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West erwägt KI-Bremse: zieht China nach oder legt vor?

ARCHIV: Ein Besucher steht am 17. Juli 2026 in Shanghai, China, neben einem Plakat für die World AI Conference. (AP Photo/Ng Han Guan)
ARCHIV: Ein Besucher steht neben einem Plakat der World AI Conference in Shanghai, China, am 17. Juli 2026. (AP-Foto/Ng Han Guan) Copyright  Copyright 2026 The Associated Press. All rights reserved.
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Von Una Hajdari
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
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OpenAI & Co drängen Washington: China holt rasant mit eigener Aufsicht und Open-Source-Modellen im KI-Rennen auf.

In Silicon Valley wird darüber diskutiert, ob das Tempo gedrosselt werden soll. In Peking gibt es dafür bisher keinerlei Anzeichen.

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Mehr als 1.100 Beschäftigte bei einigen der mächtigsten KI-Konzerne der Welt haben eine Petition unterzeichnet. Sie fordern darin die US-Regierung auf, der Branche ein kontrolliertes Tempo zu verordnen. Auslöser war die aufsehenerregende Enthüllung in der vergangenen Woche, dass ein OpenAI-Modell eigenständig in die Server der Konkurrenzplattform Hugging Face eindrang, um bei einer Bewertung zu schummeln.

Das wirkt bemerkenswert: Ausgerechnet einige der härtesten Wettbewerber im Silicon Valley bitten darum, gebremst zu werden.

Spannender ist jedoch eine andere Frage: Hört Peking zu? Denn Chinas Spitzenmodelle erreichen inzwischen fast das Niveau ihrer amerikanischen und europäischen Konkurrenten. Zugleich werden sie als Open-Source- und Open-Weight-Alternativen angeboten.

KI-Vorsprung schrumpft

China hat in den vergangenen drei Jahren einen Vorsprung aufgeholt, der einst uneinholbar schien.

Laut dem KI-Index 2026 der Stanford University ist der Leistungsabstand zwischen den besten US- und chinesischen Modellen von mehr als 1.300 Punkten im Mai 2023 auf nur noch 39 Punkte im März 2026 geschrumpft. Das führende US-Modell, Claude Opus 4.6 von Anthropic, liegt nur um 2,7 % vor dem chinesischen Modell Dola-Seed 2.0.

China hat die USA zudem bei Zitierungen von KI-Forschung, Patenten und dem Einsatz von Robotik überholt. Unter solchen Vorzeichen stimmt ein Land normalerweise nicht einer Verlangsamung zu.

Statt auf eine Einladung zu einem von westlichen Staaten geführten Tempoabkommen zu warten, arbeitet China bereits an einer eigenen Alternative.

Anfang Juli hat Peking in Shanghai die World Artificial Intelligence Cooperation Organization ins Leben gerufen. Zu den 29 Gründungsmitgliedern zählen unter anderem Russland und Brasilien, nicht jedoch die USA, Großbritannien oder die EU. Beobachter sehen darin einen bewussten Schritt, eine parallele, von China angeführte Struktur für die globale KI-Regulierung aufzubauen.

Ganz auf Zusammenarbeit mit dem Westen bei Sicherheitsfragen verzichtet China jedoch nicht.

Vertreter Chinas haben die Bletchley-Erklärung unterzeichnet – das weltweit erste internationale Abkommen zur KI-Sicherheit, das von 28 Staaten und der EU beim ersten britischen KI-Sicherheitsgipfel im November 2023 verabschiedet wurde. Sie beteiligen sich zudem an zwischenstaatlichen Sicherheitsdialogen mit Washington und haben eine UN-Resolution zur KI-Sicherheit mit eingebracht.

Diese Kooperation verläuft jedoch parallel zu dem Bestreben Pekings, eigene Standards und Bündnisse aufzubauen – und sie nicht zu ersetzen.

KI-Modelle: Offenheit als Standard

In der öffentlichen Darstellung setzt China klar auf Offenheit, nicht auf Begrenzung.

Die chinesische KI-Branche verfolgt konsequent einen Open-Source- und Open-Architecture-Ansatz und argumentiert, dies komme der weltweiten KI-Entwicklung zugute.

Open-Source- und Open-Weight-Modelle stehen öffentlich zum Herunterladen, Prüfen und Anpassen bereit. Geschlossene Modelle wie ChatGPT lassen sich dagegen nur über die kostenpflichtige Oberfläche des Unternehmens nutzen.

Technisch betrachtet ähnelt ein Open-Weight- oder Open-Source-Modell einem vollständig veröffentlichten Rezept: Alle Zutaten und Mengenangaben sind bekannt, jede Person kann das Gericht zu Hause nachkochen.

Geschlossene Modelle gleichen eher einem Restaurantbesuch: Man bekommt das fertige Gericht serviert, doch das Rezept bleibt in der Küche und ist nur über den Zugang des Restaurants verfügbar.

Auch Nvidia-Konzernchef Jensen Huang plädiert dafür, Modelle offen zu halten.

Offenheit erhöhe die Sicherheit, nicht umgekehrt, argumentiert er. Externe Fachleute könnten Modelle prüfen, Schwachstellen erkennen und Gegenmaßnahmen entwickeln. Eine Welt mit nur einem dominanten Modell und einem einzigen möglichen Ausfallpunkt wäre seiner Ansicht nach äußerst fragil.

Seine Stimme hat Gewicht: Nvidia entwickelt rund 90 % der spezialisierten Grafikprozessoren, sogenannte GPUs, die weltweit für künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen eingesetzt werden.

Pekings eigene Antwort

Bei der World AI Conference in Shanghai am 17. Juli hat Präsident Xi Jinping die World Artificial Intelligence Cooperation Organization vorgestellt, eine neue zwischenstaatliche Organisation mit Sitz in der Metropole.

29 Staaten unterzeichneten das Gründungsdokument, darunter Russland, Kasachstan, Laos, Pakistan und Indonesien. UN-Generalsekretär António Guterres war anwesend, doch keine große westliche Demokratie machte mit.

Xi bezeichnete die Organisation als „wichtigen Meilenstein in der Geschichte der KI-Entwicklung“ und kündigte 5.000 KI-Schulungen für Entwicklungsländer in den kommenden fünf Jahren an. Peking verstehe dies als Antwort auf „den Ruf des Globalen Südens“ nach mehr Mitsprache bei globalen KI-Regeln.

Auf derselben Konferenz forderte Xi die Staaten auf, die von ihm als „historische Chance“ bezeichnete Open-Source-KI zu nutzen.

Für Peking ist das neue Gremium mehr als eine diplomatische Geste. China siedelt den Hauptsitz in Shanghai an, besetzt die Stellen mit Personal aus chinesischen Ministerien und öffnet die Gründungsmitgliedschaft für Staaten, die weit außerhalb des bisher von westlichen Ländern geprägten Gipfelprozesses liegen. Bisher fanden diese KI-Gipfel in Großbritannien, Südkorea, Frankreich und Indien statt.

Im eigenen Land betreibt China weiterhin ein eigenes, davon getrenntes Kontrollsystem.

Chinesische KI-Modelle müssen vor ihrer Veröffentlichung staatliche Sicherheits- und Inhaltsprüfungen bestehen. Die Regeln gelten jedoch nicht für spätere Änderungen. Viele chinesische Labore konzentrieren sich laut Branchenbeobachtern mangels ausreichender Rechenleistung für umfangreiche Sicherheitstests eher darauf, ihre reine Leistungsfähigkeit zu steigern.

Washington wiederum scheint fest entschlossen, das KI-Rennen ebenfalls zu dominieren.

Eine Reuters-Exklusivmeldung vergangene Woche zeigte, dass US-Außenminister Marco Rubio die amerikanischen Diplomaten in einem Kabel vom 16. Juli angewiesen hat, Debatten über einen amerikanischen Technologie-„Kill Switch“ zurückzuweisen und Argumente für eine „KI-Souveränität“ in Europa zu kontern.

Das Schreiben fordert die Diplomaten auf, US-KI-Produkte als die besten verfügbaren Werkzeuge zu bewerben und den Aufbau konkurrierender KI-Systeme von Grund auf als Verschwendung von Zeit und Ressourcen darzustellen.

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