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Jagd auf E-Scooter in Athen: Europäischer Trend zu härterer Gangart

E-Scooter auf Gehwegen - an vielen Stellen ein Hindernis
E-Scooter auf Gehwegen - an vielen Stellen ein Hindernis Copyright  AP Photo
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Von Symela Touchtidou mit ΑΠΕ-ΜΠΕ, Reuters
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3.700 Verstöße in acht Monaten, schwere Unfälle, Minderjährige am Lenker: Nicht nur die griechische Polizei intensiviert die Kontrollen. Von Spanien bis Finnland verschärft Europa die Regeln für E-Scooter.

Nach zwei schweren Unfällen hat die griechische Verkehrspolizei in Athen und dem Umland der Hauptstadt auf der Halbinsel Attika eine neue Reihe intensiver Kontrollen für E-Scooter gestartet. Bei den Unfällen auf der Insel Tinos und in Glyka Nera waren eine 14-Jährige und ein 16-Jähriger schwer verletzt worden.

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Die Kontrollen richten sich vor allem auf die Nutzung von E-Scootern durch Minderjährige und auf die Einhaltung der Regeln der Straßenverkehrsordnung. Im Visier stehen auch Unternehmen, die diese Fahrzeuge verkaufen, anbieten oder vermieten.

Besonders genau schaut die Polizei im Zentrum von Athen, wo sehr viele E-Scooter unterwegs sind. Laut Verkehrspolizei häufen sich zudem Beschwerden über abgestellte Roller auf Gehwegen, die den Platz für Fußgänger einengen.

3.700 Verstöße bei 6.127 Kontrollen

Zahlen der Verkehrsdirektion Attika zeigen das Ausmaß des Problems.

In den ersten acht Monaten dieses Jahres wurden insgesamt 6.127 Kontrollen bei Nutzern von E-Scootern durchgeführt, dabei stellten die Beamten 3.700 Verstöße fest.

Von diesen betrafen 1.844 gemietete Roller und rund 1.800 privat genutzte Fahrzeuge.

Die große Mehrheit der Verkehrssünder waren Erwachsene: 3.544 Personen. Erfasst wurden aber auch 156 Minderjährige, darunter 20 im Alter von 12 - 15 Jahren und 136 über 15 Jahren.

Am häufigsten fuhren die Verkehrssünder ohne Schutzhelm oder mit überhöhter Geschwindigkeit. Außerdem dokumentierte die Polizei Fahrten mit E-Scootern auf Schnellstraßen und Rotlichtverstöße.

56 Unfälle in acht Monaten

Noch alarmierender sind die Unfallzahlen:

In den ersten acht Monaten des Jahres wurden in Attika 56 Verkehrsunfälle unter Beteiligung von E-Scootern registriert.

Drei Menschen erlitten schwere Verletzungen, 53 wurden leicht verletzt.

Die zwei jüngsten Fälle mit Minderjährigen haben das Thema Regeln und vor allem Altersgrenzen erneut in den Fokus gerückt.

Das griechische Recht wurde bereits verschärft. Die Nutzung von E-Scootern ist für Personen unter 17 Jahren verboten. Zudem gilt eine Versicherungspflicht,. Für Fahrten auf Straßen mit einem Tempolimit von mehr als 50 Kilometern pro Stunde sind die Sanktionen noch strenger. Geldbußen drohen auch Unternehmen, die E-Scooter an unter 17-Jährige verkaufen, vermieten oder anderweitig zur Verfügung stellen.

Trotz des strengeren Rahmens zeigt der Alltag auf den Straßen, dass die Durchsetzung weiterhin schwierig ist.

Europa zieht Grenzen für E-Scooter

Die Debatte findet nicht nur in Griechenland statt. Die rasche Verbreitung von E-Scootern als Mittel der Mikromobilität zwingt viele europäische Länder und Städte, ein Gleichgewicht zu finden zwischen alternativen Verkehrsformen, Verkehrssicherheit und dem Schutz der Fußgänger.

Die einschneidendste Entscheidung traf Paris. Seit September 2023 verbietet die französische Hauptstadt frei verfügbare Leih-E-Scooter, nachdem sich bei einer Abstimmung 89 Prozent der Teilnehmer für deren Abschaffung ausgesprochen hatten. Die drei damals in der Stadt aktiven Unternehmen mussten ihre Fahrzeuge von den Straßen holen.

Im August dieses Jahres wurden die Vorgaben in Paris noch strenger. Das Tragen eines Helms und reflektierender Ausrüstung ist nun für alle, die mit einem E-Scooter auf öffentlichen Straßen unterwegs sind, Pflicht. Wer ohne Helm von der Polizei erwischt wird, muss 135 Euro Strafe zahlen. Das Mindestalter liegt bei 14 Jahren, die Höchstgeschwindigkeit bei 25 Kilometern pro Stunde.

Einen ähnlichen Weg ging auch Madrid. Die spanische Hauptstadt entzog 2024 den drei E-Scooter-Verleihern, die dort tätig waren, ihre Lizenzen und kündigte an, keine neuen zu vergeben. Als Gründe nannte sie Lücken beim Versicherungsschutz und das Fehlen von Technologien, die Fahrten oder das Abstellen der Fahrzeuge in verbotenen Zonen verhindern würden.

In Brüssel hat die Regionalregierung beschlossen, Leih-E-Scooter ab dem 1. Januar 2027 vollständig zu verbieten. Die Lizenzen der bestehenden Anbieter laufen Ende 2026 aus und werden nicht verlängert.

Die Entscheidung fiel nach einem deutlichen Anstieg der Unfallzahlen: 2025 wurden in der Region Brüssel 666 Verletzte nach Vorfällen mit E-Scootern registriert, ein Plus von 26 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Behörden verweisen außerdem auf die Probleme, die abgestellte Roller für Fußgänger verursachen, sowie auf ihre Nutzung bei Straftaten.

Helm, Versicherung, Altersgrenzen

Italien wählte einen anderen Ansatz und verschärfte die Regeln für die Fahrzeuge selbst und ihre Fahrer. Die italienische Gesetzgebung schreibt inzwischen einen Pflichthelm, ein spezielles Kennzeichen für den E-Scooter und eine obligatorische Haftpflichtversicherung gegenüber Dritten vor. Die Versicherungsauflagen traten 2026 in Kraft.

In Finnland gilt seit Juni 2025 ein Mindestalter von 15 Jahren für die Nutzung der meisten E-Scooter. Es ist außerdem verboten, ein solches Fahrzeug einem Kind unter 15 Jahren zu überlassen. Parallel wurde eine Alkoholgrenze von 0,5 ‰ eingeführt, und die Polizei darf Alkoholtests und Drogentests bei Nutzern durchführen.

In Ungarn wurde die Versicherungspflicht bereits auf bestimmte Kategorien von E-Scootern ausgedehnt, je nach Gewicht und Höchstgeschwindigkeit.

In Deutschland verschärft der neue Rechtsrahmen die Haftung der E-Scooter-Verleihfirmen wie Lime und Bolt im Falle eines Unfalls. Ziel ist es, Entschädigungen für Opfer zu erleichtern, selbst wenn der Fahrer nicht ausfindig gemacht werden kann. Die Unternehmen können zudem für Unfälle haftbar gemacht werden, die durch abgestellte Roller auf Gehwegen verursacht werden. Die Zahlen sind aussagekräftig: 2023 machten Leihroller etwa 20 Prozent der versicherten E-Scooter aus, waren aber mit rund 40 Prozent der entsprechenden Schadenersatzforderungen verbunden.

Ein strengeres Regelwerk plant auch Zypern, wo das Mindestalter für die Nutzung von E-Scootern von 14 auf 17 Jahre angehoben wurde. Zugleich befindet sich ein Erlass in der öffentlichen Konsultation, der vorsieht, E-Scooter bei schweren Verstößen für 30 bis 90 Tage zu beschlagnahmen – etwa bei Fahrten durch unter 17-Jährige, bei Nutzung auf verbotenen Straßen oder bei Überschreitung der Höchstgeschwindigkeit von 25 Kilometern pro Stunde.

Gemeinsam ist all diesen Maßnahmen der Versuch, Probleme in den Griff zu bekommen, die mit der rasanten Verbreitung der Mikromobilität aufgetreten sind: Verkehrsunfälle, die Nutzung durch Kinder, Fahrten auf ungeeigneten Straßen und Gehwegen sowie das wilde Parken von Leihrollern.

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