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Statt Berlin nun Kenia und Mali: „Russische Häuser“ verlagern sich nach Afrika

Russisches Haus für Wissenschaft und Kultur in Berlin bleibt geschlossen.
Berlin: Russisches Haus für Wissenschaft und Kultur geschlossen. Copyright  AP Photo
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Von Dimitri Kavalerov, Serhiy Dubyna
Zuerst veröffentlicht am
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Russland will 11 neue „Russische Häuser“ im Ausland eröffnen. Moskau spricht von Kulturdiplomatie, Experten sehen darin Instrumente für Einfluss, Spionage und Anwerbung.

„Raus zur Tür, rein durchs Fenster“: Genau eine Woche nach der Schließung des Flaggschiffs der russischen Kulturzentren, des „Russischen Hauses“, in Berlin, das in der deutschen Hauptstadt vierzig Jahre lang tätig war, hat Russland die Eröffnung neuer Einrichtungen bekannt gegeben.

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Rossotrudnitschestwo, die russische Förderagentur für Kulturzentren im Ausland, hat ein Abkommen über gleich elf ähnliche Einrichtungen in Staaten Afrikas sowie in Thailand und Armenien geschlossen.

Igor Tschajka, Leiter von Rossotrudnitschestwo, erklärte, die neuen Institute sollten ein „modernes, wahrhaftiges und wirkungsvolles Bild Russlands“ vermitteln.

Kritiker beschreiben die „Russischen Häuser“ dagegen als Instrumente der Kreml-Propaganda, der politischen Einflussnahme und der nachrichtendienstlichen Ausforschung – nicht als Foren für echten kulturellen Austausch.

Hintergrund sind die extrem angespannten Beziehungen Moskaus zu europäischen Staaten, insbesondere Deutschland, seit der Schließung des russischen Kulturzentrums in Berlin.

Am ersten September teilte das Auswärtige Amt mit, dass das Russische Haus in Berlin und das russische Generalkonsulat in Bonn geschlossen werden - eine Reaktion auf den Sabotageakt am Flughafen Leipzig, für den die deutschen Behörden direkt Russland die Verantwortung zuschreiben.

Der Kreml weist die Vorwürfe zurück und spricht von einem „vorgeschobenen“ Anlass.

Lehrkräfte oder Spione?

Die „Russischen Häuser“ entstanden ursprünglich nach dem Vorbild des deutschen Goethe-Instituts, des spanischen Instituto Cervantes, der „Alliance française“ oder des British Council.

Offiziell gehören dazu die Förderung der russischen Sprache, die Auswahl ausländischer Studierender für russische Universitäten, Ausstellungen sowie die Unterstützung von im Ausland lebenden Russinnen und Russen.

Das Team um Tschajka kündigt neue Standorte in Kenia, der Demokratischen Republik Kongo, auf Madagaskar, in Mali, São Tomé und Príncipe, Senegal, Sierra Leone und Togo sowie in Thailand und Armenien an. In Armenien sollen dabei gleich zwei neue Zentren entstehen.

Die armenische „Adresse“ der Russischen Häuser in Artaschata und Aschtarak – ähnliche Häuser gibt es bereits in Gjumri und Jerewan – ist auffällig vor dem Hintergrund der wachsenden Distanz Jerewans zu Moskau und der zunehmenden Ausrichtung auf Brüssel.

Im Unterschied zu offiziellen Vertretungen von Rossotrudnitschestwo entstehen diese Partner-„Russischen Häuser“ auf Basis lokaler Nichtregierungsorganisationen. Die Regierung von Nikol Paschinjan scheut bislang offenbar einen demonstrativen Schritt, diese Zentren im Eilverfahren zu schließen.

In russischen Medien stellt Rossotrudnitschestwo das Projekt als Durchbruch der Kulturdiplomatie dar und betont, das Partnernetz russischer Zentren im Ausland wachse von 25 auf 36.

Verschwiegen wird, dass die Behörde seit Beginn der großangelegten Aggression Russlands gegen die Ukraine mindestens vier Zentren in Europa verloren hat.

Als erste schloss Slowenien im Frühjahr 2022 sein „Russisches Haus“. Später folgten Rumänien, Moldau und schließlich Deutschland. In all diesen Fällen stuften die lokalen Behörden die Kulturzentren als Gefahr für die nationale Sicherheit ein.

In einem Interview mit „Current Time“ zeigte sich die Vorsitzende des Verteidigungs- und Sicherheitsausschusses des Europaparlaments, Marie-Agnes Strack-Zimmermann, überzeugt, „dass dieser Ort für Spione ist“. „Ich finde, es ist jetzt sehr wichtig, klar zu sagen, dass auch wir angegriffen werden. Hybrid – obwohl das schon keine hybride Kriegsführung mehr ist. Das ist echter Terror. Das ist Sabotage. Und selbstverständlich ist das kein Einzelfall. Genau deshalb hat die Regierung nun erklärt, dass sie das Russische Haus in Berlin schließen wird. Als Deutsche bin ich froh, dass in Deutschland jetzt eine solche Entscheidung getroffen worden ist“, erklärte die Politikerin.

Sohn statt Enkel

Der aktuelle Leiter von Rossotrudnitschestwo ist noch nicht lange im Amt. Seinen langjährigen „Patron“ in der Behörde, Jewgeni Primakow – Enkel und Namensvetter des legendären sowjetischen und später russischen Diplomaten –, löste er erst im April 2026 ab.

Tschajka, Sohn des früheren Generalstaatsanwalts der Russischen Föderation, Juri Tschajka, ist Unternehmer und Eigentümer von „Chartija“, eines der größten regionalen russischen Entsorgungsunternehmen.

Er steht auf den Sanktionslisten der USA und der EU wegen seiner Versuche, die Lage in Moldau zu destabilisieren und sich in die inneren Angelegenheiten des Landes einzumischen. Nach Angaben des US-Finanzministeriums entwickelte Tschajka diese Pläne gemeinsam mit Kreml-Sprecher Dmitri Peskow. Die EU wirft ihm vor, Geldtransfers zur Unterstützung von Projekten des russischen Geheimdienstes FSB in Moldau organisiert zu haben.

Seit 2023 steht Tschajka außerdem auf den Sanktionslisten der EU und der Ukraine wegen seiner unternehmerischen Aktivitäten auf der von Russland besetzten und völkerrechtswidrig annektierten Krim.

Als Sohn seines Vaters sah er sich einer ganzen Reihe öffentlicher Vorwürfe ausgesetzt: Er soll staatliche Aufträge über Scheinvergaben erhalten und administrative Hebel zu seinen Gunsten genutzt haben. Ausführlich dokumentiert hat das unter anderem die Antikorruptionsstiftung des verstorbenen Alexej Nawalny im Film „Tschajka" aus dem Jahr 2015.

Sein Bruder Artjom Tschajka taucht ebenfalls in Sanktionslisten der USA und der EU auf und wurde in mehreren Strafverfahren erwähnt, unter anderem wegen Erpressung, illegaler Casinos und sogenannter Raider-Übernahmen.

„Afrikanische Farm“

Russland verlagert seinen Fokus inzwischen deutlich nach Afrika. Dort sollen acht der elf neuen Kulturzentren entstehen, die ein bereits bestehendes Netz von 16 „Russischen Häusern“ auf dem Kontinent ergänzen.

Bislang gibt es „Russische Häuser“ unter anderem in Burkina Faso, Ghana, Guinea, Mali, Niger, Madagaskar, Sierra Leone, Somalia, Tschad, der Zentralafrikanischen Republik und in Namibia. In Mali, Sierra Leone und auf Madagaskar sollen jetzt jeweils zweite Partnerzentren hinzukommen.

Beobachter sehen darin Teil einer Strategie, das politische, mediale und vor allem militärische Engagement des Kremls in Afrika Schritt für Schritt auszuweiten.

Russland versucht offensichtlich, ein Vakuum zu füllen, das nach dem Rückzug der ehemaligen Kolonialmacht Frankreich entsteht. Paris schließt Militärbasen in Afrika und zieht seine Truppen ab und verliert zugleich an Boden auf den Medienmärkten des Kontinents.

Bereits im Januar 2026 räumte der damalige Chef von Rossotrudnitschestwo, Jewgeni Primakow, in einem Interview ein, dass die „Russischen Häuser“ in Mali und der Zentralafrikanischen Republik ursprünglich von „einem bekannten afrikanischen privaten Militärunternehmen“ eröffnet worden seien, ohne dieses zu benennen. Hinter dieser Formulierung lässt sich unschwer die Struktur der Söldnergruppe Wagner erkennen.

Inzwischen ist das von Moskau kontrollierte paramilitärische russische Gebilde „Afrikanisches Korps“ – es ersetzte die Söldner der weitgehend aufgelösten Wagner-Gruppe nach dem Tod ihres Gründers Jewgeni Prigoschin – für mehrere Militärregime in Westafrika zum wichtigsten Sicherheitspartner im Kampf gegen dschihadistische Aufständische geworden.

So wandten sich die Juntas in Mali, Niger und Burkina Faso an das „Korps“, um sich vom Einfluss Frankreichs zu lösen.

Westliche Analysten bringen die verstärkte Aktivität von Rossotrudnitschestwo in Afrika mit der Isolation Russlands in Europa und den weitreichenden Sanktionen in Verbindung. Experten der Gruppe EUvsDisinfo sprechen etwa von einer gezielten Umlenkung russischer Ressourcen auf den afrikanischen Kontinent.

Sie betonen, dass Russland über Sprachkurse, kostenlose Studienplätze an russischen Hochschulen und Filmvorführungen ein Netzwerk lokaler Meinungsmacher, Journalisten und Blogger aufbaut, die bereit sind, die russische Sichtweise an das heimische Publikum weiterzutragen.

Und das ist nicht alles. Nach Angaben des ukrainischen Geheimdienstes haben ähnliche Einrichtungen seit Beginn des Ukraine-Krieges den Rahmen der Kulturdiplomatie längst verlassen und sich in Stützpunkte für hybride Kriegsführung, Spionage und sogar verdeckte Rekrutierung für den Fronteinsatz verwandelt – für die Teilnahme an der russischen Aggression gegen die Ukraine.

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