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Raketenabwehr Iron Dome bei VW? Niedersachsen prüft Produktion für Israel

Eine Batterie des israelischen Raketenabwehrsystems Iron Dome in Ashkelon im Süden Israels, 7. August 2022
Eine Batterie des israelischen Raketenabwehrsystems Iron Dome in Ashkelon im Süden Israels, 7. August 2022 Copyright  AP Photo
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Von Lutz Faupel
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
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Medienberichten zufolge prüft das Land Niedersachsen, das 20 Prozent der Stammaktien des Autobauers hält, ob der Standort Osnabrück Elemente für das israelische Verteidigungssystem Iron Dome herstellen könnte.

Für das von der Schließung bedrohte Volkswagen-Werk in Osnabrück zeichnet sich möglicherweise eine ungewöhnliche Zukunft ab.

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Der israelische Rüstungskonzern Rafael Advanced Defense Systems verhandelt mit Volkswagen über eine Nutzung des Standorts für die Produktion von Komponenten für militärische Systeme. Im Gespräch sind unter anderem Teile für das israelische Raketenabwehrsystem Iron Dome. Nach den bisherigen Plänen sollen dort keine Abfangraketen selbst hergestellt werden, sondern unter anderem Startvorrichtungen, Stromgeneratoren und Fahrzeuge für den Transport der Systeme.

Volkswagen hatte angekündigt, die Fahrzeugproduktion in Osnabrück im Jahr 2027 einzustellen. Der Standort gehört zu den vier deutschen VW-Werken, aus denen sich der Konzern im Zuge seines umfangreichen Sparprogramms zurückziehen will. Weltweit sollen im Rahmen des Programms rund 100.000 Arbeitsplätze wegfallen.

Neues Leben für totgesagten Standort?

Der mögliche Einstieg in die Rüstungsproduktion steht zugleich im Zusammenhang mit dem tiefgreifenden Strukturwandel der deutschen Automobilindustrie. Die Branche kämpft unter anderem mit hohen Kosten, einem schwierigen Übergang zur Elektromobilität und wachsendem Wettbewerbsdruck aus China. Chinesische Hersteller wie BYD (Build Your Dreams) haben ihre Position auf dem chinesischen Markt deutlich ausgebaut, während deutsche Autobauer dort Marktanteile verlieren.

Für die geplante Umnutzung des Osnabrücker Standorts gibt es allerdings noch Hindernisse. Nach bisherigen Überlegungen könnte das Werk in zwei Gesellschaften aufgeteilt werden. Volkswagen würde demnach weiterhin einen Teil des Standorts und der Beschäftigten führen, während eine zweite Gesellschaft für die Rüstungsproduktion zuständig wäre. An dieser könnte sich das staatliche Unternehmen der israelischen Rüstungsindustrie Rafael gemeinsam mit einem Finanzinvestor beteiligen.

Einwände aus Katar

Dem Vorhaben steht nach Medienberichten die Qatar Investment Authority (QIA) entgegen. Der Staatsfonds aus Katar ist mit einem Anteil von mehr als zehn Prozent einer der größten Einzelaktionäre von Volkswagen. Katar lehnt demnach eine Beteiligung an einem gemeinsamen Unternehmen mit dem israelischen Rüstungskonzern ab. Ein Joint Venture mit Israel könnte hingegen eine mögliche Alternative darstellen.

Das Land Niedersachsen könnte somit Teile des Werks in Osnabrück übernehmen und gemeinsam mit Rafael dieses Joint Venture gründen. Damit würde VW nicht direkt mit dem israelischen Rüstungskonzern zusammenarbeiten – und die Bedenken des katarischen Staatsfonds könnten somit umgangen werden, berichtet Bloomberg.

Das Land Niedersachsen will in Kürze in die Gespräche einsteigen. Die Landesregierung bestätigte bereits, dass sie eine Beteiligung an einer möglichen industriellen Zukunftslösung für den Standort prüft. Ein Sprecher sagte der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung:

Wir prüfen derzeit, ob und in welcher Form eine Beteiligung an einer möglichen industriellen Zukunftslösung für den Standort Osnabrück in Betracht kommen kann.
Sprecher Landesregierung Niedersachsen

Voraussetzung sei ein „wirtschaftlich tragfähiges Gesamtkonzept“.

Niedersachsen ist über seine 20-prozentige Beteiligung an Volkswagen eng mit dem Konzern verbunden und im Aufsichtsrat vertreten. Ministerpräsident Olaf Lies sitzt als Vertreter des Landes in dem Gremium. Der VW-Aufsichtsrat will sich Anfang September erneut mit der Zukunft des Standorts beschäftigen.

Rafaels Hauptgeschäft: Luftabwehrsysteme

Rafael Advanced Defense Systems ist ein staatseigener israelischer Rüstungskonzern und entwickelt unter anderem Systeme zur Raketen- und Drohnenabwehr. Zu den bekanntesten Produkten gehören das Raketenabwehrsystem Iron Dome und das laserbasierte Abwehrsystem Iron Beam. Rafael entstand aus einer militärischen Forschungseinrichtung der israelischen Streitkräfte und wurde im Jahr 2001 in ein staatseigenes Unternehmen umgewandelt.

Der mögliche Einstieg Rafaels in Osnabrück wäre Teil einer zunehmenden Zusammenarbeit zwischen Deutschland und der israelischen Rüstungsindustrie. Deutschland hat in den vergangenen Jahren unter anderem umfangreiche israelische Luftverteidigungssysteme beschafft. Im Jahr 2023 schloss die Bundesrepublik mit Israel einen Vertrag über das Raketenabwehrsystem Arrow 3 im Wert von rund 3,6 Milliarden Euro. Auch weitere israelische Rüstungskonzerne bauen ihre Aktivitäten in Deutschland aus.

Bessere Zeiten für VW: Ein Golf TSI auf der Chicago Auto Show, US-Bundesstaat Illinois, 7. Februar 2014
Bessere Zeiten für VW: Ein Golf TSI auf der Chicago Auto Show, US-Bundesstaat Illinois, 7. Februar 2014 AP Photo

Für die Beschäftigten des VW-Werks in Osnabrück ist unterdessen offen, wie viele Arbeitsplätze durch eine mögliche Umwandlung des Standorts erhalten werden könnten. Eine Entscheidung über die Zukunft des Werks steht noch aus.

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