Das Gericht in München stellte die besondere Schwere der Tat fest, denn der islamistische Attentäter Ferhad N. war vorsätzlich in eine Menschenmenge bei einer Demonstration der Gewerkschaft Verdi gerast. Eine Mutter und ihre zweijährige Tochter hat der aus Afghanistan stammende Täter dabei getötet.
Nach dem Autoanschlag gegen eine Verdi-Demonstration in München ist der Angeklagte Ferhad N. wegen Mordes und versuchten Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Das Oberlandesgericht München folgte dem Antrag der Staatsanwaltschaft und stellte eine besondere Schwere der Schuld fest, was eine Freilassung auf Bewährung nach 15 Jahren Gefängnis fast unmöglich macht.
Die Bundesanwaltschaft sah die Tat als "religiös motiviert“. Der inzwischen 25-jährige Islamist Ferhad N., ein abgelehnter Asylbewerber ohne nachgewiesene Kontakte zu einer Terrororganisation, war als Jugendlicher nach Deutschland gekommen.
Richter Michael Höhne beschrieb den Tatort in München als "ein einziges Trümmerfeld" auf einer Breite von zwölf Metern und einer Länge von 23 Metern. "Die Tathandlung war, man muss es so deutlich sagen, auf die Vernichtung von Menschenleben angelegt", erklärte einer der Staatsanwälte. Schon zu Beginn des Prozesses konnten viele Beteiligte die Tränen nicht zurückhalten.
Der Horror des Autoanschlags
Ferhad N. war am 13. Februar 2025 - kurz vor der Münchner Sicherheitskonferenz - mit einem Kleinwagen der Marke Mini Cooper in eine Protestkundgebung der Gewerkschaft Verdi gerast. Im Kinderwagen wurden die zweijährige Tochter Hafsa und ihre 37-jährige Mutter Amel so schwer verletzt, dass sie im Krankenhaus starben. 44 weitere Menschen, von denen einige meterhoch durch die Luft geschleudert wurden, erlitten teils sehr schwere Verletzungen.
Der damalige Bundeskanzler Olaf Scholz hatte die Abschiebung des Attentäters gefordert, der offenbar vorsätzlich in die Menschenmenge gerast war.
Der Autoanschlag wurde während des Gaza-Kriegs verübt. In seiner Urteilsbegründung erklärt der Richter, Ferhad N. habe als Reaktion auf die Situation in islamischen Ländern willkürlich ausgewählte Menschen in Deutschland angreifen und töten wollen. "Damit wollte der Angeklagte eine gottgefällige Tat begehen und sich gegenüber Allah, sich selbst und gegenüber seiner Familie als guter Muslim beweisen."
Vom Bodybuilder zum Islamisten
Elf Monate nach der Todesfahrt hatte der Angeklagte zu Beginn des Prozesses viele durch seine narzisstische Persönlichkeit schockiert. Ferhad N. war in seiner Jugend ein bei jungen Frauen beliebter Bodybuilder, bevor er sich innerhalb weniger Monate radikalisierte. Der Trubel um ihn sei ihm zu viel geworden, hatte er einem Freund geschrieben.
Der Angeklagte, der zuletzt als Sicherheitskraft arbeitete, hat aus "Wut, Enttäuschung und Verbitterung“ gehandelt und Menschen getötet, "obwohl diese am Entstehen seiner Stimmungslage keinen Anteil hatten", erklärte die Anklagevertreterin in ihrem Plädoyer.
Ferhad N. ist in Afghanistan geboren und war 2016 nach Deutschland gekommen. Seine Verteidiger plädierten auf eine Unterbringung in einer Psychiatrie und erklärten, ihr Mandant habe deutliche Anzeichen einer hebephrenen Schizophrenie gezeigt, die unberechenbares Verhalten auslöse.