Es ist der dritte gescheiterte Anlauf: Isar Aerospace muss den Start seiner "Spectrum"-Rakete erneut verschieben. Der Anspruch war hoch: Schneller als SpaceX von Elon Musk zu sein – dort waren vier Versuche nötig. Nun wächst der Druck. Der nächste Start könnte entscheidend sein.
Während die Welt gespannt auf die Rückkehr der Artemis-2-Crew vom Mond blickt, kommt die deutsche Raumfahrt nicht vom Boden: Das Münchner Raumfahrtunternehmen Isar Aerospace hat seinen geplanten Raketenstart am Donnerstag erneut verschieben müssen.
Zunächst deutete vieles auf einen erfolgreichen Versuch hin: Die Wetterbedingungen waren günstig, auch der Wind spielte diesmal am norwegischen Weltraumbahnhof Andøya mit. Am Ende machte jedoch ein Leck in einem Druckbehälter den Versuch zunichte, die "Spectrum"-Rakete endlich in den Orbit zu bringen.
Trotz der erneuten Verzögerung zeigte sich Unternehmenschef Daniel Metzler zuversichtlich. Startabbrüche seien in der Raumfahrtbranche nicht ungewöhnlich. Jeder gescheiterte Versuch liefere zudem wichtige Erkenntnisse und bringe das Team dem Ziel eines erfolgreichen Starts näher.
Mehrere gescheiterte Anläufe
Es ist bereits der dritte Versuch des Unternehmens, seine Rakete zu starten.
Der erste Testflug Ende März 2025 dauerte nur etwa 30 Sekunden. Danach wurde die Mission abgebrochen, die Rakete stürzte kontrolliert ins Meer. Ein weiterer Start war ursprünglich für den 21. Januar geplant, musste jedoch aufgrund ungünstiger Wetterbedingungen verschoben werden.
Beim dritten Anlauf am 19. März 2026 lag die Ursache dann weder an der Technik noch am Wetter: Ein norwegischer Fischer hatte die maritime Sicherheitszone rund um den Startplatz nicht rechtzeitig verlassen. Der Countdown wurde daraufhin gestoppt.
Isar Aerospace hatte sich ursprünglich vorgenommen, die "Spectrum"-Rakete schneller zur Einsatzreife für die kommerzielle Raumfahrt zu bringen als die US-Firma SpaceX von Elon Musk. Deren erste Rakete benötigte einst vier Anläufe, bevor sie erfolgreich abhob.
Der nächste Versuch dürfte damit der Entscheidende sein. Und der soll nach Angaben des Geschäftsführers Metzler auch nicht lange auf sich warten lassen: "Wir werden bald wieder startbereit auf der Startrampe stehen", sagte er nach dem gescheiterten Versuch am Donnerstag.
Strategisches Ziel: europäische Unabhängigkeit
Private Unternehmen wie Isar Aerospace arbeiten aktuell daran, Europa im All unabhängiger zu machen.
Die strategische Autonomie hat in den vergangenen Jahren deutlich an Bedeutung gewonnen. Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine hat Europas Verwundbarkeit bei Energieimporten offengelegt. Zugleich haben sicherheitspolitische Spannungen, insbesondere im Verhältnis zu den USA, die Debatte weiter verstärkt.
Der Weltraum spielt dabei eine Schlüsselrolle: Satelliten sind unverzichtbar für Kommunikation, Navigation und sicherheitsrelevante Infrastruktur. Entsprechend verfolgt die Europäische Union das Ziel, eigene Startkapazitäten auszubauen und sich unabhängiger aufzustellen.
Isar Aerospace ist Teil dieser Strategie. Das Münchner Unternehmen erhielt im vergangenen Jahr Aufträge von der EU sowie von der European Space Agency (ESA). Geplant sind Missionen, bei denen Satelliten eines niederländischen und eines französischen Unternehmens in die Umlaufbahn gebracht werden sollen.
Vertrag für Mission zur Weltraummüll-Entfernung
Ungeachtet der Verzögerungen bei den Starts kann das Unternehmen bei den Aufträgen Fortschritte vorweisen. Kürzlich unterzeichnete Isar Aerospace einen Startvertrag mit der britischen Tochter des Unternehmens Astroscale.
Die Vereinbarung sieht vor, dass Astroscale die "Spectrum"-Trägerrakete vom Startplatz am norwegischen Weltraumbahnhof Andøya nutzen wird. Geplant ist eine Mission im Bereich der kommerziellen In-Orbit-Wartung, insbesondere zur Entfernung von Weltraummüll.