Nach der Energiekrise des vergangenen Sommers stellt sich Ungarn neu auf: In Csepel bei Budapest hat der Schweizer Energiekonzern Alpiq sein bislang größtes Hybridkraftwerk in Betrieb genommen. Es soll binnen Minuten einspringen, wenn Sonne und Wind nicht mehr ausreichen.
Der in der Schweiz ansässige Energiekonzern Alpiq hat in Ungarn sein bislang größtes Hybridkraftwerk in Betrieb genommen. Die Anlage lässt sich im Bedarfsfall sofort zuschalten, sobald Photovoltaik- und Windkraftwerke den steigenden Verbrauch nicht mehr decken. So soll sich eine Energiekrise wie in diesem Sommer vermeiden lassen.
Der sogenannte gasmotorische Hybridblock kostete 23 Milliarden Forint. Er erhöht nicht nur die Energiesicherheit des Landes, sondern unterstützt auch die Erreichung der Klimaziele. Geschäftsführer Gábor Briglovics erläuterte Euronews nach der Eröffnung, wie das funktioniert.
Die Bedeutung der hybriden Gasmotorentechnologie liegt in ihrer Flexibilität. Sie erleichtert die Integration wetterabhängiger erneuerbarer Energiequellen in das Stromnetz. Die Gasmotoren starten immer dann, wenn mehr Stromproduktion nötig ist, erklärte der Geschäftsführer. Er ergänzte, dass das Unternehmen den Gasmotorenblock und den Energiespeicher aus eigenen Mitteln gebaut hat.
Tótth András, Staatssekretär für Energie im Ministerium für Wirtschaft und Energie (GEM), nannte es ein zentrales Ziel der Regierung, die Klimaschutzziele zu erreichen und zugleich die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen zu steigern. Die Modernisierung des Energiesystems soll nach seinen Worten marktbasiert, mit möglichst geringer staatlicher Unterstützung und transparent erfolgen.
Mit der aktuellen Erweiterung steigt die Gesamtleistung des Kraftwerks Csepel auf 450 Megawatt. Das entspricht etwa einem Viertel der Kapazität des Atomkraftwerks Paks und reicht aus, um bis zu 1,5 Millionen Haushalte mit Strom zu versorgen. Die neue Einheit ist zudem weniger stark von rasch wechselnden Umweltbedingungen abhängig, etwa vom Wasserstand der Donau. Die Gefahr, dass ein weiterer heißer Sommer erneut zu Energiemangel führt, gilt daher als geringer.
Der für Energie zuständige Staatssekretär des GEM bezeichnete das Kraftwerk als Symbol für verlässliches, langfristiges Investorendenken und ungarische Innovationskraft. Tótth András hob unter anderem hervor, dass Alpiq in Ungarn wettbewerbsfähig blieb, weil das Unternehmen Veränderungen der Marktbedürfnisse früh erkannt und darauf reagiert hat.
Alpiq Magyarország erklärte in einer Mitteilung zu der Veranstaltung, dass mit dem Ausbau die Bedeutung des Unternehmens in der ungarischen Stromerzeugung weiter wächst. Das im Besitz Schweizer Anteilseigner befindliche, umweltfreundliche, gasbefeuerte Kombikraftwerk Csepel II nahm 2002 den Betrieb auf. Es war die erste derartige Anlage in Ungarn, die vollständig aus privaten Mitteln finanziert wurde.
Das Kraftwerk versorgt neben der Stromerzeugung rund 20.000 Wohnungen im Süden Budapests mit Fernwärme.