Newsletter Newsletters Events Veranstaltungen Podcasts Videos Africanews
Loader
Finden Sie uns
Werbung

Von Baikonur nach Peking: Kasachstan eröffnet neue Horizonte im All

Der Weltraumbahnhof Baikonur in Südkasachstan gilt als erster und bis heute größter Weltraumbahnhof der Welt.
Der Weltraumbahnhof Baikonur in Südkasachstan gilt als erster und größter Raumfahrtstartplatz der Welt. Copyright  Copyright 2018 The Associated Press. All rights reserved
Copyright Copyright 2018 The Associated Press. All rights reserved
Von Tomiris Bilyal
Zuerst veröffentlicht am
Teilen Kommentare
Teilen Close Button

Kasachstan entwickelt sich zu einem regionalen Raumfahrtknoten: Das Land teilt Technologie und Fachwissen, startet mit China den Nanosatelliten Di’er-fünf und bereitet die Rakete Sojus-fünf/Sunkar vor.

Kasachstan und China haben ihren gemeinsamen Nanosatelliten Di’er‑5 (Mission Yao‑8) erfolgreich vom chinesischen Raumfahrtzentrum Jiuquan mit einer Trägerrakete vom Typ Kuaizhou‑11 ins All gebracht.

WERBUNG
WERBUNG

Der Nanosatellit Di’er‑5 entstand an der Al‑Farabi Kasachischen Nationaluniversität in Zusammenarbeit mit der Northwestern Polytechnical University in China.

„Dieser Nanosatellit soll hochpräzise Bewegungs- und Lageregelung sowie Elemente der autonomen Verarbeitung von Erdbeobachtungsdaten erproben“, erklärt Lazzat Abdizhalilova, Studentin der Elektronik und Astrophysik und Mitglied des Entwicklungsteams.

Nach Angaben der Al‑Farabi Kasachischen Nationaluniversität kann der Satellit Fernerkundungsbilder direkt im Orbit erkennen und auswerten, statt sich ausschließlich auf Bodenstationen zu stützen.

„Der Nanosatellit ist auf Geschwindigkeit ausgelegt. Seine hohe Reaktionsfähigkeit ermöglicht eine schnelle Datenübertragung zur Erde. Das macht ihn besonders wertvoll für zeitkritische Anwendungen wie Umweltüberwachung, Katastrophenschutz und Sicherheitsanalysen“, sagt Lazzat Abdizhalilova.

Eine seiner Kernaufgaben ist eine sehr stabile und zugleich flexible Zielverfolgung. So kann der Satellit Objekte im All mit hoher Genauigkeit erfassen und nachführen.

Schon zuvor hatten Studierende und Forschende aus Kasachstan mit den Missionen Al‑Farabi‑1 und Al‑Farabi‑2 praktische Erfahrung gesammelt.

Studierende der Al‑Farabi Kasachischen Nationaluniversität und der chinesischen Northwestern Polytechnical University arbeiten am Nanosatelliten Di’er‑5 (Yao‑8).
Studierende der Al‑Farabi Kasachischen Nationaluniversität und der chinesischen Northwestern Polytechnical University arbeiten am Nanosatelliten Di’er‑5 (Yao‑8). Copyright: Ministry of Science and Higher Education of Kazakhstan

„Die früheren Satelliten dienten vor allem Ausbildung und Forschung. Di’er‑5 ist hingegen Teil einer internationalen experimentellen Mission mit deutlich komplexeren Zielen“, ergänzt Abdizhalilova.

Für kasachische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ist China inzwischen zu einem zentralen Partner für langfristige Kooperationen im All geworden.

„Unser nächster Schritt ist der Start eines neuen Satelliten, der für das Jahr 2026 geplant ist. Kasachstan und China prüfen neue gemeinsame Projekte in der Raumfahrttechnologie – von der Entwicklung wissenschaftlicher Nutzlasten und der Ausbildung von Fachkräften bis zu Vorhaben in Erdbeobachtung und Künstlicher Intelligenz“, sagt Nursultan Meirambekuly, Leiter des Farabi Space Centre for Space Technologies.

Im Juli 2024 schloss sich Kasachstan der russisch‑chinesischen International Lunar Research Station (ILRS) an. Das Land bereitet nun den gemeinsamen Start eines Teleskops im Mondorbit vor und treibt neue Initiativen in Astronomie und Raumfahrttechnologie voran.

Das Fesenkow‑Astrophysikalische Institut Kasachstans führt bereits erste Studien für die Mission durch. Der Start des Mondorbit‑Teleskops ist derzeit für das Jahr 2029 vorgesehen. Eine der wichtigsten praktischen Aufgaben des Teleskops wird es sein, den Raum um den Mond zu überwachen und Weltraumschrott in der Umlaufbahn aufzuspüren.

Die Sternwarte des Fesenkow‑Astrophysikalischen Instituts auf dem Assy‑Turgen‑Plateau in den Bergen bei Almaty.
Die Sternwarte des Fesenkow‑Astrophysikalischen Instituts auf dem Assy‑Turgen‑Plateau in den Bergen bei Almaty. Copyright: Fesenkov Astrophysical Institute

Nach Einschätzung des Kasachischen Instituts für Strategische Studien (KISI) unterstützt China Kasachstan nicht nur technologisch. Es hilft auch institutionell – mit Forschungsstipendien, akademischen Austauschprogrammen und der Ausbildung von Ingenieurinnen und Ingenieuren.

„Gleichzeitig weitet Peking seinen Einfluss stetig aus und verankert eine Raumfahrtkomponente in seiner Belt‑and‑Road‑Initiative (BRI), um seine eigene Raumfahrtindustrie auszubauen und sie stärker mit anderen Staaten zu vernetzen“, sagt Zhadyra Asetkyzy, leitende Expertin der Abteilung für Asienstudien.

Im Rahmen eines techno‑ökonomischen Kooperationsabkommens erhielt Kasachstan im vergangenen Jahr einen Zuschuss von 100 Millionen Yuan (rund zwölf Millionen Euro) zur Förderung seines Raumfahrtsektors.

Wann startet die Sojus‑5/Sunkar‑Rakete für Kasachstan?

Historisch ist Kasachstan eng mit dem russischen Raumfahrtprogramm verbunden, vor allem durch den zu Sowjetzeiten errichteten Kosmodrom Baikonur auf kasachischem Territorium. Die wachsende Aktivität Chinas im All zeigt jedoch, dass Astana sich nicht mehr nur auf einen Partner stützt.

Russland hat die Zahl seiner Orbitalstarts im vergangenen Jahrzehnt deutlich verringert. Im Jahr 2015 waren es 29 Starts, im Jahr 2025 nur noch 17. Gleichzeitig hat sich China nach den Vereinigten Staaten zur zweitaktivsten Weltraumnation entwickelt und im vergangenen Jahr 93 Raketen gestartet.

Kasachstan hält dennoch an der engen Zusammenarbeit mit Russland im All fest. 2021 verlängerte das kasachische Parlament den russischen Pachtvertrag für den Kosmodrom Baikonur bis zum Jahr 2050.

Seit mehr als zwanzig Jahren arbeiten Kasachstan und Russland am gemeinsamen Baiterek‑Weltraumkomplex. Bei seinem Besuch in Russland im vergangenen November unterzeichnete Präsident Tokajew ein Protokoll, das dem Baiterek‑Projekt neuen Schwung geben soll.

Die Sojus‑5/Sunkar‑Rakete im Baiterek‑Weltraumkomplex in Kasachstan.
Die Sojus‑5/Sunkar‑Rakete im Baiterek‑Weltraumkomplex in Kasachstan. Copyright: Aerospace Industry Committee, Ministry of Artificial Intelligence and Digital Development of Kazakhstan

Die Sojus‑5‑Rakete, auch Sunkar genannt, sollte ursprünglich noch vor Ende 2025 starten. Der Start wurde jedoch verschoben. Roskosmos versichert nun, dass der historische Flug Ende März 2026 stattfinden soll.

Kasachstan im Zentrum der regionalen Weltraumkooperation

Kasachstan beherbergt einen der legendärsten Orte der Raumfahrtgeschichte: die Startrampe von Baikonur, von der aus erstmals Menschen die Erde in Richtung All verließen.

Das Land plant keine bemannten Flüge, sondern konzentriert sich auf praktische Raumfahrtprojekte. Dazu gehören Kommunikationssatelliten, Erdbeobachtung, Umweltüberwachung, Sicherheit und Datenerhebung.

Diese Vorhaben machen Kasachstan zunehmend zu einem regionalen Knotenpunkt für Raumfahrttechnologie und Ausbildung, an dem Technologie, Wissen und Talente zusammenkommen.

Zu den Barrierefreiheitskürzeln springen
Teilen Kommentare

Zum selben Thema

Kasachstan gestaltet Weltraumstartplätze aus der Sowjetzeit als Touristenattraktionen neu

Von Baikonur nach Peking: Kasachstan eröffnet neue Horizonte im All

Europas Raumfahrt-Comeback: Ariane 6 bringt 32 Satelliten in den Orbit