Elon Musk wirft einem OpenAI-Anwalt irreführende Fragen vor, die ihn und die Geschworenen täuschen sollen. Der Prozess gegen den ChatGPT-Entwickler läuft am dritten Tag.
Zwischen Elon Musk und dem Anwalt von OpenAI kam es am Donnerstag zu einem heftigen Schlagabtausch, als der Rechtsstreit des Tech-Milliardärs mit den Machern von ChatGPT in den dritten Verhandlungstag ging.
Im Zentrum des Prozesses steht Musks Vorwurf, OpenAI habe seine ursprüngliche Mission aufgegeben und sich in ein gewinnorientiertes Unternehmen verwandelt.
Die Anwälte von OpenAI weisen Fehlverhalten zurück. Sie hatten schon zuvor erklärt, Musk wolle mit seiner Klage das rasante Wachstum des Unternehmens bremsen und Musks eigenes Unternehmen xAI stärken, das er 2023 gegründet hat.
In der Verhandlung am Donnerstag befragte der OpenAI-Anwalt William Savitt Musk zu einer früheren Aussage, in der dieser erklärt hatte, OpenAI verstoße nicht zwangsläufig gegen seine Gründungsprinzipien, wenn die Gewinne der Investoren gedeckelt seien.
„Es hängt davon ab, wie hoch die Deckelung ist“, antwortete Musk. Savitt entgegnete darauf: „Das war doch gestern nicht Ihre vollständige Antwort, oder?“ Musk sagte: „Nur wenige Antworten sind vollständig, vor allem, wenn Sie mich ständig unterbrechen.“
Er ergänzte, sei die Grenze „sehr hoch“, sei OpenAI „in Wahrheit ein gewinnorientiertes Unternehmen“.
Richterin Yvonne Gonzalez Rogers stellte auch Musks Anwaltsteam zur Rede, weil der Milliardär nun selbst ein Unternehmen im selben Bereich aufbaut.
„Ihr Mandant baut trotz dieser Risiken ein Unternehmen auf, das exakt in demselben Bereich tätig ist“, sagte sie zu Musks Anwälten.
Savitt fragte Musk auch nach seinen anderen Firmen, darunter Tesla, SpaceX, Neuralink und X, und ob all diese Unternehmen gewinnorientiert arbeiten. Musk bejahte dies und sagte, er halte jedes dieser Unternehmen für „gesellschaftlich nützlich“.
Daraufhin wollte Savitt wissen, warum Musk in den acht Jahren seit seinem Ausscheiden bei OpenAI kein eigenes Non-Profit-Unternehmen gegründet hat.
„Ich dachte, ich hätte mit OpenAI eine gemeinnützige Organisation gegründet, aber sie haben sie mir weggenommen“, antwortete Musk. Das sei „die ganze Grundlage dieser Klage“.
Musk warf Savitt vor, irreführende Fragen zu stellen, um ihn und die Geschworenen hereinzulegen.
Er verwies außerdem auf die Terminator-Filme, als es um künstliche Intelligenz und die Zukunft der Menschheit ging. Richterin Rogers mahnte beide Seiten, den Prozess nicht zu einer Grundsatzdebatte über die existenziellen Risiken von KI zu machen.
„Die Menschen wollen die Zukunft der Menschheit nicht in die Hände von Herrn Musk legen“, sagte sie.
„Dies ist kein Prozess über die Sicherheitsrisiken künstlicher Intelligenz. Dies ist kein Prozess darüber, ob KI der Menschheit geschadet hat oder nicht“, fügte sie hinzu.
Der Prozess vor einem Bundesgericht im kalifornischen Oakland in den Vereinigten Staaten soll bis Ende Mai weitergehen. Richterin Rogers entließ Musk am Donnerstag aus dem Zeugenstand, er könnte aber erneut geladen werden.
Musk war anfangs der größte private Geldgeber der ChatGPT-Entwickler. Er steuerte mehr als 44 Millionen Dollar (38 Millionen Euro) zu dem damaligen Start-up bei.