Die Winzer von Villány rechnen in Ungarns südlichstem Weinbaugebiet dieses Jahr mit rund 30 Prozent weniger Ertrag: Die Trockenheit erzwingt frühere Reife und mindert vor allem die Menge, die Qualität aber kaum.
Die Dürre sorgt auch im französischen Weinbaugebiet Villány für einen dramatischen Kampf. Die brütende Hitze dezimiert die Ernte. Wegen des fehlenden Regens bleiben die Beeren klein, die Reben ringen in der Glut um bloßes Überleben. Das drückt klar auf den endgültigen Ertrag.
Nagy Gergely, Sekretär des Weinbauverbands Villány, sagte zu Euronews, man gewöhne sich fast an diese schwere Dürre, die nicht nur sie, sondern das ganze Land trifft. Die Winzer bräuchten dringend etwas Regen, vor allem in den wärmeren Lagen spüren die Reben den Mangel. Es fehlt nicht nur Wasser im Boden, auch die Luft enthält kaum Feuchtigkeit.
Fachwissen ist in den Weinbergen wichtig, doch gegen die Kräfte der Natur bleiben auch die Winzer machtlos. Die Qualität des Leseguts dürfte stimmen, aber die Menge der Trauben liegt deutlich unter dem Durchschnitt der Vorjahre. Erwartet wird ein Rückgang um fast 30 Prozent.
Der Winzer Tamás Riczu erklärte Euronews, jetzt müssten die Beeren eigentlich zulegen und sich mit Wasser füllen. Stattdessen sehen sie, wie die Trauben wegen der Dürre schrumpfen. Das werde vor allem bei den späten Sorten zu einem gravierenden Problem, so Riczu.
In den vergangenen Jahren begann die Weinlese der roten Sorten in Villány Anfang September. In diesem Jahr dürfte sie früher anlaufen. Der Zeitpunkt hängt davon ab, wie schnell die Trockenheit eine vorzeitige Reife erzwingt.
Ungarn: Dürre führt landesweit zu schweren Folgen
Auf rund 89 Prozent der Fläche Ungarns herrscht inzwischen mittlere oder schwere Dürre. Die anhaltende Hitze und der wenige Regen haben zu einem kritischen Mangel an Grundwasser geführt, besonders in der Großen Ungarischen Tiefebene und auf dem sandigen Homokhátság. In mehreren Regionen ist die Lage schlimmer als während der schweren Dürre 2022. Besonders im Süden des Landes ist die Situation dramatisch.
Das Austrocknen von Flüssen und Seen sorgt für massive Probleme. Wegen des drastisch gesunkenen Pegels der Donau musste ein Großteil des Atomkraftwerks Paks vorübergehend heruntergefahren werden. An zwei Tagen lief nur eine einzige Turbine.
Mit Blick auf die langfristigen Aussichten zeigen mehrere Studien, dass die inzwischen seit sechs Jahren jeden Sommer auftretende Dürre die ungarische Landwirtschaft in eine Krise stürzt. Auf immer größeren Flächen werden Anzeichen von Desertifikation sichtbar.
Europaweit sorgt Regenmangel für schwere Probleme
Auf dem gesamten Kontinent führt der fehlende Regen zusammen mit der anhaltenden Hitze zu schweren Störungen und Tragödien. Im Süden Europas wüten gewaltige Waldbrände, vielerorts lassen sich die Flammen kaum noch eindämmen.
Die rekordniedrigen Pegelstände der Flüsse beeinträchtigen die Schifffahrt, die Kühlung von Kraftwerken und Fabriken wird eingeschränkt. In Süd- und Westeuropa erleidet die Landwirtschaft schwere Schäden. In manchen Küstenregionen dringt wegen der Trockenheit Salzwasser in die Felder ein und macht sie unbrauchbar.
Klimaforscher sind sich einig: Die Jahr für Jahr schlimmer werdende Sommerhitze und Trockenheit in Europa ist ein Symptom der durch Umweltverschmutzung verursachten globalen Erwärmung und verlangt von den Regierungen sofortiges Handeln. Gleichzeitig zwingt die durch den militärischen Konflikt im Iran ausgelöste Energiekrise zu Notlösungen, die meist in die entgegengesetzte Richtung wirken. Auch der sprunghafte Anstieg der Verteidigungsausgaben hat dazu geführt, dass die Klimapolitik der Europäischen Union, einst international führend, in den Hintergrund gerät.