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600.000 neue Soldaten: Kyjiw warnt vor Russlands nächster Mobilisierungswelle

Russische Wehrpflichtige setzen unter einem Schild „Streitkräfte der Russischen Föderation“ in einer Moskauer Musterungsstelle ihre Mützen auf, 26. Mai 2010
ARCHIV: Russische Rekruten setzen an einer Musterungsstelle im Zentrum Moskaus unter dem Schild „Streitkräfte der Russischen Föderation“ ihre Mützen auf, 26. Mai 2010 Copyright  AP Photo
Copyright AP Photo
Von Yulia Gritsay
Zuerst veröffentlicht am
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Russland bereitet laut ukrainischem Geheimdienst eine neue Mobilisierungswelle vor: 300.000 Soldaten sollen noch 2026 eingezogen werden, weitere 300.000 im Jahr darauf. Hintergrund sind massive Verluste an der Front und ein starker Rückgang freiwilliger Meldungen.

Russland bereitet nach Angaben des ukrainischen Militärgeheimdienstes und des Auslandsgeheimdienstes die Mobilisierung von 600.000 weiteren Soldaten in den Jahren 2026 und 2027 vor. Die Verluste an der Front steigen, die freiwilligen Rekrutierungen brechen ein. Moskau steuert damit auf eine zweite offizielle Einberufungswelle zu.

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Der ukrainische Geheimdienst berichtet, Russland wolle in diesem Jahr 300.000 Menschen einziehen und 2027 weitere 300.000. Die russische Führung habe die Entscheidung bereits getroffen.

Kyjiw sieht als Auslöser eine Kombination aus hohen Verlusten, dem Verlust der militärischen Initiative und einem drastischen Rückgang freiwilliger Vertragsabschlüsse im laufenden Angriffskrieg gegen die Ukraine.

Russlands Verluste sind nach ukrainischen Angaben gravierend. Der Generalstab in Kyjiw schätzt, dass seit Beginn der Vollinvasion im Februar 2022 mehr als 1,4 Millionen russische Soldaten getötet oder verletzt wurden.

Allein im ersten Halbjahr 2026 verlor Russland nach Schätzung des ukrainischen Geheimdienstes rund 240.000 Soldaten. Etwa 140.000 von ihnen wurden getötet oder schwer verwundet. Im gleichen Zeitraum unterschrieben lediglich 232.000 Menschen Verträge mit den russischen Streitkräften.

CIA-Direktor John Ratcliffe erklärte im Juli, ein durchschnittlicher russischer Rekrut werde binnen zwanzig bis dreißig Minuten nach Eintreffen an der Front getötet oder verwundet.

Rekrutierungspotenzial deutlich geschrumpft

Das Rekrutierungspotenzial ist deutlich geschrumpft. Im Vergleich zu 2025 sank die Zahl der Schuldner, Häftlinge, Migranten und anderer Personen, die zuvor den Hauptpool freiwilliger Rekruten gebildet hatten, in mehreren Regionen Russlands um 30 bis 40 Prozent. Das geht aus den Angaben des ukrainischen Geheimdienstes hervor.

In der Region Kurgan lagen die monatlichen Rekrutierungszahlen seit Jahresbeginn nur bei 57 bis 69 Prozent der Zielvorgabe. In der Region Wolgograd ging die Zahl potenzieller Rekruten im Jahresvergleich um 40 Prozent zurück.

Am niedrigsten sind die Werte in den Regionen Orjol und Wladimir im Westen Russlands sowie in der Republik Dagestan. Auch Versuche, Studierende für die Streitkräfte zu gewinnen, blieben erfolglos.

Auch weibliche Strafgefangene?

Interne russische Dokumente, auf die sich der ukrainische Geheimdienst beruft, führen die Notwendigkeit einer neuen Mobilisierung auf die wachsende Unzufriedenheit der Bevölkerung mit dem Krieg zurück. In manchen Regionen liege sie bei bis zu 69 Prozent, entsprechend gehe die Zahl freiwilliger Meldungen zurück.

Um die rechtliche Grundlage zu schaffen, hat Russland den Kreis der Wehrpflichtigen erweitert. Menschen mit nicht getilgten Vorstrafen nach elf weiteren Artikeln des Strafgesetzbuchs können nun eingezogen werden, darunter Verurteilungen wegen Waffenschmuggels, Drogen- oder Radioaktivitätsschmuggels, Bandentätigkeit und Organisation illegaler Migration.

Den Berichten zufolge prüfen die Behörden außerdem, bestimmte Gruppen verurteilter Frauen zu rekrutieren.

Ein elektronisches Einberufungssystem ist bereits in Betrieb. Sobald eine Person in das Register eingetragen ist, darf sie das Land nicht mehr verlassen, keine Kredite aufnehmen, keine Immobilien kaufen oder verkaufen, keinen Führerschein nutzen und sich nicht als selbstständig Erwerbstätige registrieren.

Ende Juli waren nach Angaben des ukrainischen Geheimdienstes mehr als 2.500 neue Stellenanzeigen im Zusammenhang mit Mobilisierungsmaßnahmen auf russischen Jobplattformen veröffentlicht.

Ankündigung wohl erst nach der Duma-Wahl

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj rechnet damit, dass die Entscheidung nach den Wahlen zur Staatsduma vom 18. bis 20. September bekanntgegeben wird.

„Putins Strategie ist klar: ballistische Angriffe. Danach kommen die ‚Wahlen‘ in Russland. Wir sind sicher, dass es nach den ‚Wahlen‘ eine Mobilisierung geben wird. Wir glauben, dass sie nicht in den zentralen Städten stattfinden wird. Aber ich denke nicht, dass sie das besonders gut verbergen können“, sagte er vergangene Woche.

Selenskyj bezeichnete diesen Ansatz als „periphere Mobilisierung“, die sich vor allem gegen die Regionen Russlands richte und nicht gegen Moskau oder andere Großstädte.

Russland hatte am 21. September 2022 eine teilweise Mobilisierung ausgerufen. Ein offizielles Dekret zu ihrem Ende gab es nie, sodass der rechtliche Rahmen für die Einberufung seit vier Jahren in Kraft ist.

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