Im App-Markt Europas zeigt sich 2025 eine deutliche Kluft: Am häufigsten laden Nutzer Nutz-, Shopping- und KI-Apps, am meisten verdienen Entertainment-, Abo- und Dating-Angebote.
Die App-Welt verändert sich ständig. Manche Apps schießen nach oben, andere verschwinden oder erfinden sich neu.
Facebook war einmal extrem beliebt, hat in vielen Ländern jedoch deutlich an Boden verloren. Damals gab es ChatGPT von OpenAI noch gar nicht, heute führt der Dienst die Download-Charts an.
Welche Apps werden in Europa derzeit am häufigsten geladen? Welche Bereiche dominieren die Bestenlisten? Wie unterscheiden sich die Umsätze? Und wie viel verdienen die umsatzstärksten Apps auf dem europäischen Markt?
Das Ranking der meistgeladenen Apps in der EU im Jahr 2025 zeigt deutlich, was Nutzerinnen und Nutzer bevorzugen. In den Top zwanzig dominieren Produktivitäts-Apps, Shopping-Angebote und soziale Plattformen. Das geht aus Schätzungen von AppFigures hervor, die Euronews Next vorliegen.
Die meistgeladene App in der EU war 2025 ChatGPT mit etwas mehr als 64 Millionen Downloads. Die Anwendung liegt klar vorn, gefolgt von Temu mit knapp 44 Millionen Installationen.
Nach den beiden Spitzenreitern fallen die Download-Zahlen auf rund 27 Millionen. Von dort liegen die Apps dicht beieinander. Bis Platz zwanzig gibt es keine großen Unterschiede – dort kommt Snapchat noch auf etwas mehr als 16 Millionen Downloads.
Threads (27,3 Millionen), TikTok (26,8 Millionen), CapCut (25,5 Millionen) und Google Gemini (25,2 Millionen) verzeichnen jeweils mehr als 25 Millionen Installationen.
WhatsApp Messenger (24,4 Millionen), Revolut (23,9 Millionen), Vinted (23,3 Millionen) und Lidl Plus (22,9 Millionen) vervollständigen die Top zehn.
Auch Duolingo, SHEIN, Instagram und Telegram kommen jeweils auf mehr als 21 Millionen Downloads.
Klarna, Uber, Microsoft Teams, Canva, Pinterest und Snapchat schaffen es ebenfalls in die Top zwanzig. Ihre Download-Zahlen liegen zwischen 16,4 und 17,9 Millionen.
Produktivität: KI wird zum Alltag
Nach Kategorien betrachtet zählt Produktivität zu den stärksten Bereichen, fast vollständig getrieben von Künstlicher Intelligenz (KI). ChatGPT führt alle Apps mit großem Abstand an, Google Gemini schafft es ebenfalls in die Top zehn. Das zeigt: KI-Werkzeuge wandern aus der Nische und dem Profi-Einsatz in den Alltag. Immer mehr Europäerinnen und Europäer setzen für Arbeit, Studium und private Aufgaben auf KI.
Shopping und Photoshop
Shopping-Apps stellen in den Top zwanzig nach Downloads die größte Gruppe. Temu, SHEIN, Vinted, Lidl Plus und Klarna sind besonders stark vertreten. Auch Foto- und Video-Apps spielen eine wichtige Rolle. Ihre Präsenz zeigt, wie stark Inhalteproduktion, Bearbeitung und visuelle Kommunikation zunehmen – vor allem in sozialen Netzwerken und bei kleinen Unternehmen.
Aber diese Zahlen beziehen sich nur auf die Downloads im Jahr 2025, nicht auf die Gesamtzahl der Nutzerinnen und Nutzer. Die Zahl der aktiven Accounts würde ein anderes Bild ergeben.
Downloads sind nicht gleich Umsatz in der App-Ökonomie
Die Schätzungen von AppFigures für 2025 zeigen eine wachsende Lücke zwischen Beliebtheit und Profitabilität im europäischen App-Markt. Kostenlose Produktivitäts- und Shopping-Apps dominieren zwar die Download-Zahlen, doch bei den Erlösen liegen Unterhaltungs- und Abo-Plattformen vorn.
Die Umsatzrangliste erzählt eine ganz andere Geschichte als die Downloads. TikTok ist die umsatzstärkste App in der EU und kommt Schätzungen zufolge auf mehr als 740 Millionen Euro – obwohl der Dienst bei den Downloads nur auf Platz vier liegt.
ChatGPT folgt beim Umsatz auf Rang zwei mit 448 Millionen Euro. Das zeigt, dass KI-Abos Nutzerinnen und Nutzer in großer Zahl zu zahlenden Kundinnen und Kunden machen.
Dating-Apps glänzen beim Umsatz, nicht bei Downloads
Tinder liegt mit 429 Millionen Euro auf Platz drei. Dating-Apps erweisen sich damit weiterhin als starke Einnahmequelle, obwohl sie in den Top zwanzig nach Downloads gar nicht auftauchen.
Es bleibt nicht bei Tinder. In den Top zwanzig nach Umsatz finden sich außerdem Bumble auf Rang 14 mit 125 Millionen Euro und Badoo Dating auf Rang 20 mit 81 Millionen Euro. Keine dieser Apps gehört zu den zwanzig meistgeladenen.
Apps, die auf Abos, Premium-Funktionen und digitale Inhalte setzen, dominieren das Einnahmenfeld. Streamingdienste wie Disney+ mit 351 Millionen Euro und Amazon Prime Video mit 323 Millionen Euro sowie Services wie Google One (283 Millionen Euro) und YouTube (243 Millionen Euro) passen in dieses Muster.
„Die Ausgabenmuster in den umsatzstärksten EU-Apps sind heute vielfältiger als noch vor einigen Jahren. Damals floss ein Großteil der Ausgaben außerhalb von Mobile Games in Unterhaltungs- und Dating-Apps wie Disney+, Spotify, Tinder oder Hulu“, sagte Randy Nelson, Leiter für Marktanalysen bei AppFigures, Euronews Next.
Wie sich Top-Apps nach Ländern unterscheiden: Großbritannien und die Türkei
Welche Apps vorne liegen, unterscheidet sich deutlich von Land zu Land. Das zeigen die Zahlen für Großbritannien, die Türkei und die EU insgesamt. Globale Dienste finden sich zwar überall in den Spitzenplätzen, doch daneben schaffen es auch etliche lokale Anwendungen in die Rankings.
Ein Vergleich der Schätzungen für 2025 zeigt: Großbritannien folgt den EU-weiten Trends im Großen und Ganzen, zugleich sind lokale Services, staatliche Apps und heimische Finanzplattformen dort beliebter als auf dem europäischen Festland. GOV.UK ID Check und HMRC gehören zu den meistgeladenen Anwendungen des Landes. Der britische Markt bietet außerdem mehr Sichtbarkeit für einheimische Finanz- und Handelsmarken: Monzo und Tesco zählen zu den Top-Downloads.
Auch Microsoft Authenticator steht in den britischen Top zwanzig. Das verweist auf die wachsende Bedeutung von Sicherheit und digitaler Identität im Arbeitsalltag.
Die Türkei unterscheidet sich deutlich von EU und Großbritannien
Die App-Charts der Türkei für 2025 sehen ganz anders aus als in der EU oder in Großbritannien. Lokale Plattformen und staatlich gestützte digitale Dienste spielen eine viel größere Rolle. Regierungs-Apps wie e-Devlet Kapısı und e-Nabız stehen neben Telekom- und Banking-Anwendungen wie Turkcell, Türk Telekom und Garanti BBVA Mobile weit oben. Das zeigt, wie eng öffentliche Dienstleistungen und Alltagsservices mit der Smartphonenutzung verknüpft sind.
Auch heimische E-Commerce- und Kleinanzeigenplattformen wie Trendyol und sahibinden sind prominent vertreten. Nutzerinnen und Nutzer bevorzugen dort offensichtlich nationale Marktplätze gegenüber grenzüberschreitenden Angeboten.
Auf der Umsatzseite unterstreichen lokale Streaming- und Social-Apps wie Tabii, TOD Türkiye und Azar die Bedeutung regionaler Inhalte und kulturell zugeschnittener Plattformen in der türkischen App-Ökonomie.
Was genau erfassen diese Zahlen?
Die Umsatzzahlen geben die gesamten Ausgaben der Verbraucherinnen und Verbraucher an, bevor Apple und Google ihre Plattformgebühren abziehen. Die ausgewiesenen Beträge liegen also rund 30 Prozent über dem, was bei den Entwicklern tatsächlich ankommt.
Die Schätzungen konzentrieren sich auf Ausgaben innerhalb der Apps, etwa für Abos und digitale Inhalte. Zahlungen für physische Waren oder Dienstleistungen – zum Beispiel Uber-Fahrten oder Einkäufe bei Amazon – sind nicht enthalten, einige In-App-Käufe wie Leihfilme oder Abonnements allerdings schon.