Loader
Finden Sie uns
Werbung

Ermittlungen führen in viele Länder: Mann in Hannover wegen 103 Sexualdelikten vor Gericht

Symbolbild
Symbolbild Copyright  Pixabay / Edward Lich
Copyright Pixabay / Edward Lich
Von Verena Schad
Zuerst veröffentlicht am
Teilen Kommentare Euronews bei Google hinzufügen
Teilen Close Button

Ein Prozess gibt Einblick in einen weit größeren Ermittlungskomplex: Ein 39-Jähriger soll seine Partnerin über Jahre betäubt und sexuell missbraucht haben. Das sichergestellte Material zeigt: Es gibt weitere Verdächtige und mögliche Opfer in mehrere Ländern.

Vor dem Landgericht Hannover hat der Prozess gegen einen 39-jährigen Mann begonnen, dem die Staatsanwaltschaft 103 Sexualdelikte vorwirft. Zwischen November 2021 und März 2026 soll er seine damalige Lebensgefährtin in der Region Hannover und in einem Hotel wiederholt mit Schlafmitteln oder Ketamin betäubt und anschließend sexuell missbraucht haben. Die Taten soll er teilweise gefilmt und die Aufnahmen im Internet verbreitet haben.

WERBUNG
WERBUNG

Der Angeklagte, der aus Polen stammt, äußerte sich zum Prozessauftakt nicht zu den Vorwürfen. Sein Verteidiger erklärte, sein Mandant werde von seinem Schweigerecht Gebrauch machen. Für ihn gilt die Unschuldsvermutung. Die Verhandlung soll am 16. September fortgesetzt werden. Dann könnte auch die ehemalige Partnerin des Angeklagten als Zeugin aussagen.

42.000 Videos ausgewertet

Besonders umfangreich sind die Ermittlungen, die hinter dem Verfahren stehen. Die Polizei sichtete nach eigenen Angaben mehr als 42.000 Videodateien. Bei knapp 1.700 Aufnahmen sahen die Ermittler strafrechtlich relevante Inhalte und werteten diese vollständig aus. Hinzu kamen fast 6.000 Chatverläufe. Ein Großteil der Videos soll von dem nun Angeklagten selbst erstellt worden sein.

Die Ermittler stießen auf den Mann, als sie im Internet nach Aufnahmen sexueller Gewalt suchten. Anschließend untersuchten die Behörden den Fall in Niedersachsen weiter. Nach Angaben der Ermittler spielte dabei auch der Fall der Französin Gisèle Pelicot eine Rolle. Er sorgte dafür, dass solche Fälle stärker in den Fokus der Ermittler rückten.

Die Parallelen zum Fall Pelicot liegen vor allem darin, dass auch dort eine Frau über längere Zeit mit Medikamenten betäubt und anschließend sexuell missbraucht worden war. Der französische Fall wurde 2024 mit der Verurteilung von Pelicots Ex-Mann und zahlreichen weiteren Männern abgeschlossen.

Ermittlungen führen ins Ausland

Der Prozess in Hannover ist allerdings nur ein Teil des gesamten Komplexes. Aus der Auswertung des Materials ergaben sich laut Polizei 78 weitere Verfahren gegen Kontaktpersonen des Angeklagten – in Deutschland sowie in mindestens zehn weiteren Staaten. Die Erkenntnisse wurden an die zuständigen Behörden in den jeweiligen Ländern weitergeleitet.

Auch weitere Tatverdächtige sollen bereits identifiziert worden sein. In Frankreich wurde demzufolge ein Haftbefehl vollstreckt. Außerdem stießen die Ermittler auf Hinweise auf fast 100 bislang nicht identifizierte mögliche Opfer. Die Untersuchungen dazu laufen weiter.

Auch ein möglicher weiterer Fall im persönlichen Umfeld des Angeklagten beschäftigt die Ermittler. Im Prozess berichtete ein Beamter, dass es Hinweise auf ein weiteres Opfer in Polen geben könnte. Für die dortigen Ermittlungen sind die polnischen Behörden zuständig.

Die Polizei betont deshalb, dass der Fall nicht mit dem Prozess in Hannover endet. Die Auswertung des umfangreichen Materials könnte noch weitere Verfahren nach sich ziehen.

Für die betroffene ehemalige Lebensgefährtin des Angeklagten steht nicht nur das Strafverfahren im Mittelpunkt. Sie ließ über ihre Anwältin mitteilen, dass hinter den Zahlen und dem öffentlichen Interesse an dem Fall vor allem ein Mensch stehe, dessen Vertrauen in eine Partnerschaft massiv verletzt worden sei.

Zu den Barrierefreiheitskürzeln springen
Teilen Kommentare Euronews bei Google hinzufügen

Zum selben Thema

Russische Vermögenswerte doch kein Thema? Brüssel bremst trotz wachsendem Druck

Polens Verteidigungsminister: Zusammenarbeit mit ukrainischer Rüstungsindustrie stockt

Statt Berlin nun Kenia und Mali: „Russische Häuser“ verlagern sich nach Afrika