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Massenansturm auf die Akropolis: Athens Wahrzeichen wird überrannt

Sehen die Antike vor lauter Handys nicht: Touristen auf der Akropolis
Sehen die Antike vor lauter Handys nicht: Touristen auf der Akropolis Copyright LOUISA GOULIAMAKI/AFP or licensors
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Von Euronews mit AFP
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Auf die Akropolis klettern und ... Schlange stehen. Viele Touristen sind gefrustet von den lagen Wartezeiten - und den vielen anderen Touristen. Verliert Athen die Kontrolle über seine beliebteste Touristenattraktion?

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Die Akropolis in Athen, UNESCO-Weltkulturerbe und von Touristen aus aller Welt heiß geliebt, erlebt in diesen Tagen einen sprunghaften Anstieg der Besucherzahlen. Das lässt Schlimmstes für diesen Sommer befürchten, sollten nicht Maßnahmen zur Eindämmung der Besucherströme ergriffen werden.

"Wir hatten nicht mit so vielen Touristen im Juni gerechnet, wir dachten, der Höhepunkt würde im Juli erreicht", sagte Jackie Zachary, eine australische Touristin, erstaunt. 

"Die Akropolis ist wunderschön, aber die Anzahl der Menschen ist überwältigend", bestätigt Caroline Kutek, eine 30-jährige Besucherin aus den USA.

Tatsächlich ist die Zahl der Besucherinnen und Besucher nach zwei durch die Covid-Pandemie eingeschränkten Jahren und einem übersichtlichen Wiedereinstieg 2022 zu Beginn der aktuellen Saison in die Höhe geschnellt.

Im Mai kamen zwischen 14.000 und 17.000 Menschen pro Tag, um den Parthenon-Tempel auf dem Gipfel der Akropolis zu bewundern, so die Organisation für die Verwaltung der archäologischen Ressourcen (ODAP).

Ein rasanter Anstieg von bis zu 70% im Vergleich zum Mai 2022. Seit April habe die durchschnittliche Anzahl der Besucher pro Tag das Niveau vom August 2022 erreicht, üblicherweise der eigentliche "Höhepunkt" der Touristensaison in Griechenland.

2023: Das Jahr des "Übertourismus"

Nach Jahren der wirtschaftlichen Unsicherheit infolge des Finanzdebakels setzt Griechenland voll und ganz auf den Tourismus, einen Sektor, der fast ein Viertel des BIP ausmacht.

Branchenexperten hoffen, dass 2023 das Rekordergebnis von 2019, 31,3 Millionen Touristen, übertreffen wird. Konsequenz: Die Saison beginnt in Griechenland immer früher. Und Besucher der berühmten antiken Stätte müssen sich in Geduld üben, selbst wenn sie ihre Eintrittskarte gelöst haben.

Denn am Ende der Treppe zu den Propyläen, dem Monument am Haupteingang des der Göttin Athena gewidmeten Heiligtums, wartet eine zweite Schlange auf sie.

Oft stehen die Besucher an den Propyläen so dicht gedrängt, dass die Wächter den Einlass für eine gewisse Zeit unterbrechen müssen, damit der Platz frei wird, räumt Ilias Patsarouhas von der Organisation für die Verwaltung der archäologischen Ressourcen ein.

Der Andrang ist besonders groß, wenn die Passagiere der vielen Kreuzfahrtschiffe, die durch die Ägäis und das Ionische Meer schippern, im Hafen von Piräus anlegen und an Land gehen.

"Das sind zwischen 2.000 bis 3.000 Menschen (pro Kreuzfahrtschiff) und die Leute warten über eine Stunde, um eingelassen zu werden", empört sich Ioannis Mavrikopoulos, der seit dreißig Jahren die Anlage bewacht.

Dichtes Gedränge auf dem Hügel

Das Gedränge sorgt für Unmut unter den Touristen, die nicht mehr und nicht weniger als das "außergewöhnlichste architektonische und künstlerische Ensemble zu bewundern, das das antike Griechenland dem Rest der Welt hinterlassen hat", wie die UNESCO es ausdrückt.

"Auf der Spitze des Hügels drängen sich die Menschen, verlieren sich gegenseitig und müssen lange Minuten warten, um die Denkmäler zu besichtigen", beklagt Touristin Caroline Kutek.

"Die Infrastruktur ist nicht geeignet" für eine so große Anzahl von Besuchern, betont auch der Akropolis-Wächter Ioannis Mavrikopoulos.

Die NGO World Heritage Watch (WHW) hält es für unerlässlich, "einen Managementplan und einen Tourismusplan" für die Akropolis zu erstellen, wie ihr Vorsitzender Stephan Doempke gegenüber der französischen Nachrichtenagentur AFP erklärt.

Er prangert "übermäßigen Tourismus seit vielen Jahren" an, der die antike Stätte schwächt. Sie sei in Gefahr, wenn nichts unternommen werde.

Das griechische Kulturministerium genehmigte vor zwei Jahren umstrittene Restaurierungsarbeiten auf der Akropolis, zu denen auch der Bau eines neuen Betonstegs gehörte.

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Das Ministerium verteidigte die Neugestaltung mit der Begründung, sie verbessere den Zugang für Rollstuhlfahrer und verringere das Unfallrisiko. Stephan Doempke kritisierte jedoch, dass die Modernisierungsmaßnahmen darauf abzielten, die Touristenzahlen zu erhöhen, und daher "völlig unverantwortlich" gewesen seien.

Man denke darüber nach, Zeitfenster für Besuche von Gruppen und Einzeltouristen einzuführen, heißt es seitens des Kulturministeriums. Ziel sei es, sie in der nächsten Touristensaison einzuführen.

Sollte die Akropolis dem diesem Jahr zu erwartenden Rekordansturm standhalten...

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