Palantir-Manifest sorgt für Streit: KI-Waffen, Wehrpflicht und Gerede über 'minderwertige Kulturen' im Fokus
Der US-Technologiekonzern Palantir sorgt mit einer Reihe provokanter Thesen für Aufsehen. Das Unternehmen fordert etwa einen verpflichtenden Nationaldienst, spricht Tech-Firmen eine moralische Pflicht zur Unterstützung des Militärs zu und deutet an, manche Kulturen seien anderen unterlegen.
Der Beitrag auf X (Quelle auf Englisch) wird von Kritikern als Manifest mit zweiundzwanzig Punkten bezeichnet und hat online heftige Reaktionen ausgelöst. Das Unternehmen selbst nennt den Beitrag ein „Briefing“ zu dem Buch „The Technological Republic“ von Palantir-Chef Alex Karp und dem Leiter der Unternehmenskommunikation Nicholas Zamiska.
„Einige Kulturen haben entscheidende Fortschritte hervorgebracht, andere sind weiterhin dysfunktional und rückständig“, schrieb Palantir am Wochenende in dem Beitrag (Quelle auf Englisch) auf X. Das Unternehmen forderte zudem ein Ende der von ihm so genannten „postwar neutering“ Deutschlands und Japans und warb für mehr Religion im öffentlichen Leben.
Das Tech-Portal Engadget schrieb, der Beitrag lese sich „wie das Geschwafel eines Comic-Bösewichts“.
In dem „Manifest“ ist außerdem von einer Zukunft die Rede, in der autonome Waffen dominieren. „Die Frage lautet nicht, ob KI-Waffen gebaut werden, sondern wer sie baut und zu welchem Zweck“, hieß es in dem Palantir-Beitrag.
Der griechische Ökonom und frühere Finanzminister Yanis Varoufakis reagierte auf X mit den Worten: „KI-gesteuerte Killerroboter kommen.“
Auch die britische Abgeordnete Victoria Collins kritisierte den Text: „Palantirs ‚Manifest‘ klingt wie das Geschwafel eines Superschurken.“
„Ein Unternehmen mit derart offenen ideologischen Motiven und so wenig Respekt vor der demokratischen Rechtsstaatlichkeit darf nichts mit unseren öffentlichen Diensten zu tun haben“, zitierte sie der „Guardian“.
Palantir Technologies gehört zu den größten Datenanalysefirmen der Welt und arbeitet für Regierungen, Streitkräfte und Unternehmen in vielen Ländern. Das Unternehmen hat auch einen Vertrag mit dem britischen Gesundheitsdienst NHS.
Karp gründete Palantir im Jahr 2003 zusammen mit dem Milliardär Peter Thiel. Der Konzern pflegte enge Kontakte zur Regierung von Donald Trump und arbeitete mit dem US-Militär sowie der Einwanderungs- und Zollbehörde ICE zusammen.
„Palantir verkauft Einsatzsoftware an Militär, Geheimdienste, Einwanderungsbehörden und die Polizei“, schrieb Eliot Higgins, Chef des Recherchenetzwerks Bellingcat, auf der Plattform Bluesky.
„Diese zweiundzwanzig Punkte sind keine Philosophie im luftleeren Raum, sondern die öffentliche Ideologie eines Unternehmens, dessen Umsatz von genau der Politik abhängt, für die es wirbt“, fügte er hinzu.