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Licht und Schatten: Anthropic-Studie mit 81.000 Menschen zu KI-Wünschen und Ängsten

Studie: Was Menschen an KI lieben, macht ihnen zugleich am meisten Angst
Studie: Menschen fürchten an KI genau das, was sie an ihr am meisten schätzen Copyright  Canva
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Von Pascale Davies
Zuerst veröffentlicht am
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Anthropic befragt 80.000 Menschen zu ihrer Meinung über KI – das Ergebnis: gemischte Gefühle, große Unsicherheit.

Ukrainerinnen und Ukrainer, die im Krieg Trost suchen. Eltern, die dank KI rechtzeitig ihre Kinder abholen können, weil der Arbeitsberg kleiner wird. Und ein Anwalt in Israel, der fürchtet, langsam zu verlernen, selbst zu denken. Anhand solcher Beispiele hat Anthropic herausgearbeitet, was sich Menschen von KI erhoffen – und wovor sie sich fürchten.

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Das KI-Unternehmen befragte mehr als 80.000 Menschen (Quelle auf Englisch) in 159 Ländern. Nach eigenen Angaben ist es das größte qualitative Forschungsprojekt dieser Art.

Die wichtigste Erkenntnis der Studie ist unbequem: Nutzerinnen und Nutzer erleben eine Art innere Zerrissenheit. Das, was sie an KI am meisten schätzen, ist oft genau das, was ihnen zugleich Angst macht.

Anthropic nennt das das „Licht-und-Schatten-Problem“. Viele Menschen nutzen KI als emotionale Stütze. Gleichzeitig sind sie laut Studie dreimal so häufig besorgt, davon abhängig zu werden.

Viele Befragte beschrieben KI ausdrücklich als emotionale Unterstützung – etwa nach dem Tod eines Elternteils oder in Extremsituationen wie einem Krieg.

„Ich bin stumm, und wir haben gemeinsam dieses Text-zu-Sprache-Programm gebaut – ich kann fast in Echtzeit mit Freundinnen und Freunden kommunizieren, ohne dass sie Zeit mit Lesen verbringen müssen. Etwas, wovon ich geträumt und gedacht habe, es sei unmöglich“, sagte ein Angestellter in der Ukraine.

Der Bericht zeigt: Ein wichtiger Einsatzbereich ist der Arbeitsplatz. Viele nutzen KI, um Routineaufgaben zu automatisieren. So wollen sie Zeit für andere, wichtigere Aufgaben gewinnen. Auf Nachfrage sagten viele jedoch, der eigentliche Gewinn sei mehr Zeit mit der Familie.

Gleichzeitig bleibt die Technologie ein zweischneidiges Schwert. Viele Menschen fürchten, geistige Fähigkeiten zu verlieren.

„Ich nutze KI, um Verträge zu prüfen, Zeit zu sparen ... und gleichzeitig habe ich Angst: Verliere ich meine Fähigkeit, selbst zu lesen? Denken war die letzte Bastion“, schrieb ein Studienteilnehmer, der als Anwalt arbeitet.

Besonders stark spüren Juristinnen und Juristen diese Ambivalenz. Fast die Hälfte von ihnen hat bereits persönlich erlebt, dass KI unzuverlässig ist. Gleichzeitig berichten sie im Vergleich zu anderen Berufsgruppen am häufigsten von besseren Entscheidungen dank KI.

Rund elf Prozent der Befragten gaben an, keinerlei Angst vor KI zu haben. Die übrigen 89 Prozent nannten vor allem fünf Sorgen.

Die größte betrifft die Zuverlässigkeit der Systeme: Rund 27 Prozent befürchten, dass KI schlechte oder falsche Entscheidungen trifft. Nur 22 Prozent sehen verbesserte Entscheidungsfindung als Vorteil.

An zweiter Stelle steht die Angst vor den Folgen für Jobs und Wirtschaft (22 Prozent), etwa durch stagnierende Löhne und wachsende Ungleichheit. Ebenfalls 22 Prozent fürchten, dass KI Entscheidungen ohne menschliche Kontrolle trifft und Menschen in eine passive Rolle drängt. Als vierte Sorge nannten 16 Prozent den Verlust der Fähigkeit zum kritischen Denken. 15 Prozent befürchten fehlende Regulierung und unklare Verantwortlichkeit, wenn etwas schiefgeht.

Geteilte Welt: Einstellungen zu KI gehen auseinander

Weltweit blicken 67 Prozent der Befragten positiv auf KI. Doch die Stimmung unterscheidet sich deutlich zwischen den Regionen.

In Nordamerika, Westeuropa und Ozeanien sorgen sich Nutzerinnen und Nutzer besonders um Regelungslücken, fehlende Regulierung und Überwachung.

In Subsahara-Afrika, Lateinamerika und Südasien überwiegt dagegen der Optimismus. Dort sehen viele in KI einen wirtschaftlichen Gleichmacher, der den Start in eigene Unternehmen erleichtert und den Zugang zu Bildung vereinfacht.

„Ich lebe in einem technologisch benachteiligten Land und kann mir viele Fehlversuche nicht leisten. Mit KI habe ich gleichzeitig ein professionelles Niveau in Cybersicherheit, UX-Design, Marketing und Projektmanagement erreicht. Sie ist ein Gleichmacher“, sagte ein Nutzer in Kamerun.

In Nordamerika, Westeuropa und Ozeanien sorgen sich Nutzerinnen und Nutzer jedoch besonders um Regelungslücken, fehlende Regulierung und Überwachung.

In Ostasien spielt die Frage, wer KI kontrolliert, laut Studie eine geringere Rolle. Dort dominiert die Sorge, dass die Technologie zu geistiger Verkümmerung führt.

Der generelle Trend: In wohlhabenderen Ländern, in denen KI bereits im Arbeitsalltag angekommen ist, wächst die Angst, dass die Technologie Jobs ersetzt – erste Effekte sind für viele schon sichtbar. In ärmeren Staaten ist diese Sorge geringer, weil KI in vielen Betrieben noch kaum genutzt wird und drängendere wirtschaftliche Probleme im Vordergrund stehen.

Anthropic erklärte, die Ergebnisse sollten in die weitere Entwicklung des Chatbots Claude einfließen.

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