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Unerklärliches Spatzensterben in Berlin: Grassiert die Vogel-Malaria?

Toter Spatz
Toter Spatz Copyright  Copyright 2010 AP. All rights reserved.
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Von Kevin Koehrmann
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Die Berliner Spatzenbestände sind im freien Fall. In der Hauptstadt sind in den vergangenen fünf Jahren rund zwei Drittel der Spatzen verschwunden. Selbst Forscher stehen vor einem Rätsel.

Quirlig, frech und flink: Der Haussperling, im Volksmund Spatz genannt, wird plötzlich rar in Berlin – und das, obwohl er sich in der großen schmuddeligen Hauptstadt eigentlich besonders wohlfühlt. Die Ergebnisse der diesjährigen “Stunde der Gartenvögel” bestätigen den seit 2025 beobachteten dramatischen Rückgang des typischen Berliner Allerweltsvogel.

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Erneut wurden 38 Prozent weniger Spatzen gesichtet als im Vorjahr, in dem ebenfalls schon ein Minus von 28 Prozent zu verzeichnen war. Noch schlechter steht es um den Feldsperling (– 37 Prozent), der nur noch auf Platz 18 der Rangliste landet. Noch bis vor zwei Jahren war diese Art in der Hauptstadt regelmäßig unter den Top Ten zu finden.

Population liegt inzwischen rund 70 Prozent niedriger als noch 2021.
Jörg Böhner
Berliner Ornithologischen Arbeitsgemeinschaft (BOA)
Spatz auf de Berliner Mauer
Spatz auf de Berliner Mauer Copyright 2010 AP. All rights reserved.

Lebensraum verändert sich stetig

Fehlendes Futter könnte den Spatzen zusetzen. Die Vögel ernähren sich vor allem von Samen und Körnern, für die Aufzucht ihrer Jungen sind zudem Insekten wichtig. Nahrungsmangel müsste auch anderen Vogelarten zu schaffen machen, sagt Jörg Böhner von der Berliner Ornithologischen Arbeitsgemeinschaft (BOA).

Gleiches gilt für Nistplätze. Sanierungen und verschlossene Gebäudenischen können den Spatzen geeignete Brutplätze nehmen. Auch versiegelte Flächen und weniger Hecken, Gebüsche und wilde Ecken machen es den Vögeln immer schwerer. Vogelexperten wie Böhner beobachten aber, das viele geeignete Niststätten einfach leer bleiben.

Als weitere mögliche Ursache gilt der zunehmende Klimawandel. Hitze und längere Trockenperioden können Nahrung und Wasser knapp machen und den Bruterfolg negativ beeinträchtigen.

Katzen töten Millionen Vögel im Jahr

NABU-Vogelexperte Lars Lachmann schätzt, dass Katzen etwa 25 bis 100 Millionen pro Jahr in Deutschland töten. Eine ältere Untersuchung in einem englischen Dorf ist für den Spatz besonders interessant: Dort machten Haussperlinge 16 Prozent der von Katzen erbeuteten Tiere aus.

Hauskatzen sind auf jeden Fall ein Vogelschutzproblem
Lars Lachmann
NABU-Vogelexperte

Für Deutschland nennt eine Veröffentlichung der Deutschen Wildtier Stiftung mindestens 14 Millionen Singvögel, die jährlich von freilaufenden oder verwilderten Katzen getötet werden. Wie viele davon Spatzen sind, ist allerdings nicht klar.

Katze mit getötetem Spatz
Katze mit getötetem Spatz Copyright 2014 AP. All rights reserved.

Katzen sind also nicht als Hauptursache für den langfristigen Spatzenrückgang. Lebensraum- und Nahrungsverlust spielen eine wesentlich größere Rolle.

Die Stadt Köln weist beispielsweise ausdrücklich darauf hin, dass die Auswirkungen von Katzen auf die Spatzenpopulation gegenüber menschengemachten Ursachen vergleichsweise gering sind. Was ist also dann das Problem.

Vogel-Malaria der eigentliche Grund?

Eine mögliche Erklärung ist eine bislang nicht untersuchte Infektionskrankheit: Die Vogel-Malaria. Höhere Temperaturen begünstigen laut Experten die Ausbreitung der Krankheit. Sowohl die Erreger als auch ihre Überträger, Stechmücken, können sich bei Wärme schneller entwickeln.

Eine Studie aus London fand einen Zusammenhang zwischen Plasmodium-Infektionen und dem Rückgang von Spatzen. Bei hoher Parasitenlast überlebten die Vögel den Winter seltener. Die Parasiten schwächten die Tiere. Eine entsprechende Untersuchung für Berlin gibt es bislang nicht, sie ist aber geplant.

Ob "Plasmodien" tatsächlich hinter dem dramatischen Spatzenrückgang in Berlin stecken, ist also offen. Forscher halten das für eine mögliche Spur – Beweise gibt es bislang nicht. Es bleibt also spannend.

Die Zahl der Spatzen ist in ganz Europa seit Jahren rückläufig. Vor allem in den Städten gibt es immer weniger quirlige Bewohner von Hinterhöfen und öffentlichen Parks.

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