Mehr als 20.000 Einsendungen. Eine internationale Jury kürte die besten Bilder der Reisefotografie aus den vergangenen zwölf Monaten.
Seit es Smartphones gibt, knipsen wir alle wie Nachwuchs-Fotografen, vor allem im Urlaub. Doch um ein Reiseziel wirklich einzufangen, braucht es echtes Können.
In den richtigen Händen liefert eine Kamera Einblicke in einen bestimmten Ort und Moment. Reisefotografie hat über die Jahre sicher viele dazu gebracht, einen Flug in ferne Länder zu buchen.
Nach mehr als 20.000 Einsendungen von Fotografen aus 160 Ländern führen die diesjährigen Siegerbilder des Wettbewerbs Travel Photographer of the Year von der Karwoche in Zamora bis zum Sonnenaufgang in Sukhothai in Thailand.
Eine internationale Jury begutachtete die Beiträge anonym. Hier eine Auswahl der ausgezeichneten Aufnahmen.
Gesamtsieger beim Travel Photographer of the Year 2025
Athanasios Maloukos wurde zum Travel Photographer of the Year 2025 gekürt. Er reichte eine Serie mit Bildern aus der Karwoche in Zamora und von wirbelnden Derwischen in Konya in der Türkei ein.
Die ersten Motive entstanden am Gründonnerstag, wenn die Bruderschaft Yacente in weißen Gewändern schweigend durch die Straßen zieht. Die anderen zeigen die verschiedenen Phasen der Sema-Zeremonie.
Travel Photographer of the Year Gründer Chris Coe sagte über den Beitrag: „Die Aufnahmen sind bei wenig Licht entstanden und verlangen enormes Können. Am Limit zu fotografieren erfordert einen sehr präzisen Umgang mit der Verschlusszeit, um die Bewegungen in diesen beiden Zeremonien gezielt einzufrieren und zu verwischen.“
„Die angedeuteten Bewegungen neben den eingefrorenen Elementen verstärken die Atmosphäre und die Spannung in Athanasios’ Fotografien. Das alles entsteht direkt in der Kamera, ohne übermäßige Nachbearbeitung, und vermittelt die Tiefe und Intensität jedes Augenblicks.“
Monochrome Magie: Das Reisefoto des Jahres
Dana Allen gewann gleich zwei Hauptpreise für ihr Schwarz-Weiß-Foto eines Elefantenbullen.
Entstanden im Ngorongoro-Schutzgebiet in Tansania, zeigt die eindrucksvolle Aufnahme den Moment, in dem sich ein Elefant mit Staub duscht. Das dient meist der Abkühlung und bildet eine Schutzschicht gegen Sonne und Parasiten.
Allen ist Profi für Wildtierfotografie, lebt in Simbabwe und arbeitet seit 30 Jahren in Ländern des südlichen, zentralen und östlichen Afrika.
Ein Bild für unseren Grünen Planeten
Im UNESCO-Welterbe Sukhothai Historical Park entstand John Edwards’ Foto eines Buddhas, der sich im stillen Wasser spiegelt. Es gewann den Hauptpreis in der Kategorie Grüner Planet, Einzelbild.
Durch die invertierte Darstellung wollte Edwards „ein Bild schaffen, das das friedliche, traumartige Gefühl dieses heiligen Ortes spiegelt, an dem die grünen Strukturen und schönen Blumen unserer Welt in eine neue, unerwartete Realität verwandelt werden können“.
Viele der ausgezeichneten Teilnehmer sind hauptberuflich Fotografen. Edwards hingegen arbeitet tagsüber an Therapien gegen Krebs und seltene Krankheiten.
Slow Travel im Bild
Aus der Vogelperspektive zeigt Teo Chin Leongs prägnante Aufnahme, Sieger in der Kategorie Slow Travel, Einzelbild, einen einzelnen Angestellten, der eine Kreuzung in Tokio überquert.
Eingerahmt von Straßenmarkierungen gehört das Bild zu einer Serie, die „die überwältigende Einsamkeit und das hektische Tempo des Lebens in einer Großstadt“ zeigen soll.
Da Tokio vor allem für die quirlige Shibuya-Kreuzung bekannt ist, bleibt die Aufnahme stärker im Gedächtnis, als es auf den ersten Blick scheint.
Chin Leong fotografiert seit mehr als einem Jahrzehnt und hat unter anderem in den Vereinigten Staaten, Saudi-Arabien, China, Indonesien und Japan gearbeitet, ebenso in seiner Heimat Singapur.
Ein starkes Porträt in Hanoi
Der Alltag steht im Mittelpunkt von Rahsan Firtinas preisgekröntem Travel-Porträt.
Aufgenommen in Hanoi in Vietnam zeigt das Foto einen Mann, der in Gedanken versunken ist, während im Hintergrund zwei Ruheständler Tischtennis spielen.
Firtina griff 2019 aus Hobby zur Kamera und widmet sich seit einigen Jahren zunehmend der Fotografie.
Der Publikumspreis
Fast alle Kategorien entschied eine Jury. Den Publikumspreis bestimmte eine öffentliche Abstimmung mit mehr als 4.000 Stimmen.
Mark Julian Edwards’ Schnappschuss aus einem Busbahnhof in Jaffna in Sri Lanka traf den Nerv des Publikums.
Die Nahaufnahme zeigt einen Jungen, der aus dem Fenster blickt, während der Bus anrollt.
Edwards sagte über das Foto: „Der Bus wirkte vom Lauf der Zeit gezeichnet, mit abgeplatzter Farbe und verbeulten Blechen, die ihre eigenen Geschichten erzählen. Doch im Gesicht des Jungen lag eine stille Energie, als könnte er kaum erwarten, was ihn auf der Straße erwartet.“
Wie werden die Gewinner von Travel Photographer of the Year ausgewählt?
Der Wettbewerb geht inzwischen in seine 23. Ausgabe. Eine 16-köpfige internationale Jury bewertet die Einsendungen.
Zu den Experten gehörten in diesem Jahr erstmals der Reise- und Dokumentarfotograf Mark Edward Harris und die Fotografin Krystal Chryssomallis. Sie beurteilen die Bilder, ohne die Identität oder Staatsangehörigkeit der Fotografen zu kennen.
Wer es auf die Shortlist schafft, muss RAW- und Originaldateien vorlegen. So lassen sich die Beiträge verifizieren und ausschließen, dass KI bei der Erstellung zum Einsatz kam.