Bis zu 20 Prozent einer neuen Gesellschaft für FIFA-Wettbewerbe könnten an externe Investoren gehen. Der Plan bringt Infantino nicht nur Ärger mit Fußballverbänden ein: Nun will auch das EU-Parlament Antworten.
Das Europäische Parlament will FIFA-Präsident Gianni Infantino zu einer Anhörung laden. Hintergrund ist sein umstrittener Plan, privates Kapital in die Wettbewerbe des Weltverbands zu holen. Das Vorhaben hat in der Fußballwelt heftige Kritik ausgelöst. Europäische Fußballverbände drohen sogar mit einem Boykott der nächsten Weltmeisterschaft.
Ein Entwurfsschreiben, das Euronews vorliegt und derzeit unter Abgeordneten aller Fraktionen zirkuliert, lädt Infantino dazu ein, den Parlamentariern persönlich Rede und Antwort zu stehen. Dies geschehe im Sinne von „Transparenz und demokratischer Rechenschaftspflicht, die FIFA selbst öffentlich befürwortet“.
Der Plan sieht vor, für die FIFA-Wettbewerbe eine neue Gesellschaft zu gründen und bis zu 20 Prozent der Anteile an externe Investoren zu verkaufen. Zu den Interessenten zählt auch Joshua Kushner. Sein Bruder Jared ist der Schwiegersohn des US-Präsidenten Donald Trump.
FIFA betont, alle nationalen Verbände müssten Gelegenheit erhalten, das Vorhaben in einer „offenen und demokratischen“ Konsultation zu prüfen. Forderungen, das Projekt zu stoppen – unter anderem von der Europäischen Fußball-Union UEFA und dem nord- und mittelamerikanischen Verband CONCACAF –, weist der Weltverband bislang zurück.
Die politischen Fraktionen im Europaparlament sehen die Pläne der FIFA mit großer Sorge.
„Die Weltmeisterschaft ist ein globales Gut und gehört niemandem, der sie verkaufen darf“, sagte der irische Europaabgeordnete Barry Andrews gegenüber Euronews. „Wir sind äußerst beunruhigt über die jüngste Ankündigung der FIFA.“
Der Entwurf wurde vom polnischen konservativen Abgeordneten Bogdan Zdrojewski verbreitet und liegt nun den führenden Mitgliedern des Parlamentsausschusses für Kultur und Bildung zur Billigung vor. Darin machen die Abgeordneten Infantino persönlich für die Führung der FIFA verantwortlich und fordern ihn auf, vor dem Ausschuss zu erscheinen und seine Entscheidungen zu erläutern.
„Wir möchten unsere tiefen Sorgen über die aktuelle Führung, Steuerung und Ausrichtung der FIFA zum Ausdruck bringen“, schreiben die Abgeordneten. Das Vorgehen sei „ein Verrat an Ihrer Pflicht gegenüber den Stakeholdern des Fußballs, vor allem gegenüber den Fans weltweit“.
Die EU-Parlamentarier kritisieren vor allem, dass die FIFA das Vorhaben ohne eine echte Konsultation vorgestellt habe – und ausgerechnet im Vorfeld des Präsidentschaftswahljahres 2027. Infantino hat bereits angekündigt, erneut kandidieren zu wollen.
„Lassen Sie uns eines unmissverständlich festhalten: Das Europäische Parlament sieht nicht tatenlos zu, wenn FIFA wie ein persönliches Vermögen, eine Wahlkampfkasse oder eine politische Karriereleiter behandelt wird“, heißt es in dem Schreiben weiter.
Die Entwicklungen stünden „vor dem Hintergrund einer breiten öffentlichen Empörung über die politischen Verbindungen der FIFA – und insbesondere Ihre eigenen –, über die Geschäftspraxis und die Entscheidungsprozesse des Verbandes“.
Stimmt der Ausschuss dem Schreiben mit Mehrheit zu, soll die formelle Einladung an Infantino im September verschickt werden.