Loader
Finden Sie uns
Werbung

Boom bei Retro-Computern: KI-Welle verändert Tech-Welt

Softwareentwickler Josh Dersch zeigt einen von ihm restaurierten Xerox Alto aus den 1970ern auf dem Vintage Computer Festival in Mountain View am 2. August 2026.
Softwareingenieur Josh Dersch zeigt seinen restaurierten Xerox-Alto-Computer aus den 1970er-Jahren beim Vintage Computer Festival in Mountain View am 2. August 2026. Copyright  AP Photo
Copyright AP Photo
Von Angela Barnes
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
Teilen Kommentare Euronews bei Google hinzufügen
Teilen Close Button

KI treibt die Welt in die Zukunft. Sammler historischer Computer erhalten die Maschinen, die den Beginn des digitalen Zeitalters prägten.

Softwareentwickler Josh Dersch schätzt, dass in seinem Haus in Seattle mehr als 200 alte Computer und Geräte stehen. Sie sind Teil eines wachsenden Sammeltrends, der inzwischen auch Europa erreicht.

WERBUNG
WERBUNG

„Es hat mich immer fasziniert zu sehen, wo Dinge ihren Ursprung haben“, sagte Dersch. „Es ist eine spannende Aufgabe, Fehler zu suchen und zu reparieren. Man kann das gesamte System von oben bis unten verstehen.“

Dersch gehört zu einer wachsenden Gemeinschaft von Sammlern, die klassische Computer bewahren, mit denen die digitale Revolution begann. In Silicon Valley arbeiten Unternehmen heute an der Zukunft der künstlichen Intelligenz. Die Hardware-Fans wollen dagegen Atari-, Commodore- und IBM-Rechner retten, die die Vorfahren heutiger Laptops, tragbarer Geräte und Smartphones sind.

Wo andere nur Schrott sehen, erkennen Menschen wie Dersch Zeugnisse der Computergeschichte, die Aufmerksamkeit und Respekt verdienen. Sie freuen sich über die Pieptöne und Melodien ihrer Kindheit und starten gern noch einmal ein pixeliges Spiel wie „Pong“ oder „Space Invaders“.

„Die Begeisterung für die Geschichte der Computer und alles, was dazugehört, wächst“, sagte Erik Klein, Präsident der Vintage Computer Federation, die jedes Jahr ein Festival im Computer History Museum in Mountain View im Herzen des Silicon Valley organisiert.

Vintage-Computermessen bringen Sammler zusammen

Mehr als 3.500 Menschen kamen Anfang August zu dem zweitägigen Vintage Computer Festival, das den 50. Jahrestag von Apple feierte. Das Unternehmen wurde 1976 im nahegelegenen Cupertino im US-Bundesstaat Kalifornien gegründet. Auf dem Programm stand auch eine Diskussionsrunde mit den Mitgründern Steve Wozniak und Ronald Wayne, die sich an die Anfangszeit des Unternehmens als kleines Start-up unter der Leitung des inzwischen verstorbenen Steve Jobs erinnerten.

Inzwischen gibt es in Städten in Nordamerika, Südamerika und Europa mehr als zwölf ähnliche Treffen.

Das wachsende Interesse zeigt sich auch auf Online-Marktplätzen, sagte Klein. Seltene, ikonische Rechner wie der Apple-1 – das erste Produkt des Unternehmens – erzielen dort Preise von mehreren Hunderttausend Euro.

Sammler stellten Computersysteme aus, die sie mühsam wieder in ihren ursprünglichen funktionsfähigen Zustand versetzt haben. Besucher konnten an den Rechnern arbeiten, die lange vor Internet, sozialen Medien und KI entwickelt wurden.

„Großvater des modernen Computers“ wird restauriert

Dersch fuhr von Seattle zum Festival, um das Herzstück seiner Sammlung zu zeigen: den Xerox Alto. Er hat jahrelang an der Restaurierung des Geräts gearbeitet, das viele als „Großvater des modernen Computers“ betrachten. Der Rechner entstand in den 1970er-Jahren im wegweisenden Forschungszentrum Xerox Palo Alto Research Center.

Der Alto gehörte zu den ersten Computern, die mehr als nur Text auf dem Bildschirm darstellten. Er nutzte eine Maus und eine grafische Benutzeroberfläche mit Fenstern, Symbolen und Cursor. Diese Elemente wurden später zum Branchenstandard. Das Modell inspirierte bekanntlich Steve Jobs und Bill Gates, die die Technologien in ihre frühen Produkte einbauten.

Klein, Software-Engineering-Manager im Silicon Valley, sammelte selbst leidenschaftlich alte Computer, bis das Hobby sein Zuhause und das Familienleben dominierte. Zeitweise besaß er bis zu 150 Computersysteme samt Zubehör, Dokumentation und Verpackung, die Schränke und die Garage füllten.

Seine geliebte Sammlung sei zu einem „Albatros“ geworden, erzählte er. Er habe Angst gehabt, seiner Familie damit zur Last zu fallen. Also begann er, seine Geräte zu verkaufen oder zu verschenken, bis nur noch einige Lieblingsstücke bei ihm zu Hause übrig blieben.

Ähnliche Sammlertreffen breiten sich nach Europa aus

Heute steckt Klein seine Leidenschaft für alte Computer in die Organisation von Festivals, Reparaturworkshops, Tauschbörsen und anderen Veranstaltungen als Präsident der Vintage Computer Federation.

„Es geht darum, diese Geschichte bekannt zu machen und dieses Hobby zu verbreiten – das Pflegen, Sammeln und Nutzen der alten Technik“, sagte Klein.

Sellam Ismail freut sich, dass die Sammlergemeinschaft seit dem ersten Festival reifer geworden ist. Er organisierte die Premiere 1997 und lockte damals rund 150 Hobbyisten in einen Veranstaltungsort östlich von San Francisco. Zehn Jahre lang leitete er die Treffen.

Später gründete er gemeinsam mit anderen die Vintage Computer Federation, die Festivals in den USA und Kanada veranstaltet. Ismail unterstützte weitere Gruppen dabei, ähnliche Treffen in Argentinien, Deutschland und der Schweiz aufzubauen.

„Die Community ist erwachsen geworden. Immer mehr Menschen haben sich alte Computer zugelegt und angefangen, sie zu sammeln“, sagte Ismail, der früher eine riesige Sammlung in einem Lagerhaus unterbrachte. „Nächstes Jahr feiern wir das 30-jährige Jubiläum. Und ich rechne damit, dass das weitergeht und noch größer wird.“

Weitere Quellen • AP

Zu den Barrierefreiheitskürzeln springen
Teilen Kommentare Euronews bei Google hinzufügen

Zum selben Thema

Neue KI-Regeln: Chinesische Nutzer trauern um virtuelle Partner

So filmen und fotografieren Sie die Sonnenfinsternis, ohne die Handykamera zu ruinieren

Dänemark verschärft Regeln für Oberstufenschüler gegen KI-Betrug