Das Handelsblatt berichtet, die EU-Kommission wolle am Donnerstag ein Bußgeld gegen den Tech-Giganten verkünden – ein Schritt, der den Streit mit der Trump-Regierung über digitale Dienste weiter anheizen könnte.
Die Europäische Kommission wird nach Informationen des Wirtschaftsmagazins Handelsblatt voraussichtlich erstmals eine Geldbuße gegen den Suchmaschinenkonzern Google auf Grundlage des Gesetzes über digitale Märkte (DMA) bekanntgeben.
Unter Berufung auf zwei anonyme, hochrangige EU-Beamte berichtet die Zeitung, die mögliche Geldbuße in Höhe von rund einer Milliarde Euro solle am Donnerstag vorgestellt werden. Sie stehe im Zusammenhang mit zwei zentralen Verfahren wegen mutmaßlichen Missbrauchs von Marktmacht.
Im ersten Verfahren geht es demnach darum, ob Google bei der Online-Suche eigene Dienste bevorzugt. Im zweiten steht der Vorwurf im Mittelpunkt, der Konzern hindere App-Entwickler daran, auf Download-Möglichkeiten außerhalb des Google Play Store hinzuweisen.
Über die genaue Höhe der Strafe entscheidet das Kollegium der EU-Kommissare, also das von Ursula von der Leyen geführte Spitzenorgan der EU-Exekutive.
Die Kommission hatte beide Verfahren im März 2024 eingeleitet.
Google hat die Berichte des Handelsblatt bislang nicht öffentlich kommentiert. Auch der Pressedienst der Europäischen Kommission reagierte bis zur Veröffentlichung nicht auf eine Anfrage von Euronews.
Die nun kolportierte Strafzahlung fällt unter den DMA-Rahmen. Das Regelwerk verpflichtet große Technologiekonzerne im EU-Markt zu mehr Wettbewerb, damit Nutzerinnen und Nutzer mehr Auswahl erhalten.
Die DMA-Regeln hatte die Regierung des damaligen US-Präsidenten Donald Trump in der Vergangenheit scharf kritisiert. Washington warf Brüssel wiederholt vor, amerikanische Unternehmen unfair ins Visier zu nehmen.
Die aktuellen Berichte folgen wenige Tage nachdem die Europäische Kommission Google verpflichtet hat, ab Januar 2027 Suchdaten mit konkurrierenden Suchmaschinen zu teilen und das Android-Betriebssystem für konkurrierende KI-Dienste zu öffnen, ebenfalls auf Basis des DMA.
Damals erklärte die zuständige EU-Kommissarin Henna Virkkunen, dies werde den Menschen in der EU eine „größere Auswahl“ an Diensten ermöglichen.
Kent Walker, bei Google zuständig für globale Angelegenheiten, warnte, der Schritt der EU berge das Risiko, „wichtige Schutzvorkehrungen für den Datenschutz und die Sicherheit von Millionen Europäerinnen und Europäern zu untergraben“.
Bei Verstößen gegen den DMA können Geldbußen von bis zu zehn Prozent des weltweiten Jahresumsatzes eines Unternehmens verhängt werden.
Googles Mutterkonzern Alphabet erzielte 2025 einen Rekordjahresumsatz von 402,8 Milliarden Dollar (353,08 Milliarden Euro).