jahren angespannter Beziehungen hatte Frankreichs Präsident Emmanuel Macron bei seinem Staatsbesuch in Marokko im Oktober 2024 vor dem marokkanischen Parlament die"marokkanische Souveränität"im Konflikt um Westsahara bekräftigt. Marokko beansprucht die benachbarte ehemalige spanische Kolonie für sich, während die dortige, von Algerien unterstützte Frente Polisario für einen eigenen Staat kämpft. Der Weltsicherheitsrat stimmte 2025 dafür, dass das Gebiet eine autonome Region Marokkos wird.