Warum stehen Frauen KI skeptischer gegenüber als Männer? Eine neue Studie nennt stärkere Risikoaversion und weniger Kontakt mit der Technologie als Gründe.
Seit dem rasanten Vormarsch der Künstlichen Intelligenz weltweit tragen Frauen oft die Hauptlast der Folgen.
Von sexuell expliziten Deepfakes bis zu KI-bedingtem Stellenabbau im Job: Manche der gravierendsten KI-Auswirkungen treffen Frauen überproportional.
Dass Frauen der neuen Technologie skeptischer gegenüberstehen als Männer, überrascht kaum. Forschung zeigt, dass Frauen KI-Tools zu 25 Prozent seltener nutzen als Männer und weltweit weniger als ein Viertel der KI-Fachkräfte ausmachen.
Eine neue Studie der Northeastern University in Boston geht der Frage nach, was Frauen an KI genau beunruhigt, und kommt zu dem Schluss: Es hat viel mit Risiken zu tun.
Die Auswertung von Umfragen unter rund 3.000 Kanadiern sowie US-Amerikanern ergab zwei Hauptgründe für die unterschiedlichen Einstellungen zu KI am Arbeitsplatz: Risikotoleranz und Risikoexposition. Ihre Ergebnisse wurden in diesem Monat im Fachjournal PNAS Nexus veröffentlicht.
Befragte Frauen waren insgesamt risikoscheuer als Männer. Sie entschieden sich eher für eine garantierte Auszahlung von 1.000 Dollar (842 Euro), statt eine fünfzigprozentige Chance auf 2.000 Dollar (1.684 Euro) zu riskieren oder am Ende leer auszugehen.
Diese Lücke zeigte sich auch bei der Bewertung von KI. Frauen hielten mit rund elf Prozent höherer Wahrscheinlichkeit als Männer die Risiken für größer als den Nutzen.
In offenen Fragen zu Risiken und Nutzen von KI äußerten Frauen häufiger Unsicherheit und Skepsis als Männer.
Allerdings verschwand der Unterschied, sobald die Unsicherheit wegfiel. Wenn KI-bedingte Beschäftigungsgewinne garantiert waren, reagierten Frauen und Männer gleichermaßen positiv.
Frauen mit geringerer Risikoscheu äußerten in der Befragung ähnlich viel Skepsis gegenüber KI wie Männer.
„Im Grunde gilt: Wenn Frauen sich bei den Beschäftigungseffekten sicher sind, verschwindet der Gender Gap in der Unterstützung für KI“, sagt Beatrice Magistro, Assistenzprofessorin für KI-Governance an der Northeastern University und Mitautorin der Studie. „Es scheint also vor allem um die Abneigung gegen Unsicherheit zu gehen.“
Die Forschenden führen die Skepsis auch darauf zurück, dass Frauen den wirtschaftlichen Risiken von KI stärker ausgesetzt sind.
„Frauen sind stärker mit KI konfrontiert, sowohl in Berufen mit hoher Komplementarität, die von KI profitieren könnten, als auch in Berufen mit hoher Substituierbarkeit, in denen Verdrängung droht. Die langfristigen Folgen von KI bleiben jedoch grundlegend ungewiss“, schrieben die Forschenden.
Die Politik sollte diese Haltung bei der Ausarbeitung von KI-Regulierung berücksichtigen, damit KI Frauen nicht zurücklässt.
„Dazu könnten Maßnahmen gehören, die KI-bedingte Risiken abmildern: etwa ein stärkerer Schutz vor Arbeitsplatzverlust, Ausgleichsregelungen und Schritte, um Gender-Bias in KI-Systemen zu reduzieren“, so die Forschenden.